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Rap aus Lausanne: 10 Künstler, die du kennen solltest

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Lausanne ist ein perfekter Nährboden für Künstler - und nicht zuletzt deswegen auch Heimat etablierter, sowie aufstrebender Künstler wie Kingzer, Arma Jackson und Comme1Flocon. Eine Auswahl.
Autor: François Grazveröffentlicht am
Rap "Made in Switzerland" - Dieses Gütesiegel hat in den letzten Jahren einen völlig neuen Drive entwickelt. Nicht zuletzt wegen der Superwak Clique, jenem Kollektiv, das den Swiss Rap direkt aus Genf zu neuen Höhen treibt. Aber es wäre zu simpel, das Zentrum des Sturms in der Schweizer Szene nur in der Stadt mit der Wasserfontäne zu suchen.
Lausanne, die Olympiahauptstadt, könnte leicht ein eigenes Team stellen - sollte Hip-Hop demnächst als olympische Disziplin anerkannt werden. Die grosse Stärke der neuen Generation ist zweifelsohne ihre Vielseitigkeit, die Anhänger von Trap Sound oder Cloud Rap gleichermassen bedient.
In einigen Fällen geht ihre Bekanntheit sogar über die Grenzen der Schweiz hinaus. So zum Beispiel bei KingZer, dem gebürtigen Kinshasaer, der kürzlich in die Reihen des Pariser Labels Mal Luné Music aufgenommen wurde, welches auch einen gewissen Ninho unter Vertrag hat.
Die Connection zwischen Paris und Lausanne kennt auch Arma Jackson sehr gut, wurde er doch vor zwei Jahren von Youssouphas Independent-Label Bomayé Musik gesigned. Zwischen Newcomern und Grossmeistern - folgend eine Zusammenfassung der prominentesten Künstler in Lausannes Rap-Game.

Kingzer

Kingzer ist zweifellos der bekannteste Künstler in der aktuellen Lausanner Szene und geht mit seinen Songs 2019 richtig durch die Decke. Der Kongolese kommt durch seinen älteren Bruder zum Rap und spittet seit 2005 seine Rhymes. Trotz seiner Freestyleserie "Mbata" ist die Musik für ihn zunächst nur ein Hobby. Nach einer Haftstrafe im Jahr 2016 arbeitet Kingzer intensiv an seinem Stil und releast mit "Mbata 4" den Titel, der ihm ein Signing bei Mal Luné Music einbringt.
Für Kingzer, der seinen Output seit seinem Eintritt in das Pariser Label stetig erhöht, ist der Vertrag eine zweite Chance. Es folgen Support-Shows für Ninho im Olympia und Bataclan, sowie der Drop des Songs "Gaine'D 2.0", der schliesslich 2 Millionen Views auf YouTube knackt. Mit anderen Worten: Das erste Album von Kingzer wird jetzt mit Spannung erwartet und wird seinen rasanten Aufstieg im Rap-Game wohl noch weiter befeuern.

Comme1Flocon

Seit seiner Kindheit ist Comme1Flocon leidenschaftlicher Rap-Fan. Richtig Fahrt nimmt seine Karriere schliesslich Ende 2017 auf, als er anfängt, mehr Gesangsparts in seine Songs einzubauen. Mit den Titeln "Club" und "Cadenas" beginnt er sich in der Szene einen Namen zu machen - dank eingängiger Melodien und einzigartiger Ästhetik in den Musikvideos. Aber erst durch seine Unterschrift beim Independent-Label Bendo Music im März 2018 bekommt diese Mischung auch den nötigen Feinschliff.
Die Singles "Robocop" und "Salsa" werden zu Hits, und Comme1Flocon gibt Interviews für Pariser Radiosender wie OKLM, Le Mouv' und Skyrock. Doch wo bleibt die EP? Nachdem es mit seinem ersten Tonstudio nicht so richtig läuft, sammelt der Lausanner Rapper Geld, um sich ein eigenes Home Studio bauen zu können. Und sein Einsatz zahlt sich aus, sammelt er doch 3.000 CHF in nur drei Tagen. Hoffen wir, dass der MC bis zum Winter seine EP veröffentlicht, die auf jeden Fall noch mehr frischen Wind in den Schweizer Hip-Hop bringen wird.

