Isack Hadjar auf der Strecke beim Training zum F1 Grand Prix von Spanien, 2025.
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F1

Formel 1: Technische Änderungen vor der Saison 2026

Eine neue technische Revolution steht in der Formel 1 bevor. Werfen wir einen Blick auf die bevorstehenden Änderungen.
Autor: Jakub Winiewski
4 min readUpdated on
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Aerodynamik

In der Formel 1 erreichen die aktuellen Monoposti enorme Geschwindigkeiten, selbst in Kurven. Sie profitieren von einem außergewöhnlichen Grip, hauptsächlich durch die Nutzung des Bodeneffekts. Der Unterboden ist so geformt, dass er einen Kanal erzeugt, der sich zunächst verengt und dann wieder erweitert, wodurch Kurven mit sehr hoher Geschwindigkeit genommen werden können. Dieses Prinzip verursacht jedoch auch das „Porpoising“-Phänomen, das die Arbeit der Fahrer erschwert und die Abstimmung der Ingenieure besonders kompliziert macht. Ab der Saison 2026 werden die Unterböden wieder flach sein. Der Bodeneffekt verschwindet, die Autos werden nicht mehr aufprallen und die Fahrer können ihr Fahrzeug besser kontrollieren.
Folglich wird die Kurvengeschwindigkeit sinken, was zu langsameren Rundenzeiten führen könnte. Dies ist jedoch nicht garantiert: Die aerodynamischen Änderungen betreffen auch die Flügel, was ermöglichen könnte, die verlorene Zeit auf den Geraden wieder aufzuholen. Die aktive Aerodynamik wird es erlauben, die Flügel zwischen zwei Modi anzupassen: Modus X für Geraden und Modus Z für Kurven. Schätzungen zufolge könnten die Monoposti im Modus X auf bestimmten Geraden bis zu 400 km/h erreichen — eine bisher in der Formel 1 unerreichte Geschwindigkeit. Der offizielle Geschwindigkeitsrekord in der F1 liegt derzeit bei 378 km/h (aufgestellt von Valtteri Bottas bei den Qualifikationen des GP von Europa 2016). Ein speziell modifiziertes Auto ohne Heckflügel erreichte unter nicht rennkonformen Bedingungen 2006 auf dem Bonneville-Salzsee 397 km/h. Wenn alles nach Plan läuft, könnte ein neuer Rekord fallen — aber sicher ist noch nichts.
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Chance oder Risiko?

Nahaufnahme des Cockpits der RB21.

Nahaufnahme des Cockpits der RB21

© Red Bull Racing/Red Bull Content Pool

Aktive Aerodynamik gibt es in der Formel 1 seit Jahren, ihr Einsatz ist jedoch sehr begrenzt, zum Beispiel das DRS-System, das nur in bestimmten Zonen und zu definierten Zeiten aktiviert werden darf. Ab 2026 wird sich dies ändern. Vorder- und Hinterflügel können auf Modus X oder Z eingestellt werden, der Wechsel in Modus X erfolgt nach einem genau definierten Auslösepunkt, die Rückkehr in Modus Z an einem anderen Punkt. Das Problem: Ein solch plötzlicher Wechsel der Aerodynamik verändert sofort das Fahrverhalten des Autos. Simulator-Tests führten bereits zu zahlreichen virtuellen Unfällen, und auch die Fahrer stehen dem System skeptisch gegenüber. Hinzu kommt: Das Bremsen wird schwieriger, da die Bremsscheiben verkleinert werden.
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Abmessungen und Form der Monoposti 2026

Die aktuellen F1-Boliden wirken oft riesig und schwer — zu Recht. Die Modelle von 2026 werden kompakter: der Radstand schrumpft von 3,6 m auf 3,4 m, die Breite von 2 m auf 1,9 m. Die maximale Unterbodenbreite wird um 150 mm reduziert und verengt sich nicht mehr nach hinten, wie bisher.

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Das Mindestgewicht der neuen Monoposti beträgt 768 kg (722 kg für das Auto mit Fahrer + 46 kg für die Reifen), also rund 30 kg weniger als aktuell. Der aerodynamische Abtrieb sinkt um ca. 30 %, während der Luftwiderstand um 55 % abnimmt.
Die Reifen werden ebenfalls angepasst: vorne 25 mm schmaler, hinten 30 mm, was Grip und Geschwindigkeit reduziert. Weitere Änderungen: kleinerer Diffusor, verstärkte Monocoque-Struktur zur Aufnahme höherer Lasten, vorderer Aufpralldämpfer nun zweistufig für besseren Schutz bei Doppelaufprall.
Die Abdeckungen über den Vorderreifen entfallen, der Beam Wing wird vereinfacht. Der Heckflügel erhält einfachere Endplatten und drei statt zwei Elemente. Der Frontflügel wird komplett neu gestaltet und wieder unter der Nase montiert, wie früher.
Die Red Bull RB20 in Aktion.

Die Red Bull RB20 in Aktion

© Clive Mason/Getty Images

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Antriebsstrang

Aktuelle Boliden entwickeln rund 1.000 PS, davon ca. 800 PS vom Verbrennungsmotor und 200 PS vom Hybridsystem. Ab 2026 wird das Verhältnis etwa 50/50 sein. Die Leistung des Verbrennungsmotors sinkt, die MGU-K-Leistung (Energie¬rückgewinnung beim Bremsen) vervielfacht sich dreifach. Die Energie pro Runde verdoppelt sich auf 8,5 MJ. Das MGU-H, das Abgaswärme zurückgewann, entfällt. Verbrennungsmotoren werden vollständig mit synthetischem Kraftstoff betrieben. Ab 290 km/h wird die elektrische Leistung allmählich reduziert und bei 355 km/h vollständig deaktiviert.

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Fahrer erhalten ein neues Tool zum Überholen: das Override-System, ein aktivierbarer Boost per Knopfdruck am Lenkrad, ersetzt das DRS-System. Konkret: Ab 290 km/h kann der Fahrer zusätzliche elektrische Energie freisetzen, um zu beschleunigen. Die Batterie liefert bis 337 km/h maximale Leistung, mit 0,5 MJ Extraenergie. Die Reserve muss verwaltet werden, da sich die Batterie schnell entleeren kann, lädt sich aber durch Bremsenergie wieder auf. Ingenieure schätzen, dass dies die Fahrer dazu bringen könnte, vor Kurven stärker zu bremsen, um mehr Energie für die Beschleunigung herauszuholen, anstatt nur leicht zu verzögern.
Ohne DRS ist Überholen sehr schwierig.

Ohne DRS ist Überholen sehr schwierig

© Red Bull Content Pool

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der F1. Hoffen wir, dass sich die Ingenieure und die Red-Bull-Fahrer bestmöglich an diese neue technische Ära anpassen.