Formel-1-Autos werden gebaut, um die Grenzen der Physik auszuloten – für schnellere Runden und den Weg aufs Podium. Wir blicken auf die spektakulären Bestmarken an der Spitze des Motorsports.
Seit 1950 prägt die Formel 1 den internationalen Motorsport – eine faszinierende Mischung aus Highspeed-Action und technischer Präzision. Der Wettbewerb wird vom ständigen Streben nach Geschwindigkeit angetrieben: dem kompromisslosen Ziel, Rundenzeiten um Millisekunden zu senken und die Grenzen der Technik neu zu definieren.
Aber wie erreichen F1-Autos so hohe Geschwindigkeiten, wie schnell fahren sie wirklich und was bringt die Zukunft?
Schnelle Geraden und rasante Schikanen: Monza ist der "Temple of Speed".
Welche Geschwindigkeiten können F1-Autos erreichen?
Im Jahr 2025 fuhr Max Verstappen beim Großen Preis von Italien die schnellste Runde aller Zeiten in 1:18,792 Minuten, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 264,681 km/h. Das ist die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit bei einem WM-Rennen. Das Ganze gelang ihm allerdings im Qualifying, so dass Lando Norris' Zeit von 1:20,901, die er während des Rennens auf den Asphalt zauberte, der offizielle Rundenrekord ist.
Am nächsten Tag gewann Verstappen das Rennen in 1 Stunde, 13 Minuten und 24,325 Sekunden -- der schnellste F1-Grand-Prix aller Zeiten! Verstappens Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 250,70 km/h und übertraf damit den bisherigen Rekord von Michael Schumacher 2003 in Monza mit 247,58 km/h.
Aber das war noch lange nicht alles, denn F1-Autos können noch schneller sein: 2016 wurde Valtteri Bottas im Williams beim Großen Preis von Mexiko in Höhenlage mit 372,5 km/h "geblitzt" -- die schnellste Geschwindigkeit, die je in einem Rennen gefahren wurde. Beim Großen Preis von Aserbaidschan im selben Jahr fuhr der Finne im Qualifying auf der langen Geraden von Baku mit 378 km/h und stellte damit den inoffiziellen Geschwindigkeitsrekord auf.
Der Schnellste aller Zeiten: Max Verstappen in Italien 2025.
Laut Guinness World Record wurde die höchste jemals in einem Grand Prix gefahrene Geschwindigkeit von Juan-Pablo Montoya aufgestellt, als er beim Großen Preis von Italien 2005 372,56 km/h erreichte.
Um den Vergleich zu erleichtern, bleiben wir in Monza. Die schnellste Rennstrecke der Formel 1 trägt den Spitznamen "Temple of Speed", also "Tempel der Geschwindigkeit", und ist eine Strecke, auf der die Autos mit minimaler Aerodynamik fahren und die Fahrer die volle Leistung abrufen können. In Monza wurden einige der schnellsten Runden in der Formel 1 gedreht. Im Jahr 2004 fuhr Montoya im Williams im Freien Training einen atemberaubenden Durchschnitt von 259,83 km/h.
Der Rekord des Kolumbianers hielt bis 2018, als er von Kimi Räikkönen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 263,59 km/h für Ferrari übertroffen wurde. Lewis Hamilton legte die Messlatte 2020 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 264,36 km/h noch höher. Und 2025 brach Verstappen diesen Rekord erneut.
Der Große Preis von Frankreich 1953 - damals war alles noch etwas anders.
Wie unterscheiden sich die Spitzengeschwindigkeiten von Jahrzehnt zu Jahrzehnt?
Monza, die Heimat des Großen Preises von Italien, ist seit der ersten Saison 1950 ein fester Bestandteil des F1-Kalenders und damit der ideale Ort, um die Rundenzeiten über die Jahrzehnte hinweg zu vergleichen. Außerdem hat sich die Strecke in dieser Zeit kaum verändert, zumindest viel weniger als die anderen Originalstrecken. Bis 1955 war die Strecke 6,292 km lang, dann wurde sie auf 5,7 km verkürzt und in den 1960er-Jahren wurden Hochgeschwindigkeits-Steilkurven abgeschafft.
Um die Epochen zu vergleichen, sind wir Jahrzehnt für Jahrzehnt vorgegangen und haben die Durchschnittsgeschwindigkeit im Rennen, die schnellste Runde und die schnellste Qualifying-Runde genommen - eine einzelne fliegende Runde, in der die Autos normalerweise das ganze Wochenende über am schnellsten sind.