Jar Pacino

Auf vielseitige Art und Weise widmet sich Rapper Jar Pacino in seinen Lyrics meist den Geschehnissen seines Alltags und wechselt dabei spielend zwischen harten Rap-Sounds und sehr intimen Parts. Der 22-jährige MC, der seit seinem vierten Lebensjahr im beliebten Lausanner Stadtteil La Borde lebt, wächst in einem harten Milieu auf, welches ihm gleichzeitig viel Inspiration liefert. Gleichzeitig wird er geprägt durch die Liebe zum Fußball und zur Musik. Genau diese beiden Leidenschaft führen 2015 zur Geburt der 3rd Half Time Crew, die ausser ihm noch aus Comme1Flocon und Magnum Raptor besteht.
Jar Pacino hat eine Reihe facettenreicher Tracks kreiert, vom markanten "Territoire" bis zum eher nüchternen "Dire un truc", und dazu noch den Genfer Daejimiy auf dem Track "Détaille" gefeatured. Nach seinem produktivsten Jahr 2018 veröffentlicht Jar Pacino in diesem Sommer sein Album "Leon", dessen Titel Bezug nimmt auf den Kultfilm von Luc Besson. Mit seinen präzisen Lyrics und seinem Flow, hat sich Jar Pacino den Spitznamen Léon le Nettoyeur verdient.

Badnaiy

"Nur 19 Jahre alt, aber Junge, hat die ein Selbstbewusstsein!", das ist das Gefühl, das nach dem Besuch eines Badnaiy-Konzerts hängen bleibt. Die Lausannerin, die seit ihrer Kindheit leidenschaftlich an Musik interessiert ist, verschreibt sich erst vor Kurzem voll und ganz dem Hip-Hop. Besonders gerne verschmilzt sie Sounds wie Trap, Jazz oder RnB, schafft so ein einzigartiges künstlerisches Universum und weckt bei ihren Hörern immer wieder von neuem die Neugier.
Dieser Genre-Mix beschränkt sich nicht nur auf die Musik: Die Rapperin mit dem prägnanten Flow einer Foxy Brown, gepaart mit einer unbändigen Bühnenenergie, definiert ihren Stil als "eine Mischung aus Weiblichkeit und einer Prise Tomboy". Bei all der Coolness könnte man fast vergessen, dass dies erst der Anfang von Badnaiys noch junger Karriere ist und dass ihr erstes Album "Badlands" erst in einigen Monaten verfügbar sein wird.

Malijack

Trotz einer gehörigen Portion Erfahrung im Rap-Bizz mit seinem Kollektiv KoltArmy beginnt Malijacks Solo-Karriere erst 2017 so wirklich. Vor allem mit dem Song "Capuché" (70.000 Views auf Youtube) und dem Feature auf Kingzers Track "Favelas" (336.000 Views) startet der gebürtige Südamerikaner durch. Seitdem schraubt der Rapper, der nebenher als Freelancer arbeitet, die Anzahl seiner Singles und Freestyles nach oben und hat mit seinen Freunden das Barutti Studio gegründet, um lokale Künstler zu unterstützen.
Im Anschluss an den vierten Teil seiner Freestyleserie "Fuego" erreicht Malijack mit dem Song "Calle" (fast 60 000 Views) erneut hervorragende Streaming-Zahlen. Und News gibt es auch: Der Schweizer mit chilenischen Wurzeln arbeit derzeit an seinem ersten Album "Tank". Warum der Titel? "Weil es sehr schwierig ist, einen Panzer zu stoppen, mein Freund", sagt Malijack.

Ach D

Ach D, mit bürgerlichem Namen Achiraf Djakpa, produziert als Student die meisten seiner Songs in Eigenregie. Als Künstler mit vielfältigen Einflüssen lässt sich Ach D von Musikstilen wie Jazz, Soul, Old School Hip-Hop und New School inspirieren, um seinen eigenen Sound zu erschaffen, der absolut keine künstlerischen Grenzen kennt und mit dem er seiner Kreativität freien Lauf lassen kann.
Ein einfacher Blick auf seine Singles, die hier und da gepostet werden, zeigt: Ach D macht sich keinen Kopf. Nie. Wie er so schön sagt: "Die Kette um meinen Hals zeigt mir, dass ich tun kann, was ich will, ohne mir Gedanken darüber zu machen, was die Leute von mir denken. " Seit seinem letzten Song "Plafond" geht es für den jungen Lausanner steil bergauf: Er arbeitet an seiner ersten EP und spielt im November für die Belgier "77" in Montreux als Support-Act.

