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Surfen

Mentaltraining für Surfer: 5 Hacks für mehr Selbstvertrauen und Motivation

Frustriert von deiner Surf-Performance? Hier sind fünf Surf-Hacks, die dir helfen, mentale Blockaden zu lösen und schneller in deinen Flow zurückzufinden!
Autor: Anna Unternährer
veröffentlicht am
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The Other Side of Fear

58 Min
Surfen ist kein einfacher Sport und die Tatsache, dass sich Surfer nicht nur körperlich fit halten, sondern sich auch mental auf die ständig wechselnden Bedingungen im Meer einstellen müssen, macht den Sport umso anspruchsvoller. Beginners und Intermediates, die nur eine begrenzte Zeit im Meer verbringen, sind besonders herausgefordert, wenn es darum geht, in dem kleinen verfügbaren Zeitfenster ihre Skills zu verbessern, geschweige denn das Niveau langfristig zu halten.
Jordy Smith lehnt sich entspannt zurück
Jordy Smith lehnt sich entspannt zurück
Und dann kommt natürlich immer auch der Angstfaktor hinzu: Angst vor einem neuen Spot, Angst davor, sich zu blamieren, Angst nach einem schlimmen Wipeout oder einem zu langem Hold-Down – alles Ängste, die blockieren und zu viel Frust führen können. Wie du solche Blockaden schneller überwinden und mehr aus deiner nächsten Surfsession holen kannst, verrät Surfmentaltrainerin Kim Chareonbood hier.
Porträt der Surf-Mentaltrainerin Kim Chareonbood
Surf-Mentaltrainerin Kim Chareonbood

1. Neuer Spot? Wissen ist Macht!

Neuer Spot, neue Herausforderungen. Einen Spot zum ersten Mal zu surfen, kann beängstigend sein und führt oft dazu, dass man mit einer gewissen Zurückhaltung surft. Um entspannter ins Wasser zu gehen, lohnt es sich daher immer, sich vor der Session die nötige Zeit zu nehmen, um den Spot richtig auszuchecken: Wo befindet sich der Channel? Gibt es Strömungen? Gibt es irgendwelche versteckte Felsen oder andere Besonderheiten? Wie komme ich aus der Impact-Zone heraus? Wie komme ich am schnellsten wieder an den Strand zurück? Wo und wie bricht die Welle? Wie positionieren und bewegen sich die Surfer, die die meisten Wellen bekommen?
Je besser du den Spot kennst und mögliche Gefahren (soweit möglich) im Voraus abwägst, desto schneller und ruhiger kannst du im Falle einer kritischen Situation handeln, da dein Gehirn nicht erst eine Lösung finden muss. Da du den Plan B bereits kennst, kannst du dich voll auf den Moment einlassen und die Session geniessen.

2. Angst entsteht im Kopf – Mut auch!

So wie du deinen Körper vor dem Surfen aufwärmst, ist es auch für dein Gehirn gut, sich durch ein mentales Warm-up in die richtige Stimmung zu bringen. Die Visualisierung ist dafür besonders gut geeignet: Da unser Gehirn nicht zwischen Realität und Vorstellung unterscheiden kann, kannst du bewusst positive Gefühle erzeugen und dich in den bestmöglichen mentalen Zustand versetzen. Visualisieren heisst nichts anders, als sich mit allen fünf Sinnen – Sehen, Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken – etwas richtig lebhaft und intensiv vorzustellen. Dies kannst du machen, indem du beispielsweise eine positive Erinnerung möglichst detailliert hervorrufst.
Kim Chareonbood beim Surfen.
Kim weiss, wie du deine Ängste am besten überwindest.
So geht‘s: Such dir bereits vor deinem Surftrip oder bevor du ins Wasser gehst einen ruhigen Platz, an dem du dich wohl fühlst. Setz dich hin und atme ein paar Mal tief in den Bauch ein und aus. Spüre, wie du mit jedem Atemzug mehr und mehr in eine angenehme Ruhe kommst und dich immer mehr entspannst. Stell dir vor, wie du im Wasser bist und denke an einen Moment, in dem du dich besonders gut gefühlt hast, du stolz und mutig warst und du richtig Spass beim Surfen hattest. Lasse diese Erinnerung zu einem inneren Bild werden und schau einfach mal ganz genau hin. Achte auf die Farben, die Landschaft, die Menschen im Wasser, die Konditionen, etc. Fühle, welche positiven Gefühle in dir durch diese Vorstellung ausgelöst werden: Freude? Mut? Selbstvertrauen? Vielleicht kannst du dich sogar an die Geräusche, die Geschmäcker und die Sensationen auf deiner Haut erinnern? Tauche tief in diese Gefühlserinnerung ein und lass dich von den positiven Emotionen, die dich in diesem Moment erfüllt haben, richtig tragen. Stell dir vor, wie du diese Gefühle mit ins Wasser nimmst, du zum Line-up herauspaddelst und die erste Welle surfst. Öffne deine Augen, atme erneut tief ein und aus und los geht’s!
  • Atemtechnik mit beruhigender Wirkung (1-2 Minuten): Atme tief durch die Nase ein uns aus und achte nur darauf, dass du länger ausatmest, als einatmest. Zähle beim Einatmen auf vier und beim Ausatmen auf sechs, sieben oder acht während du tief in den Bauch ein- und ausatmest. Eine wunderbare Übung, um das Nervensystem sofort zu beruhigen und Angst oder Panik zu überwinden.
  • Atemtechnik mit aufputschender Wirkung (10 – 30 Sekunden): Atme schnell und rhythmisch durch die Nase ein und durch den Mund aus. Tu das solange, bis du dich richtig wach und aufgeladen fühlst, hör jedoch auf, bevor es dir schwindelig wird. Eine sehr einfache und effiziente Übung, um das Gehirn mit einer extra Dosis Sauerstoff zu versorgen, die sich sehr positiv auf das Wohlbefinden und die Motivation auswirkt.
In der Dokumentation "The Other Side of Fear" erklärt Big Wave-Surfer Mark Mathews, wie er mit Angst umgeht:
Surfen · 58 Min
The Other Side of Fear
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3. Energy Flows Where Your Focus Goes

