Mit seinem neuen Album sorgt Naim für Aufsehen in der Szene.
© Hans-Jörg Walter
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7 Urban Artists aus Basel, die du unbedingt kennen solltest

Basel gilt in der Schweiz oft als Vorreiter in Sachen Hip-Hop Kultur. Doch auch in jüngerer Zeit machen wieder Rapper aus der Stadt am Rhein auf sich aufmerksam. Ein Überblick.
Autor: Thierry Kuhn
6 min readveröffentlicht am
Lange ist es her, seitdem Hip-Hop als lokale Randerscheinung galt und als belächelte Subkultur abgestempelt wurde. Hip-Hop ist heute – wenn auch nicht der Kultur wegen – das am stärksten wachsende Genre der Gegenwart. Von Grosskonzernen bis hin zum kleinen Pausenplatz, Hip-Hop hat sich auf der ganzen Welt verbreitet – und das ist auch in der Schweiz nicht anders.
Basel war hierzulande in Sachen Hip-Hop schon immer ein bisschen Vorreiter. Gründe dafür gibt es mehrere, etwa eine langjährige aktive Szene mit etlichen MCs, Breakern und Sprayern – Beweis für Letzteres liefert die weltberühmte Bahnhofseinfahrt mit eindrücklichen Graffitis. Auch wenn in der urbanen Szene in Basel derzeit etwas Ruhe eingekehrt ist, gibt es dennoch Künstler, die für Aufsehen sorgen und die Szene neu erfinden. Von Vergangenheit bis Zukunft – eine kleine Rundreise am Rheinknie.

Black Tiger

1991 läutete ein gewisser Black Tiger mit Worten wie «y bin e sprayer und y spray won y will» die Geburtsstunde des Schweizer Raps ein und löste damit eine kleine Schockwelle aus. In erster Linie, weil er als erster Mundart-Rapper überhaupt den Schweizer Rap begründete und andererseits, weil er mit seinem Plädoyer für Graffiti schon damals inhaltlicher Zündstoff bot und kritische Ansätze vertrat.
Trotzdem dauerte es über 10 Jahre, bis er 2003 sein erstes Soloalbum veröffentlichte. Ein weiteres Jahrzehnt später folgte der nächste Meilenstein, als er für das Projekt «1 City 1 Song» 147 Basler Musiker zusammenbrachte. Erst im vergangenen Sommer releaste Black Tiger zwei neue Videos, die an Botschaft und Qualität nichts eingebüsst haben. Nebst seinem musikalischen Einfluss engagierte er sich immer wieder in der Jugendarbeit und in der Gewalt- und Drogenprävention. Darum beweist das Urgestein, dass er auch fast 30 Jahre nach «Murder by Dialect» die dringlichste Stimme der Stadt bleibt.

Griot

Bereits seit seinem Debütprojekt «s'Rosebett» im Jahr 1998 wählte Griot einen anderen Ansatz, als es viele seiner Mitstreiter je konnten. Tracks wie «Was goht ab» oder der Stadthymne «B-A-S-E-L» liegen mittlerweile 20 Jahre zurück und erlangten schon Kultstatus, als er noch als Mory unterwegs war – wie Griot bürgerlich heisst. Er war lange Zeit der kontroverseste Rapper der Schweiz – zu Unrecht, hat er doch den Strassenrap in der Schweiz nicht nur begründet, sondern auch wesentlich etabliert, was hierzulande nicht immer gut angekommen ist.
Mit harten Raps und einer ähnlichen Attitüde stellte er einen Gegenpol in der Szene dar, was in der Restschweiz lange nicht goutiert wurde. Diese Haltung hat sich über die Jahre relativiert, wird die Gangsta-Rap-Schiene heutzutage doch in millionenfacher Ausführung kopiert und zelebriert. Umso mehr bleibt Griot ein Vorzeigebeispiel für seine Vorreiterrolle – schliesslich bewies er mit Songs wie «Inner City Blues», dass auch er persönliche und sozialkritische Texte meistern kann – und verewigte sich damit endgültig als Strassenrap-Ikone.
Griot ist heutzutage hauptsächlich als Personaltrainer tätig, lässt es sich aber nicht nehmen, hie und da neue Tracks rauszuhauen. Nach 8 Jahren Pause meldete er sich letztes Jahr mit der Comeback-EP «45» zurück.

Goldfinger Brothers

Die Goldfinger Brothers sind seit 20 Jahren an der Front dabei und von der Basler Hip-Hop-Szene nicht mehr wegzudenken. Die beiden Brüder und Tausendsassa, Janiv und Eres Oron, besser bekannt als DJ La Febbre und DJ Montes, bewegen sich inzwischen weit über das herkömmliche Auflegen hinaus: Das DJ-Duo ist nebenbei auch Clubmacher, betreibt Förderprojekte und ein eigenes Künstleratelier. 2007 lancierten sie die heute legendäre Partyreihe «Block Party» im NT Areal, die bis heute erfolgreich anhält – und ein Ende ist noch nicht in Sicht.
Über die Jahre konnten sie auch schon diverse Preise einheimsen, wie etwa 2010 den Red Bull Thre3Style. Dass Montes ausgerechnet in der Kategorie «Best Party Rocker» gewonnen hat, ist alles andere als Zufall: Die Goldfinger Brothers schaffen es, ihr Publikum stets bei Laune zu halten, ohne je in musikalischer Stagnation zu fallen oder sich vor neuen Genres zu verschliessen. Im Gegenteil: Dank ihrer progressiven Mischung aus Altem und Neuem blieben La Febbre und Montes mit ihrem Repertoire stets auf der Höhe der Zeit.

