Olga Kharlan beim Fechten.
© Dmytro Vakulka / Red Bull Content Pool
Fechten

Die Geschichte des Fechtens: Von antiken Duellen zum modernen Sport

Erfahre alles über die faszinierende Geschichte des Fechtens - von den traditionellen Ursprüngen und ihren Pionieren bis zur sportlichen Moderne der Gegenwart.
Autor: Natalie Hamingson
6 min readveröffentlicht am
Die Kunst des Fechtens hautnah mitzuerleben ist ein aufregendes und spannendes Erlebnis. Die Wettkämpfer:innen beginnen in der En-Garde-Position und wechseln zwischen vorsichtigem Taktieren und blitzschnellen Angriffen. Dieser Sport und seine Bewegungen wurden ursprünglich von klassischen Kampfkünsten inspiriert, aber die Geschichte geht noch viel weiter zurück.
Olga Kharlan bei einem Fechtkampf im Rahmen der Moscow Saber 2013.

Olga Kharlan in Action

© Daniel Kolodin / Red Bull Content Pool

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Frühe Ursprünge des Fechtens

Die Geburt des Fechtens und frühe Wettkämpfe
Es wird angenommen, dass der erste Fechtkampf im byzantinischen Reich im späten sechsten Jahrhundert stattgefunden hat. Frühe Fechttechniken entstanden aus militärischen Zweikampfstrategien, die in Ägypten und Griechenland angewandt wurden, wo auch die ersten Fechtschulen gegründet wurden. Die in den antiken griechischen Institutionen entwickelten Stile und Methoden sind auch heute noch bei Wettkämpfen auf der Fechtbahn zu sehen.
Es sollte noch einige Zeit dauern, bis sich das Fechten von einer Trainingsmethode für die Kriegsführung zu einem eigenständigen Wettkampfsport entwickelte. Der erste formelle Fechtwettbewerb fand erst mehrere hundert Jahre später statt, nämlich 1880 in London beim Grand Military Tournament and Assault at Arms. Fast zwei Jahrzehnte später feierte das Fechten sein Debüt bei einem der prestigeträchtigsten internationalen Sportturniere -- den Olympischen Spielen von 1896 in Athen.
Die Entwicklung der Fechtwaffen
Olga Kharlan beim Fechten.

Olga Kharlan fechtet mit dem Säbel

© Dmytro Vakulka / Red Bull Content Pool

Heute umfasst der Fechtsport drei Disziplinen - Florett, Säbel und Degen -- drei unterschiedliche Waffen mit ihrer jeweils eigenen Geschichte. Der Säbel ist eine Hieb- oder Stichwaffe, die den Schwertern aus dem antiken Kampf am ähnlichsten ist. Die ersten Säbel wurden im Italien des 19. Jahrhunderts hergestellt und sollten leichter sein als ein typisches Militärschwert.
Das Florettfechten - die bekannteste Disziplin des modernen Fechtens - kam im 17. Jahrhundert in Frankreich auf, als ein kleines Schwert mit einer stumpfen Spitze eingeführt wurde. Im Gegensatz zu Säbelwaffen erforderte das Florett eine Stoßtechnik, die den Manövern der römischen Armee ähnelte. Der Degen, der ebenfalls schlank ist und eine stumpfe Spitze hat, tauchte erstmals im späten 19. Jahrhundert in Frankreich auf.
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Entwicklung der Fechttechniken

Zielbereiche
Beim Fechten können die Wettkämpfer:innen nur punkten, wenn sie eine bestimmte Stelle am Körper ihres Gegenübers treffen. Bei Florett, Degen und Säbel hat die Konstruktion der Waffe viel mit der Festlegung des Zielbereichs der jeweiligen Disziplin zu tun. Florettwaffen zum Beispiel sind auf Präzision ausgelegt. Die frühen Florettwaffen hatten jedoch ein hohes Potenzial für Gesichtsverletzungen, bevor die Fechtmasken aufkamen. Daher war der gültige Zielbereich auf den Oberkörper beschränkt.
Olga Kharlan beim Fechten.

Die Fechtmaske wurde eingeführt, um Gesichtsverletzungen zu vermeiden

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Der Degen wurde entwickelt, um die Sicherheitsprobleme des Floretts zu verbessern. Die Schiedsrichter:innen bei frühen Degenkämpfen fanden es jedoch unglaublich schwierig, gültige Treffer zu bestimmen. Als die Sicherheitsausrüstung verbessert wurde, entwickelten sich Florett und Degen weiter. Beim Degen galt der gesamte Körper als gültige Zielfläche, sodass sich niemand mehr Gedanken darüber machen musste, ob ein Punkt gültig war. Als das Florett sicherer wurde, entwickelten die Fechter:innen außerdem die Riposte-Technik, bei der sie einen Treffer abblocken und mit einem Gegenangriff zurückschlagen.
Beim Säbelfechten war das Gegenteil der Fall: Ursprünglich waren Treffer überall am Körper erlaubt. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte der Internationale Fechtverband (FIE) den Zielbereich jedoch so, dass nur noch Treffer oberhalb der Gürtellinie gezählt wurden. Dieser neue festgelegte Zielbereich erinnerte stark an die Ursprünge des Schwertkampfes. Der Bereich oberhalb der Gürtellinie ist der gleiche, den ein Soldat auf einem Kavalleriepferd schützen musste.
Wertungssysteme
Olga Kharlan beim Fechten.