Arma Jackson

Arma Jackson, seit 2013 im Musikgeschäft tätig, klettert die Karriereleiter Stück für Stück nach oben und das nicht zuletzt wegen zweier, von der Kritik gefeierten, EPs.... die er in seinem Zimmer aufgenommen hat. Zur Rap-Musik kommt Arma durch sein Umfeld, wird gleichzeitig aber auch stark von Pop-Musik beinflusst, hört Coldplay und Michael Jackson. Seine Karriere nimmt richtig Fahrt auf, als er vor zwei Jahren von Bomayé Musik in den sozialen Netzwerken entdeckt wird.
"9m2", das nach seiner Unterschrift beim Pariser Label veröffentlicht wird, gestaltet sich als intimes, sehr versiert geschriebenes Tagebuch, wie die Songs "Sables Mouvants", "Lundi" oder "Ces voix" zeigen. "Capsules", seine ausgezeichnete zweite EP, welche zu Beginn des Jahres 2019 veröffentlicht wird, bestätigt die rasante Entwicklung von Arma Jackson, der sicher eine grosse Zukunft vor sich hat. Dies wird auch durch Grössen wie Youssoupha oder Jok'Air bestätigt - und so warten wir gespannt auf den nächsten Streich des 24-Jährigen.

Le Jeune K

Seit acht Jahren in einer Dreifach-Funktion als Rapper/Beatmaker/Producer im Rap-Game, hat sich Le Jeune K ordentlich Zeit gelassen, sein erstes Solo-Projekt "Keyzer" an den Start zu bringen. Seit Mitte September ist das gute Stück nun erhältlich. Dennoch ist Le Jeune K in all der Zeit davor alles andere als untätig, sondern produziert die Sounds für das Lausanner Kollektiv Nébuleuse, mit dem er seit 2016 auftritt.
Bleibt festzuhalten: Le Jeune K schafft es mit der EP "Keyzer", welche vollständig von ihm produziert ist, mit Leichtigkeit, sich von Standardproduktionen abzuheben und mit Lyrics voller Metaphern seine Fans auf seine Reise zum Ich mitzunehmen. Zuletzt sorgen immer wieder Meldungen über Collabs mit Pariser MCs für Aufsehen....und werden dies sicher auch weiterhin tun. Lagsam, aber sicher kombiniert Le Jeune K Swissmade und Selfmade zu einem Ergebnis, das eine glänzende Zukunft verspricht.

Jahrel Jones

Mit seinem allerersten Projekt, veröffentlich im vergangenen Januar, ist der Rookie wie ein UFO in der Schweizer Hip-Hop-Landschaft gelandet. Neben seiner Aktivitäten als Rapper ist Jahrel Jones auch Fotograf, wie seine Videos zeigen, die zwischen durchgedreht ("Get Out") und ruhiger Ästhetik ("Eva") variieren. Jahrel Jones, Mitglied der Waza-Gang zusammen mit Badnaiy und Ach D, führt gerne seinen Vater als Vorbild an. Auch dieser war Rapper.
Beim Hören seiner 10-Track-EP "October", wird sofort klar, durch welche Künstler seine Musik beeinflusst wird. Auch wenn man versucht direkte Vergleiche zu vermeiden, ist es schwierig, die Verbindung zu Tyler The Creator oder Steve Lacy nicht herzustellen, wenn man über Jahrel Jones spricht. Ein hoffnungsvoller Start in seine Karriere also - gerade in Anbetracht dessen, dass Jahrel noch nicht einmal 20 Jahre alt ist.

Shaïm

Fast ein Jahr nachdem er sein erstes Album gedroppt hat, setzt der junge Rapper aus Lausanne nach wie vor Schweizer Bühnen in Brand. Shaïm, eine führende Figur des Labels ZRO21, bezieht seine Einflüsse aus dem glanzvollen US-Trap und kombiniert Rap und Gesang zum Sound avantgardistischer Instrumente, wie z.B. bei seiner EP "Trosho". Die 9 Tracks, die vollständig von Beatmaker Santo produziert wurden, können durchweg als Turn-Up Hymnen dienen.
Mehr denn je liefern die Songs von Shaïm, der den Dirty South Trap offenbar mit der Muttermilch aufgesogen hat, feinste Kopfnicker-Sounds. Zuletzt war er auf dem Song "César Caviar" seines Kumpels Santo zu hören, der die Wartezeit auf den nächsten Release zumindest ein wenig verkürzt.