Patrick, du bist im Slalom durch das Landwasserviadukt in Filisur, Graubünden geflogen. Wie kommst du auf eine solche Idee?
Wie bereitet man sich auf einen solchen Flug vor, einen Flug, den noch niemand gemacht hat?
Wir hatten vier Tage, an denen ich zwischen 15 und 19 Testflüge machte. Am ersten Tag nahm ich drei unterschiedlich grosse Schirme mit. Mit dem kleinsten verlor ich in den Kurven zu aggressiv an Höhe. Der mittlere gab mir mehr Reserve für die Landung. Danach tastete ich mich Schritt für Schritt heran: zuerst durch einen Bogen, dann durch zwei. Beim siebten oder achten Versuch schaffte ich erstmals drei.
Warum brauchtest du dann noch einmal so viele Flüge, bis du bereit warst?
Weil ich kurz darauf in den Weiden landete – also ich kurz vor den Weiden, mein Schirm mitten in den Bäumen. Das gute Gefühl, das ich mir in all den Flügen zuvor sorgfältig aufgebaut hatte, war schlagartig weg. Gedanklich war ich nicht mehr beim Slalom, sondern bei der Landung und den Bäumen. Ich musste mich Flug für Flug wieder herantasten. Bis das Bauchgefühl wieder stimmte.
Erklär einem Laien, wie man Slalom durch ein Viadukt fliegt. Was erwartet einen da?
Drei Kurven, dann die Landung. Kein Problem, oder?
Ja, wenn man Platz hat. Aber ich hatte in Filisur bloss circa 10 auf 50 Meter Landefläche. Umgeben von Bäumen, Sträuchern und Hindernissen. Direkt nach einem Fluss. Ich hatte nur ein paar Zehntelsekunden, um mich darauf vorzubereiten. Eigentlich musste ich die Landung bereits vor der Brücke einteilen.
Was geschieht im Kopf, wenn es endlich aufgeht?
Du hast eingangs den Tunnelflug erwähnt. Im Val di Fiemme (IT) bist du mit fast 60 km/h durch einen mehr als 150 Meter langen Tunnel geflogen. Das war ein Weltrekord. Ist das nicht anspruchsvoller als der Viadukt-Slalom
Am Drehtag beim Viadukt wäre ich lieber noch einmal durch den Tunnel geflogen. Dort war alles gerade und gleichmässig. Beim Viadukt musste ich zentimetergenau um die Brückenpfeiler kurven, den Zug beobachten und gleichzeitig die Landung im Auge behalten. Es ging bam, bam, bam: eine Herausforderung nach der anderen. Und ich bin wirklich schlecht im Multitasking.
Kannst du den Viadukt-Slalom mit irgendwas vergleichen?
Warum? Der Zug fährt doch nach Fahrplan.
Das schon. Aber je nachdem, ob er eher spät dran war oder zu früh, fuhr er schneller oder langsamer durch den Tunnel. Für den Dreh hatten wir eigentlich drei Zeitfenster, also drei Züge. Beim zweiten war ich noch weit weg, als ich bemerkte: Der Zug ist schon auf dem Viadukt. Ich musste abbrechen. Beim dritten war ich bei der Brücke, aber der Zug noch lange nicht. Es fühlte sich an wie Lotterie.