The Alpinist - Instagram Shot
© The Alpinist / @jannisrichli
Expedition

Naturfotografie - Tipps von The Alpinists

Seit mehreren Jahren begeistern The Alpinists mit ihren Fotos die Instagram-Community. Für Red Bull hat das Kollektiv einen Guide mit Tipps und Tricks zusammengestellt.
Autor: Thierry Kuhn
veröffentlicht am
«Wer wandert, muss The Alpinists kennen», schrieben wir in unserem Porträt vor knapp zwei Jahren. Diese Aussage hat sich mittlerweile erhärtet, denn The Alpinists sind hierzulande in Sachen Naturfotografie auf Social Media nach wie vor tonangebend. In den letzten Monaten ist beim Kollektiv auch einiges gelaufen: Sie haben einen Verein gegründet, diverse Workshops lanciert und sind derzeit Teil einer Tourismus-Kampagne. Dabei ist der Umweltschutz neben der Fotografie ihr Kernthema, denn die Truppe möchte junge Leute inspirieren und motivieren, in die Berge zu gehen, gleichzeitig aber auch zeigen, wie das möglichst umweltschonend geht.
Auch fachlich weiss das Kollektiv zu inspirieren – ein Blick auf ihr Profil dürfte reichen, um davon überzeugt zu sein. Und weil sie ihr ganzes Know-how nicht ungeteilt lassen möchten, haben The Alpinists einen kleinen Fotografie-Guide aus verschiedenen Themenbereichen zusammengestellt, der dir helfen soll, das perfekte Naturbild zu schiessen. Und schon gehts los!

Grundsätzliche Tipps

«Um spontane Situationen einzufangen zu können, ist es wichtig, dass die Kamera immer griffbereit ist. Auch wenn man ein genaues Ziel vor Augen hat, kann es sein, dass man unterwegs noch etwas besseres erwischt, mit dem man nicht gerechnet hatte. Es kann schon sein, dass wir in einer halben Stunde bessere Bilder schiessen als an einem ganzen Tag. Aber es ist meistens so, dass die Zeit, in der man die besten Bilder holt, eher kurz ist. Man sollte auch immer wieder mal längere Wanderungen einplanen, denn die bringen meistens bessere Resultate, als wenn man einfach nur am Strassenrand hinsteht und abdrückt.»

Typische Anfängerfehler – und wie man sie vermeidet

«Der grösste Anfängerfehler ist sicher, dass Bilder überbearbeitet und die Farben so verfälscht werden, dass es nicht mehr natürlich wirkt – gerade bei den Wolken. Ausserdem glaube ich, dass manchmal einfach zu viele Bilder gemacht werden. Das ist etwas, was wir alle vom Kollektiv gelernt haben, dass man lieber etwas weniger Bilder macht, die dann auch wirklich gut sind – statt einfach hektisch die Speicherkarte füllen zu wollen. Als letzter Punkt stellen wir fest, dass man sich manchmal zu fest an Vorbilder orientiert und zu wenig selber ausprobiert wird, sodass der eigene Stil oft auf der Strecke bleibt.»

Licht

«Sehr zentral ist sicher, dass man zu einem Zeitpunkt fotografiert, wo das Tageslicht am besten ist. In der Golden Hour, sprich nach dem Sonnenaufgang und kurz vor dem Sonnenuntergang, ist das Licht sehr optimal. Wenn man die Bilder schliesslich bearbeitet, sind gute Lichtverhältnisse bei den Aufnahmen essenziell.»

Schlechte Lichtverhältnisse

«Bei schlechtem Licht sollte man vor allem die Kameraeinstellungen im Griff haben, damit die Bilder nicht zu dunkel werden. Im Idealfall sollte man also eher zu hell fotografieren, weil man sonst zu viele Details verliert. Die Bildbearbeitung kann da natürlich noch einiges optimieren. Wir verwenden dabei verschiedene Kameras mit verschiedenen Objektiven. Bei Nachtfotografien natürlich auch ein Stativ und für Videografische Sequenzen verwenden wir einen Stabilisator. Externe Lichtquellen nehmen wir eigentlich nie mit, da es meistens sowieso vom Sonnenlicht abhängt.»

