Chrigel Maurer gewinnt Red Bull X-Alps 2019
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Adventure Racing

Maurer und von Känel: “Wir sind Freunde und Konkurrenten zugleich”

Chrigel Maurer und der Rookie am letzten Red Bull X-Alps, Patrick von Känel, werden auch 2021 antreten - gegeneinander als Einzelkämpfer, aber ein bisschen auch miteinander als Berner Oberländer.
Autor: Susanne Loacker
veröffentlicht am
2021 geht das Red Bull X-Alps in seine nächste Runde. Natürlich stellt sich der 6-malige Seriensieger und Dominator Chrigel Maurer auch dieses Mal wieder der Herausforderung. Doch auch Patrick von Känel, Schweizer Rookie bei der letzen Ausgabe, hat sicher Chancen auf einen der vorderen Plätze. Auch wenn das nicht unbedingt sein Ziel ist...
Paragleiten · 51 Min
So gewann Chrigel Maurer das Red Bull X-Alps 2019
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Ihr habt Jahrgänge 1982 und 1994 – das sind 12 Jahre Unterschied. Kannst Du von Chrigel lernen, Patrick?

Patrick: 2018/2019, aufs Red Bull X-Alps hin, als ich neu war und vieles zum ersten Mal gemacht habe, war Chrigel eine super Anlaufstelle. Ich konnte viele Fehler umgehen. Jetzt habe ich selber ein wenig Erfahrung. Aber ich lerne natürlich auch von meinen eigenen Fehlern.

Hört Patrick Dir zu, Chrigel?

Chrigel: Zuhören tut mir Patrick schon, aber ob es für ihn auch wirkt, ist die Frage. Die Erfahrung zeigt, dass jeder Athlet individuell ist und selbst herausfinden muss, wie er sein Optimum erreichen kann. Darum gehen „Kopieren“ oder Abschauen auch nicht. Ich habe immer darauf hingewiesen, wie wichtig ein gutes Krafttraining ist. Patrick kam dann gesund in Monaco an, ich denke, das hat er super umgesetzt.

Trainiert Ihr manchmal zusammen?

Patrick: Auf das letzte X-Alps haben wir viel zusammen trainiert, und dieses Mal werden wir wieder zusammen trainieren.
Portrait von Patrick von Känel beim Red Bull X-Alps 2021
Patrick von Känel

Wer von Euch kann was besser?

Patrick: Chrigel hat mehr Erfahrung, er fliegt seit so vielen Jahren Wettbewerbe.
Chrigel: Patrick hat ein super Gefühl für Thermik. Und auch körperlich gibt es natürlich Unterschiede, weil er jünger ist. Sein Fortschritt innerhalb eines Jahres ist grösser als meiner.

Seid ihr mehr Kollegen oder mehr Konkurrenten?

Patrick: Das kommt auf die Situation an. Im Alltag sind wir Kollegen, im Wettkampf Konkurrenz. Wir sind beide ehrgeizig. Aber das heisst nicht, dass zwischen uns ein permanenter Fight wäre.
Schon auf mich.
Chrigel Maurer auf die Frage, auf wen er beim Red Bull X-Alps 2021 setzen würde.

Wie lange dauert es nach dem Wettkampf, bis aus Konkurrenten wieder Kollegen werden?

Chrigel: Auch da kommt es auf die Situation an. Selber Fehler machen ist emotionaler. Wenn man Wettkämpfe macht, misst man sich, das weiss man. Das ist sehr persönlich. Vor 20 Jahren ging es manchmal eine Stunde, zwei, bis ich mich gesammelt habe. Heute geht es schneller.
Patrick: Bei Wettkämpfen habe ich eine andere Motivation als Chrigel. Ich habe primär Freude an dem, was ich mache. Mit einem Rangziel funktioniere ich nicht so gut. Für mich ist drum das Resultat wichtig, also das, was ich aus mir und aus den Bedingungen herausgeholt habe, und nicht so sehr der Rang. Mich macht das Erlebnis zufrieden. Abgesehen davon gibt es in meinen Augen keinen Grund, warum wir noch Konkurrenten sein sollten, wenn wir die Ziellinie überquert haben.
Christian Maurer (SUI1) beim Red Bull X-Alps im schweizerischen Champery am 21. Juni 2019
Christian Maurer wieder an der Spitze

Was verbindet Euch?

