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Emil Johansson und sein Geheimrezept zum Slopestyle-Sieg in Innsbruck

Nach seinem Triumph im windgepeitschten Finale bei Crankworx Innsbruck, verrät uns Emil Johansson was es braucht, um unter solch schwierigen Bedingungen den Highscore zu holen.
Autor: Hanna Jonssonveröffentlicht am
Es kommt äußerst selten vor, dass ein Slopestyle-Run 100 Prozent nach Plan verläuft, selbst bei den weltbesten Ridern. Bei einem Crankworx-Event haben die Fahrer nicht nur eine schwierige Strecke mit einer Vielzahl an Features vor sich, sondern sie müssen gleichzeitig mit Faktoren wie Regen, Wind und den eigenen Nerven zurechtkommen.
Im Video darunter findest du den beeindruckenden Siegeslauf von Emil Johansson bei Crankworx Innsbruck 2020:
MTB · 4 Min
Emil Johanssons Crankworx Innsbruck 2020 Siegerperformance
Um herauszufinden, wie die Toprider unter dem Einfluss all dieser Komponenten ihre Runs planen, haben wir uns mit dem frisch gekürten Sieger vom Slopestyle-Bewerb bei Crankworx Innsbruck getroffen, Emil Johansson. Der Schwede schwimmt derzeit auf der Erfolgswelle und sorgt mit seinen technischen Tricks und verrückten Kombinationen sowohl bei den Fans als auch bei den Judges für Staunen - selbst bei härtesten Wetterbedingungen.
Emil, herzliche Gratulation zum Sieg! Bitte schildere uns, wie du deine Wettkampf-Runs im Vorfeld planst.
Danke, ich bin so froh, dass ich hier den Sieg holen konnte.
Ich habe bei jedem Wettbewerb einen ähnlichen Prozess, der sich im Laufe der Zeit einfach so entwickelt hat. Ich glaube, es geht dabei sehr stark um Erfahrung. Ich habe schon ziemlich früh in der Wettkampfwoche einen bestimmten Run im Kopf, aber ich achte auch darauf, dass ich für jedes Feature mehrere Optionen habe. Am Ende des Tages wird der gesamte Run bewertet und wenn ich einen Trick weiter oben bereits gemacht habe, kann ich ihn weiter unten nicht noch einmal zeigen.
Emil Johnasson mit einem Trick aufs Whaletail-Feature bei Crankworx Innsbruck.
Auf direktem Weg zum Whaletail-Feature
Ich habe schon ziemlich früh in der Wettkampfwoche einen bestimmten Run im Kopf.
Emil Johansson poses for a portrait during training at the Crankworx FMBA Slopestyle World Championship 2020 Stop 1 in Rotorua, New Zealand on March 05, 2020.
Emil Johansson
Mountainbike Freeride/Slopestyle
Unterschiedliche Tricks im Kopf zu haben, ist eine gute Möglichkeit, die Dinge offen zu halten und auf Faktoren wie Wind und Regen reagieren zu können. Ich wähle einfach die Tricks aus, die unter den jeweiligen Bedingungen an dem bestimmten Tag funktionieren.
Bei starkem Wind ist es zum Beispiel einfacher Tricks wie einen 360 zu machen, weil man dabei nicht so verblasen wird, wie bei geraden Tricks. Es ist ein bisschen wie russisches Roulette: Man weiß beim Drop-In ganz oben nie, wie stark die Windböen in der Mitte des Runs sein werden. Bei schwierigen Bedingungen ändere ich meinen Plan oft mitten im Run. In Innsbruck war der Wind mit Sicherheit der größte Faktor und ich konnte viele Tricks nicht perfekt landen, also musste ich meinen Plan anpassen. All das passiert unbewusst, ich schalte einfach auf Autopilot und mache weiter.
Emil Johansson mit einem Superman-Seatgrab bei Crankworx Innsbruck 2020.
Super-Emil
Auch den Regen sollte man immer im Auge behalten. Ein nasser Kurs ist langsamer als ein trockener und kann man vielleicht einige Tricks nicht machen, weil man nicht genug Speed hat.
Bei schwierigen Bedingungen ändere ich meinen Plan oft mitten im Run.
Emil Johansson poses for a portrait during training at the Crankworx FMBA Slopestyle World Championship 2020 Stop 1 in Rotorua, New Zealand on March 05, 2020.
Emil Johansson
Mountainbike Freeride/Slopestyle
Es ist enorm wichtig, eine Vielzahl unterschiedlicher Tricks in einen Run zu packen, wie Flips, Spins und Opposites. An einem Tag wie in Innsbruck, wenn der Wind verrücktspielt, ist es wichtig, zu akzeptieren, dass man nicht seinen absoluten Traumlauf zeigen kann. Man sollte klug sein und kleine, aber wichtige Änderungen am geplanten Run vornehmen und schließlich so gut es geht mit dem arbeiten, was man hat.