Sonnenlicht gegen Schatten

«Dies ist bezüglich dem Kontrast wohl die grösste Herausforderung. Wir versuchen meistens, den Kontrast tief zu halten – jedoch kann das spätestens bei der Bildbearbeitung optimiert werden. Natürlich kommt es auch auf das Equipment an und dass die Dynamik-Range der Kamera gut genug ist, dass man ohne Qualitätsverlust hell und dunkel kombiniert fotografieren kann.»

Fotografie im Wald

«Im Wald herrschen meistens gute Lichtverhältnisse. Wenn die Sonne eher hoch steht und der Lichteinfall zu intensiv ist, kann der Kontrast zu hart sein. Bei schlechtem Wetter oder regnerischen Verhältnissen kann ein schön diffuses Licht entstehen. Gleichzeitig sollte man darauf achten, dass im Wald nicht zu viele Details eingefangen werden, weil es schnell überladen wirken kann.»

Fotografie im Schnee

«Wichtig ist im Schnee in erster Linie sicher mal, dass die Kamera und die Ausrüstung witterungsresistent sind. Zudem sollten beim fotografieren möglichst kontrastreiche Motive hervorgebracht werden, weil das Licht im Schnee schnell kontrastlos und ohne erkennbare Konturen wirken kann.»

Fotografie im Tal

«Im Tal sind die Ansprüche wohl am kleinsten, sodass man fast bei jeder Wetterbedingung gute Fotos machen kann – ausser vielleicht am Mittag bei blauem Himmel. Aber generell besteht im Tal der grosse Vorteil, dass sich der Schnee im Frühling relativ schnell verzieht und man so einfacher an bestimmte Motive gelangt – wie etwa ein Wasserfall.»

Ausrüstung

«Sobald man mehr Ansprüche hat und das Smartphone nicht mehr reicht – und dieses kann in der Regel eigentlich lange mithalten – empfehlen wir, sich als Anfänger bei Sony und Nikon umzuschauen, da sie recht gute Einsteigerkameras haben. Für die Fotografie, die wir machen, benutzen wir die Sony Alpha Series oder Nikon Z6.»

Kameraeinstellungen

«Wir empfehlen, dass man genug mit der Blende spielt und ausprobiert – zum Beispiel indem man einen unscharfen Vordergrund darstellt. Mit der Blende kann schon recht viel gemacht werden. Für Landschaftsbilder sind sicher weitwinklige Objektive geeignet, um einen breiten Landschaftsbereich auswählen zu können.»

Fotografieren mit dem Smartphone

«Das Smartphone kann auch schon einiges hergeben, aber bei schlechten Lichtverhältnissen kann es schnell mal schwierig werden – wie etwa bei einem Sonnenuntergang. Es kommt natürlich immer ein bisschen darauf an, für was man das Foto verwendet. Aber für Instagram reicht es in den meisten Fällen. Wir benutzen das Smartphone eigentlich nur noch für Instagram-Stories.»

Lieblings-Locations

«Da gibt es zahlreiche Destinationen mit sehr fotogenen Landschaften. Etwa der Alpstein und das Heidiland in der Ostschweiz oder auch verschiedene Regionen in Graubünden. Viele unserer Mitglieder stammen auch aus dieser Region, was es logistisch einfacher macht. Reisetechnisch haben wir auch international schon einige Reisen unternommen. Erst Anfang Jahr waren wir etwa zusammen auf den Färöer Inseln.»

Lieblings-Jahreszeit

«Es liegt auf der Hand, dass die meisten von uns am liebsten im Herbst oder Frühling fotografieren, da beide Jahreszeiten farblich einfach am meisten hergeben. Besonders im Hochgebirge ist es sehr interessant, wenn der Schnee verschwunden ist und die Blütezeit beginnt. Oder natürlich die mystische Stimmung im Herbst.»
Dieses Interview wurde mit Vereinspräsident Valentin Manhart durchgeführt.