Matthias Appenzeller beim Dive in den Bachalpsee.
© Romina Amato
Cliff Diving

Matthias Appenzeller: "Die Kulisse war absolut einmalig"

Der Teaser zur Red Bull Cliff Diving World Series wurde am Bachalpsee oberhalb von Grindelwald gefilmt. Matthias Appenzeller hat sich dafür in den eiskalten Bergsee gestürzt.
Autor: Susanne Loacker
4 min readveröffentlicht am

Matthias, warst Du vor dem Dive für die Aufnahmen schon mal am Bachalpsee?

Ich war vor dem Dreh erst einmal am Bachalpsee – eine Woche vorher, um die Location genauer anzusehen, zu checken, ob alles funktioniert, ob das Wasser tief genug ist. Wir haben auch mit den Leuten gesprochen, die für die Zipline zuständig sind.

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Der Teaser zur Red Bull Cliff Diving World Series Sisikon 2022

Was ging Dir durch den Kopf, als Du hörtest, dass Du in einen Bergsee springen sollst?

Vor allem habe ich mich gefreut, dass ich den Dive für diesen Teaser machen darf. Es ist schon einmalig, an einem solch spektakulären Ort zu arbeiten, mit so tollen Kameraeinstellungen und mit so einem coolen Team. Ich habe sofort zugesagt – obwohl ich natürlich wusste, dass das Wasser ziemlich kalt sein würde. Um die zehn Grad waren es dann, immerhin liegt der Bachalpsee auf 2266 Metern Höhe. Aber es passiert einem schliesslich nicht alle Tage, dass man in einen See voller Gletscherwasser springen kann.

Was sind die grössten Unterschiede zu einem «normalen» Dive?

Es ging hier darum, etwas Neues auszuprobieren – es ist noch nie jemand so von einer Zipline gesprungen, und eben auch nicht in einen eiskalten Bergsee, mit einem solchen Panorama. Es ging für einmal wirklich ums Entdecken, um die Einmaligkeit, und nicht darum, von einer Plattform auf 27.5 Metern Normhöhe zu springen.

Hast Du Dich speziell vorbereitet?

Eigentlich nicht – ich habe mir überlegt, wie sich die Zipline verhalten würde und wie es sich anfühlen würde, von diesem kleinen Podest zu springen. Natürlich habe ich nachgedacht, welchen Sprung ich gerne machen möchte.

Wie hast Du Dich gefühlt, als es so weit war?

Anfangs waren die Bedingungen nicht optimal, es war sehr kalt, der Wind blies und die Sicht war schlecht. Aber mit ein wenig Anpassung und Spontanität ging dann doch alles gut. Und das Panorama war wirklich einmalig.

Was bekommt man an einem Red-Bull-Wettkampf mit von der Umgebung?

Gerade in Sisikon erlebe ich als Lokal-Matador die Kulisse sehr intensiv: Es kennen einen alle, sprechen einen an, ob ich nun von einem Trainingssprung komme, zu einem Interview gehe oder mir etwas zu essen hole. Man bleibt stehen, plaudert, trifft Freunde und lernt Leute kennen. Für mich ist das unglaublich, an einem solchen Wettkampf in der Schweiz teilnehmen zu können.
Matthias Appenzeller in Action.
Matthias Appenzeller in Action.

Wie bereitest Du Dich aufs Red Bull Cliff Diving in Sisikon vor?

Ich trainiere natürlich sehr intensiv, absolviere viele Sprünge von der Wettkampfhöhe. Ich weiss, dass irgendwann das Lampenfieber kommt, weil so viele Leute im Publikum sein werden, die ich kenne. Da möchte ich mich besonders sicher fühlen.

Hast Du irgendwelche speziellen Rituale?

Ich habe keine Glücksbringer und auch kein eigentliches Ritual. Ich springe relativ bald, nachdem ich auf der Plattform angekommen bin, mache mir nicht zu viele Gedanken. Immer dabei habe ich mein Leder, mit dem ich mir die Hände abwische, das werfe ich ins Wasser, bevor ich springe. Dann Hände noch an der Badehose abwischen, Handflächen kurz aneinander reiben, fertig.

Was machst Du normalerweise am 1. August? Bedeutet Dir der Termin etwas?

Den 1. August feiere ich normalerweise zuhause mit meiner Familie. Wenn ich für Wettkämpfe unterwegs bin, feiere ich mit Schweizer Kollegen. Ich finde den Nationalfeiertag eine schöne Tradition, es geht für mich darum, den Zusammenhalt unter Schweizern und Schweizerinnen zu zelebrieren. Ich feiere also weniger Schweizer Geschichte, sondern wirklich mehr den Zusammenhalt.

Was ist für Dich Heimat?

Ich bin viel unterwegs. Im April bin ich von einer neunmonatigen Reise durch Zentral- und Südamerika heimgekommen. Ich war mit meinem Cousin unterwegs, waren in elf Ländern wandern und surfen. Während des Studiums war ich sechs Monate lang in Japan im Austauschsemester. Auch für Wettkämpfe reise ich viel. Heimat bedeutet für mich Zurückkommen, Ausruhen, Freunde sehen, ganz ohne Spektakel und Hochleistung. Das ist ein wichtiger Ausgleich.
Die perfekte Kulisse: Der Bachalpsee oberhalb von Grindelwald.
Die perfekte Kulisse: Der Bachalpsee oberhalb von Grindelwald.

Das Red Bull Cliff Diving Sisikon findet sozusagen in der Urschweiz statt. Was bedeutet Dir der Ort?

Ich habe in Sisikon 2018 meine internationale Cliff-Diving-Karriere gestartet. Es war eine Plattform für mich, mein Können zeigen zu dürfen, und die Plattform wurde zu einem Katapult. Diese Chance, die Stimmung mit dem lokalen Publikum, all den Support – das werde ich sicher nie mehr vergessen. Es lief alles so gut, es war surreal. Eigentlich hätte ich mir nicht träumen lassen, hier noch einmal anzutreten, wollte eigentlich ein wenig kürzer treten, weil ich in der Zwischenzeit mein Jus-Studium abgeschlossen habe und bald mein Anwalts-Auditorat beginne. Dass ich jetzt noch einmal in Sisikon springen darf, freut mich extrem, weil die Teilnahme von 2018 einer der schönsten Momente in meinem bisherigen Leben war. Wenn nicht sogar der allerschönste.

Red Bull Cliff Diving zurück in Sisikon!

Nach einer vierjährigen Pause findet am 10. & 11. September das Red Bull Cliff Diving endlich wieder in Sisikon statt - und Matthias Appenzeller ist ebenfalls dabei! Alle Infos und das Ticketing findest du hier.