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FIFA 19: Die ständigen Patches müssen aufhören!

© EA Sports
Autor: Christian Knoth
Alle paar Wochen müssen wir uns auf ein neues Spiel einstellen. So kann es nicht weitergehen.
FIFA 19 ist zwar erst knapp über vier Monate auf dem Markt. Doch schon jetzt haben viele FIFA-Spieler keine Lust mehr auf den aktuellen Ableger von Publisher EA Sports. Der Grund: Die Auswirkungen der Patches, von denen die Entwickler mittlerweile bereits sieben veröffentlicht haben. Im Schnitt also deutlich mehr als einmal im Monat hat EA Sports bisher Updates herausgebracht, um Fehler im Spiel zu beheben und das Gameplay zu verbessern.
In einem jährlich erscheinenden Spiel wie FIFA, das rund 70 Euro kostet und nach zwölf Monaten schon wieder vom Nachfolger abgelöst wird, ist ein solcher Umfang an Patches nicht akzeptabel. Es muss beim Release gewährleistet sein, dass wir ein fertiges Spiel erhalten, welches in den Folgemonaten - wenn überhaupt - nur minimale Anpassungen benötigt. Anders ist es beispielsweise bei League of Legends, das 2009 veröffentlicht wurde und seitdem kostenlos spielbar ist. Hierbei sind regelmäßige Updates verständlich und logisch, weil sich das Spiel stetig weiterentwickeln muss und die Community mit neuen Features und Charakteren versorgt werden möchte. In FIFA sollte es große Veränderungen dagegen erst wieder mit dem Release des Nachfolge-Titels geben!

Neuester FIFA-Patch bringt Teil der Community zur Weißglut

Aber nicht nur die Anzahl, sondern auch die Umsetzung der Updates in FIFA bieten Diskussionsstoff. Die Patches bewirken bei der Community nicht unbedingt Freudensprünge. Im Gegenteil: Viele Spieler sind extrem wütend, Esportler wie Erhan „Dr.Erhano“ Kayman sagen sogar, dass das Spiel mittlerweile "kaputt gepatcht" sei. Das ist zwar eine sehr harte, aber durchaus nachvollziehbare Aussage. Denn: EA hatte beispielsweise vor dem jüngsten Patch angekündigt, die Abschlüsse mit dem Timed Finishing (TF), dem neuen Schuss-System in FIFA 19, abzuschwächen - eine Änderung, die der Großteil der Spielerschaft befürwortet hat. Das haben die Entwickler auch umgesetzt - allerdings nicht so, wie erhofft.
Statt sich nur um die bisher überpowerten TF-Schüsse aus der Distanz zu kümmern, hat EA scheinbar das komplette Schuss-System einmal komplett auf den Kopf gestellt. Schießt man jetzt mit TF, wirkt es hin und wieder wie purer Zufall, ob der Ball im Winkel einschlägt oder meterweit daneben geht. Aber nicht nur das: Nach dem neuesten Patch fühlt es sich gelegentlich so an, als ob wir ein neues Spiel spielen. Das gesamte Gameplay hat sich verändert - und nicht bloß die TF-Nutzung.

Das hat nicht viel mit Esport zu tun

Und das kann nicht sein. Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich FIFA als ein ernstzunehmender Esport-Titel etablieren möchte. Es ist mittlerweile ein Beruf, professioneller FIFA-Spieler zu sein, große Fußballklubs und Unternehmen engagieren sich und die Preisgelder schnellen immer mehr in die Höhe. Das gesamte Umfeld des virtuellen Fußballs wird professioneller - aber das Spiel selbst hat den Schritt vom Casual Game zum Esport-Titel noch nicht geschafft. Dass wir - ein wenig übertrieben gesagt - wöchentlich ein neues Spiel lernen müssen und sich der Weg zum Erfolg in so kurzen Zyklen ändert, hat meiner Meinung nach nicht viel mit Esport zu tun.

Hartes Training für die Katz‘

Stellt euch doch einmal folgende Situation vor: Ihr seid FIFA-Profi, trainiert hart und bereitet euch intensiv auf ein großes Turnier vor. Dann kommt ein Patch, der das Spiel beinahe gänzlich verändert. Eure komplette Turniervorbereitung ist über den Haufen geworfen und ihr seid dazu gezwungen, euch auf ein neues Spiel einzustellen - mit dem Wissen, dass nächste Woche schon der nächste Patch kommen könnte.
Ein passender Vergleich aus einer anderen Lebenssituation: Ihr seid in der Fahrschule, habt nur noch eine Stunde vor eurer Prüfung. Auf einmal bekommt die Fahrschule neue Autos, ganz andere Modelle. Nachdem ihr alle vorherigen Fahrstunden mit einem Kleinwagen absolviert habt, müsst ihr jetzt auf einmal einen Geländewagen fahren und damit auch die Prüfung bestehen. Lustigerweise spreche ich hierbei aus eigener Erfahrung (Ich hab’s geschafft!), aber das spielt gerade keine Rolle. Wichtig ist: Solche Veränderungen sind nicht nur nervig und deprimierend, sondern auch unfair. Wieder auf FIFA bezogen, verlieren einstudierte Trainingsmechanismen an Wert - und das Spiel als Esport-Titel an Professionalität und Akzeptanz.

Patch-Problematik hat fast schon Tradition

Den Ärger mit den ständigen Patches gibt es nicht erst seit FIFA 19. Schon in den letzten Jahren war es immer wieder der Fall, dass die Entwickler das Spiel durch einen Patch verbessern wollten, aber leider das Gegenteil erreichten. Beispielsweise mit FIFA 18 brachte EA Sports ein Spiel heraus, das viele Community-Mitglieder begeisterte. Es war schwieriger, herausfordernder und dadurch interessanter. Allerdings waren die Torhüter extrem schwach, was die Entwickler dazu veranlasste, einen Patch herauszubringen. Und was passierte? Die Torhüter wurden besser, aber das Spiel insgesamt schlechter. Es fühlte sich so an, als ob einfach der Reset-Knopf gedrückt wurde und nun wieder FIFA 17 gespielt wurde - nur eben mit neuen Kadern und Spielmodi.

Warum nicht mal ein fertiges Spiel auf den Markt bringen?

Patches über Patches: Grundsätzlich ist es natürlich erst einmal positiv, wenn die Entwickler der Community zuhören und bei Änderungswünschen versuchen, sie mit einem Patch glücklich zu machen. Dann darf es allerdings nicht dermaßen an der Umsetzung hapern. Und mal unabhängig davon ist es - wie eingangs bereits erwähnt - ein Unding, dass es überhaupt so viele Patches braucht. Das gesamte Jahr über werden die Entwickler mit Ideen, Wünschen und Verbesserungsvorschlägen für ihr Spiel quasi überschüttet. Da muss es doch möglich sein, ein fertiges Spiel zu veröffentlichen. Oder etwa nicht?

Späterer Release wäre verschmerzbar

Falls es zeitlich nicht machbar ist, bis zum traditionellen Release Ende September das Spiel komplett fertigzustellen, dann ist es nun einmal so und die Veröffentlichung muss verschoben werden. Sicherlich hat sich die Community daran gewöhnt, das neue FIFA in der letzten Septemberwoche in den Händen zu halten. Und es würden bestimmt auch einige Spieler ein wenig enttäuscht sein, wenn das Game auf einmal erst im Oktober oder im November in den Handel kommt. Aber wenn es dafür dann ein fertiges Spiel zu kaufen gibt, was in der Folgezeit nicht unzählige Male gepatcht werden muss, könnten wir uns damit doch wohl alle anfreunden.
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