Regen, Chaos, eine rote Flagge, Titelrivalen am Ende des Feldes, dann strahlender Sonnenschein und ein neues Siegergesicht in der Formel 1 – der Ungarn Grand Prix hatte von allem etwas zu bieten. Am Ende eines der verrücktesten Rennen seit langem lächelt der Alpine-Pilot Esteban Ocon zum ersten Mal nach 78 Rennen vom obersten Treppchen, während Red Bull Racing Honda und Max Verstappen ein weiteres Mal Wunden lecken müssen.
Das ganze Wochenende über war es heiß in Ungarn. Die Streckentemperatur im Qualifying lag bei 60°C, während 20 Minuten vor Rennstart der Regen kam und unmittelbar für Wirbel sorgte.
Pole-Starter Lewis Hamilton führte das Feld in Kurve 1 an, dahinter passierte dessen Teamkollegen Valtteri Bottas aber ein Bremsfehler, der eine wahre Kettenreaktion auslöste und das Punkteranking der Weltmeisterschaft mächtig über den Haufen warf.
Mit jeder Menge Karbonteilen auf der Strecke war eine rote Flagge unvermeidbar und es war schnell klar, dass für Norris, Bottas und Perez, die in der Fahrerwertung die Plätze 3 bis 5 belegen, das Rennen frühzeitig zu Ende war. Verstappen und Ricciardo bissen sich weiter durch, auch wenn dem Red Bull-Piloten ein signifikanter Teil seines Unterbodens fehlte. Die Stewards reagierten auf Bottas‘ Fehlverhalten: Er muss beim nächsten Rennen in Belgien fünf Plätze abgeben. Stroll fasste dieselbe Strafe aus.
Ocon (der als Achter ins Rennen startete) und Sebastian Vettel (10.) fanden einen Weg durch das Durcheinander und machten es sich zunutze. Das ganze Rennen über setzte Vettel den Franzosen unter Druck, der blieb aber ruhig und fuhr seinen ersten erinnerungswürdigen Sieg ein.
Hamilton beendete das Rennen auf Platz drei, nachdem ihm beim Restart ein strategischer Fehler passierte. Er rollte nach der Formation-Lap mit den Intermediate-Reifen an die Startlinie, während alle anderen Fahrer in die Box fuhren, um auf den plötzlich strahlend blauen Himmel zu reagieren und auf Trockenreifen zu wechseln. Damit war Hamilton der einzige, der regulär ins Rennen ging, während alle anderen von der Boxengasse aus starteten. Schon in der nächsten Runde holte er den Abstecher in die Box nach, wechselte die Reifen, fiel ans Ende des Feldes und verbrachte das gesamte Rennen damit, Plätze gutzumachen. Das gelang ihm auch. Der Sieg wäre mit Sicherheit noch drin gewesen, wäre nicht Ocons Teamkollege Fernando Alonso gewesen, dem es mit herausragendem Racing gelang, Hamiltons Angriffe volle 10 Runden lang abzuwehren.
Für den Mercedes-Piloten gab es damit am Ende 15 Punkte, während es Verstappen noch gelang, sein sporadisch zusammengeklebtes Auto auf den 10. Rang zu hieven. Hamilton holte sich damit die Führung mit 6 Punkten Vorsprung im Weltmeisterschaftsranking zurück, während Red Bull Racing auch in der Konstrukteurswertung zurückfiel und nun 10 Punkte Rückstand auf Mercedes gutzumachen hat.
Verstappen beklagt sein Pech
Ein Rennen nach dem kontroversiellen Crash in Silverstone platzierte sich Verstappen im Qualifying mit Platz drei gut für einen Angriff auf der sauberen Seite der Startreihe. Der Regenguss kurz vor Rennbeginn machte seinen Plan, den Mercedes-Piloten auf den schnelleren Soft-Reifen schon am Start das Leben schwer zu machen, jedoch zunichte. Dennoch, Verstappen erwischte einen hervorragenden Start, setzte sich vor Bottas und startete den Angriff auf Hamilton – bis Norris als Folge von Bottas‘ Fehler ihn aus der Kurve drückte.
Während des halbstündigen Rennabbruchs setzten Verstappens Mechaniker alles daran, den Schaden zu reparieren. Auf Platz 13 ging er wieder ins Rennen, wo er den Haas-Rookie Mick Schumacher überholte und sich hinter seinem ehemaligen Teamkollegen Ricciardo festsetzte, der ebenfalls mit stumpfer Waffe unterwegs war.
