Luciano trinkt bei einem Fotoshooting einen Schluck Red Bull.
© Niklas Kamp
Music

Luciano im Porträt: Berliner Druck, globaler Sound

Vom Mixtape „12812“ zu „Millies“: Wie Luciano mit Drill durchstartet, seinen Sound ständig erweitert und mit Ad-libs, Kollabs & Hits wie „Bamba“ global geht – ohne seine Wurzeln zu verlieren.
Autor: Jasmin Kränzel
4 min readPublished on
„Get Rich or Die Tryin’“ war für Luciano mehr als nur der Titel von einem 50-Cent-Album. Es war eine Haltung: Raus aus dem Druck, rein in die eigene Welt. Diese Haltung hat den 32-jährigen Rapper Luciano durch seine gesamte Karriere begleitet und bis heute geprägt.
Vom kleinen Jungen, der Fußball spielte und zwischen 2003 und 2010 praktisch jede Live-Performance von seinem Idol 50 Cent aufgesaugt hat, bis hin zu dem Künstler, der inzwischen selbst das Idol von Millionen ist: Wie genau begann seine Karriere und wie führte sie ihn zu 22 Platin- und 50 Gold-Auszeichnungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
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Von Bautzen nach Berlin

Luciano wurde am 28. Januar 1994 in Bautzen, Sachsen, als Sohn eines mosambikanischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Bevor er zu Luciano wurde, hörte er auf den bürgerlichen Namen Patrick Großmann und wuchs in den Straßen von Berlin auf.
Rapper Luciano im VCARB Dress

Bautzen kann nicht nur Senf, sondern auch Rapper

© Niklas Kamp

In seiner Jugend entwickelte er auch seine anhaltende Leidenschaft für Musik, insbesondere Drill-Rap: Der ungestüme Sound von Drill und die harten, ungeschönten Lyrics spiegeln das raue Leben auf der Straße wider, das auch Luciano in seinem Alltag erlebte.

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Der erste Durchbruch

Luciano zieht bereits mit 16 in seine erste eigene Wohnung. In Interviews nennt er diese Zeit als den Punkt, an dem er endlich seine Energie für die richtigen Dinge nutzt: Zusammen mit Nikky Santoro, DJ Burr Lean und Skaf Films ist Luciano die Locosquad. Die ersten eigenen Videos werden auf Facebook und dem YouTube-Kanal „Locosquad“ hochgeladen und erreichen schnell sechsstellige Zahlen. Mit “Jagen die Mio” war der Durchbruch so nah wie nie.
Als dann „Kapuze tief“ 2016 die halbe Million Views knackt, hat Luciano nicht nur den Fuß, sondern den ganzen Körper in der Tür: Denn in der Underground-Szene von Berlin wird sein Drill-Rap schnell populärer - auch wenn bei den ersten Shows immer noch mehr Leute auf der Bühne als vor der Bühne standen. Als Vorgruppe des US-Rappers Schoolboy Q trifft er Schoolboy Q zwar nie persönlich, weil sie ihn separaten Tourbussen unterwegs sind, aber immer mehr Leute haben Luciano live im Ohr und im Auge.
Luciano bei einem Fotoshooting in einem dunklen Flur.

Luciano feiert schnell erste Erfolge in sozialen Netzwerken

© Niklas Kamp

Heute ist Luciano schon weit mehr als ein Drill-Rapper - aber ohne Drill versteht man Luciano nicht. Als er diesen Sound durch den Underground in den Mainstream schleift, ist Deutschrap schon längst groß. Aber Drill ist noch nicht überall angekommen - vor allen Dingen nicht so, wie ihn Luciano versteht und verkörpert: düster, energetisch, unruhig und mit einer Stimme, die nicht höflich anklopft, sondern die Tür direkt auftritt.
Für Luciano ist Drill nicht einfach nur ein Kostüm. Sondern steht für diese Phase in seinem Leben. Luciano erkennt in Drill sich selbst wieder - und seine immer größer werdende Fanbase auch.
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Lucianos Sound entwickelt sich permanent weiter

Im Dezember 2016 droppt das gemeinsame Mixtape „Locosquad präsentiert 12812“ und bereits im März 2017 mit „Banditorinho“ das erste eigene Mixtape von Luciano. Klar, dass die harten und hämmernden Drill-Sounds und Lucianos Stimme auch in die Gehörgänge der großen Labels vordringen. Universal schnappt sich Luciano und im November 2017 wird es „Eiskalt“ mit seinem ersten Major-Album. Ein Jahr später erscheint „L.O.C.O.“ und im August 2019 sein drittes Studioalbum “Millies“.
Luciano bei einem Fotoshooting mit einer Dose Red Bull.

Schon Lucianos erstes Mixtape geht steil.

© Niklas Kamp

Auch in den kommenden Jahren baut Luciano seinen Sound immer weiter aus, ohne jemals endgültig in irgendeiner Schublade zu enden. Seine Alben öffnen sich immer mehr für Melodien und weitere musikalische Einflüsse. Dabei bricht Luciano nie mit dem Drill-Sound, der ihn groß gemacht hat. Sample-Hooks, nostalgische Pop-Momente, Afrobeats, House und R&B erweitern seinen Sound. Hier wird nicht nur ein Genre immer wieder bedient, sondern wir erleben von Release zu Release mit, wie Luciano seinen ursprünglichen Sound immer weiter ausdehnt.
Nicht zu vergessen: seine einzigartigen Ad-libs, die nicht nur einen maßgeblichen Wiedererkennungswert in seinem Sound geschaffen haben, sondern auch zu seinem Markenzeichen geworden sind. Dazu gehören „Mwuah“, „Bo Bo Bo“, „Rrr Flex Flex“ und viele weitere.
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Kollabs, die Grenzen verschieben

Mit seinen Kollabs mit deutschsprachigen Künstlern wie UFO361, Yung Hurn und Capital Bra feiert Luciano Deutschrap nicht als geschlossene Szene, sondern als offenes Spielfeld für Sound und Zeitgeist.
Und auch wenn Luciano hauptsächlich auf Deutsch performt, ragt sein Sound längst über Sprachgrenzen hinaus: Das zeigen internationale Features mit Artists wie Central Cee, YG, Lil Baby und BIA auf seinen Songs und Hits wie „Bamba“ mit Liedtexten in Deutsch, Englisch und Spanisch.
Luciano bei einem Fotoshooting

Trotz gigantischer Erfolge: Luciano ist auf dem Boden geblieben.

© Niklas Kamp

Doch der wachsende Erfolg und sein Leben im Luxus stellen Luciano nicht vor ein Glaubwürdigkeits-Problem: Denn er hat schon immer über das gerappt, was er wirklich erlebt hat, und dabei immer wieder neue musikalische Richtungen für sich erobert. Und trotz über 8 Millionen verkaufter Tonträger, ausverkaufter Touren und gigantischer Erfolge wie über 229 Millionen Streams für seinen Solo-Hit „Beautiful Girl“: Luciano ist stets auf dem Boden geblieben und hat gezeigt, wie Rap aus Deutschland globaler klingen kann, ohne seine lokale Spannung zu verlieren.

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