Von der Kampfkunst zum modernen Sport

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Vieles wurde im Laufe der Zeit verändert, doch eines ist in der langen Geschichte des Fechtens konstant geblieben: Die Bewegungen bei Duellen werden blitzschnell ausgeführt. Außerdem kann der Unterschied zwischen einem gültigen Punkt und einem ungültigen Treffer nur eine Frage von Zentimetern sein. Du kannst dir also vorstellen, dass es keine leichte Aufgabe ist, als Schiedsrichter:in den Überblick zu behalten.
Die Einführung eines elektrischen Fechtbewertungssystems hat alles revolutioniert. Die ersten elektrischen Systeme stammen aus dem Jahr 1840, setzten sich aber erst Ende des 19. Jahrhunderts durch. Der Konstrukteur des ersten Prototyps eines elektrischen Fechtsystems war ein Amateurfechter, der anonym bleiben wollte und heute nur als "Mr. Little" bekannt ist. Der britische Florettfechter M. Bertrand war der erste, der ein elektrisches System verwendete, bei dem ein Draht das Florett mit einem an der Wand befestigten Summer verband.
Die ersten elektrischen Wertungssysteme waren ziemlich schwer und wurden nicht auf Anhieb von allen akzeptiert. Frankreich zum Beispiel weigerte sich, das neue System zu benutzen, weil es das Gegenteil des beabsichtigten Zwecks bewirkte und zu einer verzerrten Wertung führte. In den späten 1920er-Jahren setzte sich das elektronische Punktesystem dann aber endgültig durch.
Heute sind die elektronischen Wertungsgeräte viel fortgeschrittener und ermöglichen den Fechter:innen eine viel größere Bewegungsfreiheit. Die Einflüsse von "Mr. Littles" ursprünglichem Design sind jedoch immer noch zu erkennen. Moderne Fechtschwerter sind mit Drähten ausgestattet, die die Treffer auf einem elektronischen Punktesystem registrieren, das leuchtet, anstatt zu summen.
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Fechtschulen

Die ersten Fechtschulen entwickelten sich aus Militärakademien. Im Frankreich des 17. Jahrhunderts war die École des Maîtres d'Armes, die Schule der Schwertmeister, eine der ersten europäischen Akademien, die Schwertkampfunterricht anbot. Schließlich wurde die Akademie der Waffen in Frankreich ausschließlich für den Fechtunterricht gegründet.
Von allen Fechtschulen, deren Einfluss auf den Sport auch heute noch spürbar ist, ist Angelos Waffenschule jedoch die wichtigste. Die 1763 von dem italienischen Fechter Domenico Angelo in London gegründete Fechtschule nahm Schüler:innen aller Geschlechter auf. Angelos Unterricht konzentrierte sich auf die Fußarbeit und die Waffentechnik, inspiriert vom klassischen französischen Fechten.
Als sich Angelos Schule in der Oberschicht herumsprach, boomte die Zahl der Anmeldungen. Schließlich veröffentlichte Angelo das Buch "L'École des armes". Übersetzt heißt das "Die Schule des Fechtens". Der illustrierte Leitfaden hatte einen großen Einfluss auf die Bekanntheit des Fechtens.
Der Einfluss berühmter Fechter in der Geschichte
Die italienischen Fechtmeister des 15. bis 17. Jahrhunderts spielten eine wichtige Rolle in der Frühphase des Fechtens. Filippo Vadi, Ridolfo Capoferro und Achille Marozzo schrieben alle über die Kunst des Fechtens und ihre Worte haben bis heute Einfluss.
Im Jahr 1780 entwickelten die französischen Fechter Texier De La Boessiere und Chevalier St. Georges gemeinsam die erste Fechtmaske, die den Sport für alle sicherer machte. In den 1920er Jahren führte der ungarische Fechter Laszlo Borsodi den Flèche-Angriff (Überraschungsattacke, Sturzangriff) für Florett und Degen ein. Fast jede Innovation in der Geschichte des Fechtens ist verbunden mit einer Unmenge an Zeit auf der Fechtbahn.
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Fechten in der Moderne

3 Min

Das sind die besten Momente von Red Bull En Garde

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Heute werden Fechtwettbewerbe überall nach den Richtlinien der FIE durchgeführt, die 1913 gegründet wurde. Von der Weltmeisterschaft bis hin zu internationalen Veranstaltungen, die alle Sportarten umfassen, hat die FIE das letzte Wort bei allem, was bei Fechtwettbewerben mit Florett, Degen und Säbel erlaubt ist. Dazu gehören auch sichere Fechtpraktiken und ein hohes Maß an Etikette und Anstand. Alle Fechter:innen müssen einen Wettkampf mit einem Salut beginnen und beenden - eine Hommage an die ritterliche Militärkultur, aus der der Sport hervorgegangen ist.
Auch wenn das Fechten als uralter Sport bekannt ist, machen moderne Athlet:innen diese Wettkämpfe für das heutige Publikum sehr spannend. Beweisstück A: Der einstige Olympiamedaillengewinner Miles Chamley-Watson kreierte in der Hitze des Gefechts seinen eigenen Fecht-Move. Der "Chamley-Watson", bei dem man mit der Waffe hinter dem Rücken zuschlägt, ist der Beweis dafür, dass auch alte Sportarten noch neue Wege gehen können.
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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Fechtens

Der Fechtsport hat sich im Laufe der Zeit stark weiterentwickelt. Trotz ständiger Innovationen zollt das moderne Fechten den sportlichen Vorfahren, die das Fechten zu ihrer Zeit definiert haben, weiterhin Tribut. Als Sportart, die sich über Jahrhunderte bewährt hat, ist Fechten besonders spannend, wenn es um neue Innovationen geht, die von den besten Wettkämpfer:innen der Gegenwart und Zukunft entwickelt werden.