Neun Runden vor Schluss gelang es Verstappen dann, den McLaren-Piloten zu überholen, dennoch zeigte er sich mit nur einem Punkt aus zwei Rennsonntagen nur wenig zufrieden.
„Schon wieder von einem Mercedes aus dem Rennen genommen – das ist nicht das, was du willst“, erzählt Verstappen nach dem Rennen. „Von diesem Moment an fehlte mir die ganze rechte Seite meines Autos, das Bargeboard. Auch der Unterboden wurde beschädigt, also war es ehrlich gesagt fast unmöglich, das Auto zu fahren. Dennoch versuchte ich mein Bestes und konnte noch einen Punkt holen, das ist zumindest etwas.“
„Momentan haben wir mit diesen unnötigen Situationen zu kämpfen, die uns eine Menge Punkte kosten, also wir werden sehen. Mercedes ist schnell, aber wir werden nicht aufgeben. Wir werden uns auf uns konzentrieren, weiter pushen und werden dann sehen, wo wir landen.“
While "massively frustrated" by a second consecutive race with significant crash damage, Red Bull Racing Honda team principal Christian Horner was keen to look further ahead, with 12 rounds of the 23-race season still to run.
Während sich Team-Chef Christian Horner nach einem zweiten heftigen Crash-Schaden „massiv frustiert“ zeigt, konzentriert er sich darauf, auf die 12 noch anstehenden Rennen zu blicken: „Er ist mit nur einem halben Auto gefahren, die gesamte rechte Seite seines Bargeboards fehlte. Für uns ist das brutal. Max kämpfte um diesen einen Punkt und der könnte sich am Ende des Jahres als entscheidend herausstellen.“
Einen Erfolg gab es auf Seiten von Red Bull aber zu verbuchen: Verstappens Boxenstopp in Runde 41 war mit 1,8 Sekunden der schnellste der gesamten Saison.
Die Unglücksserie von Pérez setzt sich fort
Silverstone, wo er nach einem Dreher im Sprint-Qualifying das Rennen auf Platz 16 beendete, war für Verstappens Teamkollegen Sergio Pérez schwer zu schlucken, war er doch selbst schuld an seiner Misere. Ungarn lief da etwas anders ab.
Er ging von Startplatz vier ins Rennen und war bereit, im Kampf an der Front mitzumischen. Doch auch den Mexikaner traf keine Schuld am Chaos der ersten Runde, als Bottas auch ihn aus dem Weg räumte. Pérez versuchte es noch in die Boxengasse, musste sein Auto aber in Runde 12 abstellen.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, meint Pérez. „Es ist klar, dass Bottas ein massiver Fehler unterlaufen ist und er damit alle aus dem Rennen genommen hat. Es ist eine Schande und ein heftiger Rückschlag für uns als Team. Wir haben auch die Engine verloren, das ist nicht ideal.“
Gasly trägt seinen Teil bei, Tsunoda glänzt
Direkt dahinter war sein Teamkollege Yuki Tsunoda unterwegs, der wie Ocon und Vettel gekonnt durch das Durcheinander in der ersten Kurve kam und sich so auf Platz fünf vorkämpfte, obwohl er von Startplatz 16 an den Start ging. Damit egalisierte er sein bestes Saisonergebnis und verbuchte weitere sechs Punkte auf seinem Konto.
Glückliche Gesichter in Ungarn
Der Grand Prix in Budapest war an Verrücktheit kaum zu überbieten. Nach dem Ende des Rennens fuhr der erstmalige Sieger Ocon nicht in die Boxengasse, erst dann realisierte er, dass er seinen Alpine abstellen musste. Den weg in die Boxengasse musste er im Laufschritt absolvieren. Auch der Zweitplatzierte Vettel kam zu Fuß an, nachdem dem Aston Martin mitten auf der Strecke der Sprit ausging.
Auch auf Seiten von Williams gab es strahlende Gesichter. Mit dem achten Platz für Latifi (seine ersten Weltmeisterschaftspunkte) und Platz neun für Russell feierte das britische Team die ersten Punkte seit 38 Rennen.
Nächster Stopp: Spa
Nachdem 11 Rennen der veranschlagten 23 hinter uns liegen, ist es nun an der Zeit, Luft zu schnappen und in die dreiwöchige Sommerpause zu gehen. Besonders in dieser Saison haben sich die Teams eine Pause redlich verdient. Danach steht mit dem Großen Preis von Belgien am 29. August das nächste Highlight auf dem Programm.
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