Chrigel: Der Gleitschirm und die Herkunft. Wir sind beide aus dem Berner Oberland, sind quasi Nachbarn. Wir sind beide sehr naturverbunden und leben vom Fliegen.
Ich bin schon kompetitiv. Aber eben, das Rangziel darf für mich nicht die Hauptmotivation, das macht mir zu viel Druck.
Patrick von Känel

Was macht am Red Bull X-Alps am meisten Spass?

Chrigel: Dass man so intensiv in der Natur unterwegs ist. Es ist ein Privileg, 12 Tage lang nur das zu machen, was man am liebsten tut.
Patrick: Es ist sehr intensiv. Ich mag das akribische Heranarbeiten in Zusammenarbeit mit dem Team. Und dann ist es natürlich das Abenteuer: Man weiss nie genau, wo man am Abend schlafen wird.
Patrick von Känel fliegt beim Red Bull X-Alps 2019 am Wilden Kaiser entlang.
Hoch über dem Wilden Kaiser: Patrick von Känel am Gleitschirm.

Wirst Du Chrigel denn 2021 einholen?

Patrick: Ich bin schon kompetitiv. Aber eben, das Rangziel darf für mich nicht die Hauptmotivation, das macht mir zu viel Druck. Aber wenn ich mit 100 Prozent Leidenschaft bei der Sache bin, dann liefere ich auch am besten. Dann ist das Resultat meistens auch zufriedenstellend.

Wie ist das bei Dir, Chrigel?

Chrigel: Ich wollte besser werden, drum habe ich angefangen, Wettkämpfe zu machen. Ich wollte auch aus Fehlern lernen. Der Wettkampf ist der Test, ob es klappt oder nicht. Mein Ziel war schon immer der Sieg.

Wenn Ihr vor dem Red Bull X-Alps 2021 an einer Sportwette teilnehmen und auf einen von Euch beiden wetten würdet: Auf wen würdet Ihr setzen?

Chrigel: Schon auf mich.
Patrick: Ich mache keine Wetten. Da hab ich zu wenig Geld dafür. Nein, im Ernst: Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist sehr schmal, darüber muss man sich im Klaren sein. Es ist extrem schwierig, nach Monaco zu kommen. Ich möchte einfach mein Bestes geben.

Zu den Personen:

Chrigel Maurer, 1982, kommt aus Adelboden im Berner Oberland. Als Vierjähriger machte er durch seinen Vater, einen Bergsteiger, Bekanntschaft mit dem Gleitschirm. Seit 2003 ist Chrigel Maurer als Profi an der Weltspitze mit dabei, seit 2004 ist er Testpilot. Das Red Bull X-Alps hat er seit 2009 sechs Mal in Serie gewonnen. Gemeinsam mit Bernhard Senn leitet Maurer die X-Alps Academy, die Nachwuchssportler auf eine Teilnahme am Wettbewerb vorbereitet.
Patrick von Känel, 1996, kommt aus Frutigen. Als siebenjähriger Knirps ging er immer Sommer mit seiner Grossmutter auf die Alp, um sich das Geld für eine Gleitschirmausbildung zu erarbeiten. Natürlich machte er sofort mit 16 das Brevet. Bei seiner ersten Teilnahme am Red Bull X-Alps 2019 wurde er als Jüngster im Feld Achter. Auch er arbeitet als Testpilot.
Bei dem seit 2003 alle zwei Jahre stattfindenden Wettkampf, der als härtestes Gleitschirm-Rennen der Welt gilt und der inoffiziell den Status einer Weltmeisterschaft hat, müssen die Athleten mit dem Gleitschirm und zu Fuss von Salzburg nach Monaco gelangen. Die Dauer ist jeweils auf die letzte Siegerzeit plus 24 Stunden begrenzt, mit einem Minimum von elf Tagen. Die genaue Streckenführung wird vor jeder neuen Durchführung leicht geändert, indem Wendepunkte verschoben werden.
Mehr zum Red Bull X-Alps findest du unter redbullxalps.com