Driver
Team
Time
Speed (km/h)
1950
Sieger
Nino Farina
Alfa Romeo
2:51'17.4
176.54
Pole
Juan Manuel Fangio
Alfa Romeo
1'58.6
191.23
Schnellste Runde
Juan Manuel Fangio
Alfa Romeo
2'00.0
189.00
1960
Sieger
Phil Hill
Ferrari
2:21'09.2
212.53
Pole
Phil Hill
Ferrari
2'41.4
223.05
Schnellste Runde
Phil Hill
Ferrari
2'43.6
220.00
1970
Sieger
Clay Regazzoni
Ferrari
1:39'06.88
236.70
Pole
Jacky Ickx
Ferrari
1'24.14
246.02
Schnellste Runde
Clay Regazzoni
Ferrari
1'25.2
242.96
1981*
Sieger
Alain Prost
Renault
1:26'33.897
209.05
Pole
René Arnoux
Renault
1'33.467
223.39
Schnellste Runde
Carlos Reutemann
Williams
1'37.528
214.09
1990
Sieger
Ayrton Senna
McLaren
1:17'57.878
236.57
Pole
Ayrton Senna
McLaren
1'22.533
252.99
Schnellste Runde
Ayrton Senna
McLaren
1'26.254
242.07
2000
Sieger
Michael Schumacher
Ferrari
1:27'31.638
210.29
Pole
Michael Schumacher
Ferrari
1'23.770
248.95
Schnellste Runde
Mika Häkkinen
McLaren
1'25.595
243.65
2010
Sieger
Fernando Alonso
Ferrari
1:16'24.572
240.85
Pole
Fernando Alonso
Ferrari
1'21.962
254.44
Schnellste Runde
Fernando Alonso
Ferrari
1'24.139
247.86
2020
Pole
Pierre Gasly
AlphaTauri
1:47'06.056**
171.83
Sieger
Lewis Hamilton
Mercedes
1'18.887
264.36
Schnellste Runde
Lewis Hamilton
Mercedes
1'22.746
252.03
2025
Sieger
Max Verstappen
Red Bull Racing
1:13'24.325
250.71
Pole
Max Verstappen
Red Bull Racing
1'18.792
264.68
Schnellste Runde
Lando Norris
McLaren
1'20.901
257.78
* 1980 war Monza wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, deshalb haben wir den Sieg von Renault mit Turbomotor 1981 als Beispiel für die 80er Jahre genommen. ** Pierre Gasly feierte einen großartigen Sieg für das damalige AlphaTauri-Team (heute Visa Cash App RB), nachdem das Rennen wegen Charles Leclercs Ausfall für 30 Minuten mit roter Flagge unterbrochen worden war.
Legendäre Typen: Sebastian Vettel und Max Verstappen im Jahr 2019.
Spitzengeschwindigkeiten und schnellere Rundenzeiten werden von einer Reihe von Faktoren beeinflusst, darunter eine schnellere Beschleunigung, stärkere und leichtere Materialien wie Carbon und bessere Reifen.
Die Aerodynamik spielt eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung der Geschwindigkeit und Leistung von F1-Autos: Front- und Heckflügel und die Form des Chassis drücken Luft auf das Auto, um mehr Grip zu erzeugen. Der Abtrieb sorgt für höhere Kurvengeschwindigkeiten und eine bessere Stabilität.
Auch der Kraftstoffverbrauch spielt eine Rolle: Je weniger Kraftstoff, desto leichter und schneller ist das Auto. Das Brabham F1-Team leistete 1982 Pionierarbeit mit dem taktischen Boxenstopp. Es erkannte, dass es schneller war, zwei Stints mit wenig Treibstoff zu fahren und dann anzuhalten, um mehr Benzin und frische Reifen zu tanken. Als das Nachtanken verboten wurde, legte das Team mehr Wert auf Kraftstoffeinsparung und den Einsatz von Hybridtechnologie zur Energieerzeugung.
Taktische Boxenstopps können den F1-Boliden helfen, schneller zu sein.
F1-Autos können dank turbogeladener Hybridmotoren, den so genannten Power Units, schnell beschleunigen. Diese Power Units bestehen aus einem 1,6-Liter-V6-Verbrennungsmotor in Verbindung mit einem Energierückgewinnungssystem (ERS). Sie sind klein, leicht und leistungsstark und produzieren rund 1000 PS.
Technische Durchbrüche wie Computational Fluid Dynamics (CFD), erfahrene Testfahrer:innen, die in Autosimulatoren arbeiten, und künstliche Intelligenz, die zahlreiche Bedingungen, Einstellungen und Szenarien reproduzieren kann, helfen Teams und Fahrern, die Leistung an Rennwochenenden zu maximieren.
04
Wie wird es weitergehen?
Die Formel 1 im Jahr 2026 unterliegt einem neuen Reglement, das die Teams und Fahrer auf eine harte Probe stellt, während sie versuchen, mit der neuen Technologie zurechtzukommen. Die Triebwerke erzeugen jetzt 50 % ihrer Leistung mit Verbrennungsmotoren und die andere Hälfte mit Hybridmotoren.
Die Technik ist sehr schwer zu beherrschen. Kurzfristig werden die Rundenzeiten langsamer werden, aber wenn die Teams die Technologie beherrschen, werden die Rundenzeiten sinken und die Rennen enger und noch spannender.
Max Verstappen testet den RB22 auf Herz und Nieren.
Um zu erklären, warum die FIA und die Formel 1 die Regeln geändert haben, können wir uns noch einmal den Großen Preis von Italien 2025 ansehen, bei dem die Top 7 alle Schumachers 20-jährigen Rekord unterboten. Da die Autos Rekordzeiten fuhren und das Feld unglaublich eng beieinander lag, war es an der Zeit, die Regeln zu ändern.
Die Leistungsunterschiede sind inzwischen deutlich, sodass selbst Teams wie Cadillac und Aston Martin Gefahr laufen, die 107-Prozent-Regel zu verfehlen. Diese verlangt, dass die Rundenbestzeit jedes Autos innerhalb von 107 Prozent der Q1-Bestzeit liegt.
Aber das sollte nur vorübergehend sein: Die neuen Autos sind schneller, leichter und wendiger und haben immer noch rund 1000 PS zur Verfügung. Die meisten Teams fahren bereits jetzt schnellere Rundenzeiten als erwartet, und wenn sie mehr elektrische Leistung freisetzen, könnten wir bald die schnellsten Autos der F1-Geschichte sehen.