Zum Beispiel habe ich 2019 hier Innsbruck am Start einen 360 gemacht. In diesem Jahr entschied ich mich für den Backflip, weil es mehr Abwechslung in meine Runs bringt und mir mehr Speed für das zweite Feature gab.
Seinen Run von 2019 bei Crankworx Innsbruck findest du im Video darunter:
MTB · 3 Min
Emil Johanssons bester Run – Innsbruck
Wann gibst du einen Run auf?
Aufgeben? Niemals! Es müsste schon ein schwerwiegender Fehler passieren, dass ich einen Lauf aufgebe. Hier in Innsbruck war ich nicht einmal nahe dran, den Run zu zeigen, den ich mir gewünscht hätte - ans Aufgeben habe ich aber trotzdem nie gedacht. Ein paar Tricks waren ziemlich sketchy bei der Landung und ich musste zwischen den Features richtig in die Pedale treten. Bei einer Landung schlug ich mir mit der Kinnstütze sogar die Hand auf und ich kam blutend ins Ziel. Aber aufgeben? Auf keinen Fall! Solange ich auf dem Bike sitze, zählen für mich nur die Punkte.
Emil Johansson und Tomas Lemoine vor dem Drop-In bei Crankwrox Innsbruck 2020.
Johansson und Tomas Lemoine machen sich bereit für ihren Triumphzug
Ich habe 94 Punkte gescored, was gut ist, aber wenn ich die Tricks alle perfekt in den Boden gestampft hätte und zwischen den Features nicht so in die Pedale treten hätte müssen, wäre ein noch besseres Ergebnis möglich gewesen. Am Ende des Tages kann keiner der Rider etwas dafür, dass die Strecke langsam ist oder der Wind verrücktspielt, also muss jeder sein Bestes geben, um es bis ganz nach unten zu schaffen.
Emil Johansson steht wieder einmal ganz oben...
Emil Johansson steht wieder einmal ganz oben...
Wie entscheidest du, welche Tricks du wo machen willst?
Das hängt sehr vom jeweiligen Kurs ab und welches Feeling man von den einzelnen Features bekommt. Grundsätzlich versuche ich, mich von meinem groben Plan führen zu lassen und natürlich denke ich darüber nach, welche Tricks einen besonders hohen Score bekommen würden. Ich kenne meine Fähigkeiten und das Niveau, auf dem ich mich befinde. An Tag X versuche ich dann einfach mein Bestes zu geben.
Auf Features, wie Step-Downs oder Holzrampen, ist es schwieriger große Trick-Kombinationen zu zeigen, dafür werden sie in der Regel auch höher bewertet. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Außerdem sollte man sich überlegen, welche Tricks man zeigen will, und welche man sich lieber für einen anderen Tag aufspart. Ich habe einige Tricks im Repertoire, die ich noch nie gezeigt habe.
"All die Leute wieder zu sehen...das fühlt sich wie zuhause an" - Johansson
"All die Leute wieder zu sehen...das fühlt sich wie zuhause an" - Johansson
Ich glaube nicht daran, dass man bestimmten Features bestimmte Tricks aufzwingen sollte.
Emil Johansson
Ich glaube nicht daran, dass man bestimmten Features bestimmte Tricks aufzwingen sollte. Es mag vielleicht kein schwieriges Feature sein, aber trotzdem funktioniert ein bestimmter Trick aus irgendeinem Grund einfach nicht. Es kann eine Million Gründe dafür geben, wie ein zu langsamer Kurs, man benötigt den Speed bei einem anderen Feature, oder es ist mehr Höhe erforderlich. Die Devise muss lauten: Nicht aufhalten lassen, weitermachen und einen anderen Trick auswählen, außerdem bekommt man meistens ohnehin nicht mehr Punkte dafür.
Was ist dein Lieblingstrick aus dem Siegeslauf in Innsbruck?
Ein paar Tricks eigentlich. Ich liebe den 360 Windshield Wiper, den ich in der Mitte des Runs gezeigt habe, aber auch die Frontflip-Kombination (Frontflip-Bar-to-No-Hander). Das habe ich noch nie in einem Wettbewerb gemacht.
Emil Johannson und Tomas Lemoine feierten gleich auf dem Kurs.
Emil Johannson und Tomas Lemoine feierten gleich auf dem Kurs.
Ich bin mit meinem gesamten Run superglücklich. Also abgesehen vom Wind natürlich.