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Marco Odermatt: Ausnahmetalent in Lauerstellung

© Erich Spiess / ASP / Red Bull Content Pool
Autor: Laurent Morel / SkiActu
Im Grossen und Ganzen kann man sagen: Es läuft beim 22-Jährigen aus Nidwalden. Und auch die Aussichten auf die Zukunft sind rosig.
Die legendäre Abfahrt in Kitzbühel, sowie den ebenso legendären Slalom von Schladmig verfolgte Marco Odermatt dieses Jahr von der Tribüne aus - aber mit einem Lächeln auf den Lippen. Zwar erholt er sich langsam von der Meniskusverletzung am rechten Knie, die er 2019 in Alta Badia erlitt, und konnte auch schon beim Super-G am Hahnenkamm und beim Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen antreten. Um aber auch in der Abfahrt wieder voll angreifen zu können, fehlt noch ein kleines Bisschen. Doch der Sieger des Super-G in Beaver Creek wird immer besser und man kann davon ausgehen, dass er bis zum Saisonende wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat.
Denn obwohl Odermatt einen entspannten Eindruck macht: Er ist ein echter Fighter. Bereits im Alter von zwei Jahren stand er zum ersten Mal auf Skiern. "Seit seiner Kindheit ist Marco mit mir zum Skifahren gegangen und war dabei immer gut drauf", sagt sein Vater Walti, Trainer des örtlichen Skiclubs. "Er war immer leichter und deswegen langsamer als die Anderen - aber er hat nie aufgegeben." Der blonde Junge wollte immer in die Fusstapfen der Grössten treten. Zu seinen älteren Vorbildern gehörten Andrea Ellenberger und Reto Schmidiger, die sich mittlerweile beide ebenso im Weltcup bewiesen haben. Zudem eiferte Odermatt immer seinem Jugendidol Didier Cuche nach. "Einmal hatte ich das Glück, einen gemeinsamen Skitag mit ihm zu gewinnen", erinnert sich der neue Schweizer Skistar. "Es war großartig, weil er eine echte Inspiration war. Er war schnell und immer nett in Interviews. Er ist ein sehr emotionaler Mensch".
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Beim Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen umfährt der Schweizer Skifahrer Marco Odermatt ein Tor.
Marco Odermatt in Garmisch-Partenkirchen

"Marco ist sehr ausgeglichen"

Heute bewegt sich das neue Wunderkind des Schweizer Skisports selbst mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die Tore. "Er ist unsere grosse Hoffnung, er hat das Potenzial, sehr weit zu kommen", sagt Beat Feuz, der für den Nidwalder eine wichtige Bezugsperson ist. Trotz seiner grossen Fortschritte, bleibt der Skifahrer aus Hergiswil bodenständig, träumt gleichzeitig aber auch davon, den schon fast mythischen Riesenslalom in Adelboden zu gewinnen. Seine Eltern haben dabei immer ein Auge auf ihn. "Marco ist sehr ausgeglichen", sagt sein Vater. "Er ist immer positiv, was vor allem beim Skifahren wichtig ist, aber ich hoffe, dass ihn sein Erfolg nicht verändert. Ich sage nicht gern, dass er ein Superstar ist. Verletzungen können so schnell passieren, und man weiss, wie schwer es ist, danach wieder zurückzukommen."
Aus diesem Grund absolvierte der junge Skifahrer das nationale Leistungszentrum in Engelberg und steht so nicht mit leeren Händen, sondern einer Matura in Ökonomie da. "Es war für uns sehr wichtig, dass er etwas lernt", so Walti Odermatt. "Man braucht immer einen Plan B." Heute ist der sechsfache (!) Juniorenweltmeister unabhängig und behält die Erfolge seiner jüngeren Schwester Alina, 19, genau im Auge. "Sie hat gerade ihre ersten Punkte im Europacup erzielt", lächelt der Champion.

Die Kristallkugel, ein langfristiges Ziel

Zurück zu seinen Zielen. Eines Tages will Marco Odermatt nach der grossen Kristallkugel greifen. "Noch ist das für mich sehr weit weg", mahnt er. "Klar ist: Eines Tages will ich den Gesamtweltcup gewinnen. Aber momentan konzentriere ich mich nur auf mich selbst und stecke mir meine eigenen Ziele. Ich weiss, dass ich in vielen Disziplinen schnell fahren kann, aber ich brauche noch einige Jahre Erfahrung." Seinen Teamkollegen Loïc Meillard, mit dem er allein auf Grund der geteilten Sponsoren und des Potentials ständig verglichen wird, schätzt Odermatt sehr. "Natürlich gibt es mit Loïc eine Rivalität", sagt er ohne mit der Wimper zu zucken. "Aber es ist doch cool, wenn zwei Leute aus der gleichen Mannschaft gegeneinander antreten." Eine Meinung, die der Walliser übrigens teilt: "Wir verstehen uns innerhalb der Mannschaft sehr gut und es ist schön, dass wir uns gegenseitig immer weiter pushen."
Und so gilt es für Odermatt nun weiter Fortschritte zu machen und sein charakteristisches Lächeln, sowie seine sympathische Art beizubehalten. Und während er noch lieber auf deutsch oder englisch kommuniziert, will er auch sein Französisch in Zukunft noch verbessern, um so seinem Status als Schweizer Skiikone gerecht zu werden. "Zum Glück sind wir nicht wie Fussballer", lacht der junge Mann, der leidenschaftlich gerne Golf und Tennis spielt und gerne zum Wakeboarden geht. "Ich möchte immer auch Spass mit meinen Freunden haben und das Leben nicht zu ernst nehmen."