Bike
Es war früher so wunderbar einfach, ein Mountainbike zu kaufen. Die Reifen hatten einfach nur Stollen, mit viel Glück durftest du dich über eine Federung freuen und die Wahl der Reifengröße wurde einem auch nicht wirklich schwer gemacht – es gab nämlich nur die 26 Zoll-Variante. Werfen wir einen Blick auf heute, dann ist das Leben eines Mountainbikers nicht mehr ganz so einfach – ganz besonders, wenn die Entscheidung nach der richtigen Reifengröße ansteht. Soll ich 29er-, 27,5-, 27,5 Plus-, 29 Plus-, Fatbike- oder die guten, alten 26er-Reifen nehmen?
Das Ganze ist wirklich undurchsichtig und verwirrend. Kein Wunder also, dass bereits von einer Verschwörung die Rede ist – die Industrie wolle uns doch nur noch mehr Bikes verkaufen! Aber ist das wirklich wahr? Und kommt es auf die Reifengröße überhaupt an? Hier findest du es heraus.
Der 29er
Als die 29 Zoll-Reifen vor fünf Jahren auf den Markt kamen, ging die Diskussion über die Reifengröße erst so richtig los. Hersteller behaupteten, dass die größere Aufstandsfläche und der damit einhergehende, verbesserte Rollwiderstand sowohl Anfängern als auch Pros zugutekommen würde. Im Gegensatz zu den 26ern, wurde mehr Speed und ein stabileres Handling versprochen.
In weiten Teilen ist dies auch tatsächlich so. Und auch wenn im Internet in dieser Hinsicht ein bisschen herumgenörgelt wird, es lässt sich nicht bestreiten, dass die 29er sowohl für Cross-Country- als auch für Langstreckenfahrer jede Menge Vorteile bringen und in diesen Sparten nicht umsonst als Standard gelten.
Der 27,5
Es sah also so aus, als würde es die Mountainbike-Szene schaffen, mit der Wahl zwischen zwei Reifengrößen zurechtkommen: Die 29er wurden vor allem für XCO-Fahrer, die 26er für alle anderen empfohlen. Aber um das Jahr 2013 begannen Hersteller von einer Mittelgröße zwischen den beiden, mittlerweile etablierten Extremen zu sprechen: 27,5 Zoll sollten es sein. So würde der Reifen den verbesserten Rollwiderstand des 29ers mit dem besseren Handling des 26er kombinieren. Die Rider hatten damit aber nicht wirklich ihre Freude. Um nämlich mit der Konkurrenz mithalten zu können, müssen sie sich immerhin der schnelllebigen Reifengrößen-Landschaft fügen.
Du kannst jeden Enduro- oder Downhill-Fahrer fragen, ob sie gerne wieder zur 26 Zoll-Variante greifen würden. Die Antwort wird mit Sicherheit nein heißen. Fakt ist: 27,5 Zoll eignen sich für die meisten Aspekte des Trail-/Enduro-/Downhill-Riding einfach am besten.
Da ist viel Wahres dran. Es bleibt nicht viel übrig, außer viel Mitleid mit jemanden zu haben, der sich gerade sein Traum-Bike mit 26-Zoll Reifen zugelegt hat, er im Vergleich zu anderen aber immer den Kürzeren zieht. Aber so ist das Leben. Die Welt ist schnelllebig und die Leute müssen sich anpassen. Lass es uns so sehen: Wenn die Industrie nicht so schnell voranschreiten würde, würden wir heute noch mit starren Bikes und Cantilever-Bremsen fahren.
Fatbikes
Der 27,5 bekommt ein Upgrade
Die zweite Neuerscheinung (und wahrscheinlich auch die verlockendere) war der 27,5 Plus, der mit einer weiteren 27,5-Felge und einem (um ca. 3 Zoll) breiteren Reifen aufwartete. Natürlich ist das hier kein Reifen in Fatbike-Manier, doch fühlt er sich im Vergleich zur regulären 27,5-Version doch weitgehend anders an. Vor allem klassische Trail-Rider werden damit eine Freude haben. Laut Marketing bieten diese Reifen einen besseren Grip, aber einen ähnlichen Rollwiderstand wie die traditionelle Ausführung, was sowohl für Anfänger als auch für Experten seine Vorteile hat.
Der moderne Mountainbiker findet in 27,5 Plus-Bikes richtige „Quiver-Killer“.
Ein weiterer Vorteil ist, dass der 27,5 denselben Durchmesser wie ein 29 Zoll-Reifen hat, soll heißen: Wenn genug Spielraum da ist, kann du zwei Reifensets unterschiedlicher Größen auf einem einzigen Bike fahren. Das 2017 Spark XCO-Bike von Scott ist ein gutes Beispiel dafür. Den einen Tag fährst du mit deinen 29ern Rennen, während du am nächsten Tag die rauen Trails mit deinen 27,5 Plus-Reifen bezwingst.
Also, kommt es nun wirklich darauf an, welche Reifengröße du fährst? Das hat viel damit zu tun, wo du fährst und welche Art von Rider du bist. Wenn du dich eher in einer bestimmten Nische des Sports siehst, dann solltest du dich auch an Nischenprodukte halten. Wenn du die Trails aber mit dem besten Bike bezwingen willst, dass du dir leisten kannst, dann sind 27,5 oder 29 Zoll-Reifen wohl die richtige Wahl. Die 27,5 Plus-Bikes sind momentan zwar eine heiße Aktie, brauchen aber wahrscheinlich noch ein weiteres Jahr, um sich durchzusetzen.
Ruf dir einfach vor Augen, dass irgendwer irgendwo auf dieser Welt jetzt gerade die Zeit seines Lebens mit einem alten, ramponierten Mountainbike mit 26 Zoll-Reifen erlebt und sich keine Sorgen darüber macht, ob er mit der neuesten Technologie unterwegs ist. Egal, wie groß (oder klein) deine Reifen auch sein mögen, geh raus und hab Spaß!
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