KimBo

Erstmals aufgefallen sein dürfte KimBo der breiten Masse bei ihrem Debüt am Virus Bounce Cypher 2018. Im selben Jahr setzte die Rapperin einen drauf und feierte die Veröffentlichung ihrer Debüt-EP «Trip Infinito» und wurde vom Label NoHook! unter Vertrag genommen. Doch für die Multi-Kulti Powerfrau kam es noch besser: Ihr Song «Verspilt» gewann bei der Democlinic RFV Basel 2018 den Hauptpreis und ihre satirische Single «Pissness» war bei der m4music Democlinic 2018, dem wichtigsten Popmusikszene-Festival der Schweiz, in der Kategorie Urban nominiert. Überhaupt versucht KimBo stets, lyrische Akzente zu setzen, indem sie sich für politische und gesellschaftliche Themen stark macht.
Bereits seit 2017 ist KimBo Teil des rein weiblichen Hip-Hop-Kollektivs Vybezbilder. Ihr Song «F-Wort» avancierte 2017 zur inoffizielle Hymne des Women's March Zürich. KimBo ist in Zürich geboren, im Tessin aufgewachsen und lebt heute in Basel. Ihre kulturelle Vielfalt äussert sich auch in ihren zweisprachigen Texten, rappt und singt sie sich doch auf Italienisch und Schweizerdeutsch durch ihre Songs. Für das nächste Jahr steht bei KimBo ein Soloalbum an, das bereits grösstenteils im Kasten ist.

Naim

Mit seiner Debüt-EP «Boy in the North» schuf Naim Mbundu, besser bekannt als Naim, seinen eigenen musikalischen Kosmos. Im selben Jahr folgte sein Debütalbum «Solar», worauf er sich vermehrt von seiner ruhigeren und nachdenklicheren Seite zeigte. Das besondere Talent des 21-jährigen Angola-Schweizers: Er schafft es, immer wieder anders zu klingen und sich neu zu erfinden. Zu seinen Einflüssen zählt er Kid Cudi und Led Zeppelin, was wiederum seine hohe Bandbreite aufzeigt. Im Alter von nur sieben Jahren nahm er seine ersten Songs auf. Schliesslich fand er Zugang zur elektronischen Musik, um später dann in die Welt des Hip-Hop einzutauchen.
Ähnlich wie KimBo konnte Naim am m4music-Festival erste grössere Akzente setzen: Vor zwei Jahren gewann er in der Kategorie Urban. Gerade in Sachen Talentförderung sei das Festival eine lohnende Plattform und ein Sprungbrett für die nationale oder gar internationale Karriere, meint Naim dazu.

Audio Dope

Audio Dope dürfte einer der derzeit aufstrebendsten Produzenten der Stadt sein. Der 28-Jährige serviert eine Kombination von progressiven und experimentellen Musiksamples mit synthetischen Klängen, unterstützt von pregnanten Drums. Durch diese Genre-Nische stand eine internationale Hörerschaft stets im Fokus und so erreicht er auf Spotify mittlerweile ein Millionenpublikum.
Audio Dope konnte 2018 mit dem Release seines selbstbetitelten Debütalbums einen ersten Meilenstein setzen. Nebst einer Vinyl-Auflage gab es auch Festival-Auftritte, bevor er Ende Jahr vom RFV Basel mit dem Basler Pop Preis ausgezeichnet wurde, was für ihn persönlich eine erste grosse Veränderung mit sich brachte. «Dieser gesamte Prozess hat die Qualität- und Erwartungs-Messlatte von meinem zukünftigen Schaffen deutlich höher gesetzt,» kommentiert Audio Dope seinen Erfolg. Für das neue Jahr hat er weitere Dinge in der Pipeline, wie etwa neue Solo-Projekte zu veröffentlichen und dem Ziel, vermehrt mit Instrumentalisten kollaborieren zu können.

Arbajo Jairus

Arbajo Jairus ist ein noch fast unbeschriebenes Blatt in der Szene, obwohl er seit 2016 als Rapper unterwegs ist. Dies hängt wiederum mit seiner hierzulande grössten Hürde zusammen, die sich über der Landesgrenze hinaus jedoch auszahlen könnte: Er rappt auf Englisch. Der experimentierfreudige Künstler verbindet eine breite Palette an Einflüssen aus Old School Hip-Hop, Jazz, Pop und Funk. Nach seinem Abschluss als bildender Künstler widmete er seine Zeit ganz der Musik und Kunst. Also spannte er mit dem Basler Produzenten Meister Lampe zusammen und veröffentlichte zwei Alben.