Wenn du dich jemals dabei ertappst, wie du von einer inneren, nervigen Stimme mit Worst-Case-Szenarien bombardiert wirst, die dich dazu bringen, dich völlig zu verkrampfen oder ganz blockieren, dann ist dies eine nette Erinnerung daran, dass du kein Opfer, sondern ein Schöpfer deiner Gedanken bist. Konkret bedeutet das, dass du, wann immer du in diesem negativen Selbstgespräch landest, deinen Fokus bewusst von den unkonstruktiven "was-wenn-Fragen" zurück auf die lösungsorientierten "wie-kann-ich-Fragen" umlenkst.
Kim Chareonbood in Peniche bei Surf-Mental Übungen.
Ruhe vor dem Sturm: Kim Chareonbood geht in sich
Anstatt beispielsweise zu denken: "Ich habe Angst vor dem Drop, was, wenn ich runterfalle?" Überlege dir: "Wie kann ich diesen steilen Drop schaffen?" Mögliche Antwort: "Ich gebe 100% und schaue dorthin, wo ich hingehen will." Denk daran: Unser Gehirn kann immer nur einen Gedanken zur gleichen Zeit aufnehmen – du entscheidest, welchen.

4. Jeder Babyschritt zählt

Ja, Surfen kann eine absolute Qual sein und besonders nach einer langen Pause kann es sich so anfühlen, als würde man überhaupt nicht besser werden. Deshalb ist es umso wichtiger, sich auf die kleinsten Fortschritte zu konzentrieren und diese auch zu feiern. Stell dir vor: wenn du dich bei jeder Session auch nur um 1% verbesserst, bist du nach 100 Sessions doppelt so gut, wie zu Beginn! Eine Verbesserung um 1% könnte bedeuten, dass du näher an den Peak ransitzt oder dass du bei der nächsten Welle einen zusätzlichen Turn machst. Wichtig: diese Babyschritte dürfen sich etwas unangenehm anfühlen, Schweissausbrüche solltest du davon aber nicht kriegen.
Angst an und für sich ist sehr nützlich. Sie schützt uns davor, Dummheiten zu machen, gibt uns Kraft und hilft uns, fokussiert zu sein, um Herausforderungen anzugehen und zu überwinden. Übermässige Angst oder Panik hat jedoch den gegenteiligen Effekt: Sie blockiert, frustriert und hält einen in der Komfortzone fest
Kim Chareonbood (Surfmentaltrainerin)

5. Denk immer dran, Spass zu haben!

Wenn unser Ehrgeiz übermächtig wird, merken wir manchmal gar nicht, wie verbissen wir geworden sind, was ein absoluter Spass-Töter sein kann. Darum ist es, auch wenn es absolut trivial klingen mag, umso wichtiger, sich daran zu erinnern, warum man surft. Was motiviert dich, immer wieder ans Meer zurückzukehren und zu surfen? Warum suchst du dir nicht einfach ein Hobby, das du auch in der Schweiz jeden Tag ausleben kannst? Ist es das Gefühl der Freiheit? Die Tatsache, dass du all deine Probleme vergessen oder einfach deine Liebe zum Ozean ausleben kannst? Ganz egal, wie deine Session läuft und wie die Wellen oder Leute im Line-up sind, am Ende des Tages geht es darum, Spass zu haben!
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