Nico Hojac und Simon Gietl auf dem Gipfel einer der "Drei Zinnen"
© Nico Hojac
Bergsport

Nico Hojac & Simon Gietl: die Südtiroler "Drei Zinnen" in Rekordzeit

Gerade einmal 18 Stunden - so lange brauchte Alpinist Nico Hojac zusammen mit seinem Kollegen Simon Gietl für die "Drei Zinnen" in Südtirol. Rekord!
Autor: Susanne Loacker
4 min readveröffentlicht am
Nico Hojac und der Alpinist und Bergsteiger Simon Gietl haben etwas geschafft, das vor ihnen noch niemandem gelungen ist: Innerhalb eines Tages, genauer gesagt in 18 Stunden, haben sie die drei Nordwände und Kanten der «Drei Zinnen» in Südtirol bestiegen - insgesamt 3249 Klettermeter. Im Gespräch erzählt Nico, wie es zu dem Abenteuer kam:
Alpinist Nico Hojac bei einer Tour mitten in einer Bergwand.
Mitten in der Wand: Nico Hojac bei seiner "Drei Zinnen"-Tour.

Nico, hast du überhaupt schon realisiert, was dir da gelungen ist?

Nico Hojac: Das ganze Projekt war eine spontane Aktion. Ich wurde von Südtirol-Tourismus eingeladen und konnte einen Tag etwas mit Simon Gietl unternehmen. Da wir beide professionelle Athleten sind, war der Fall schnell klar, dass wir etwas Ambitioniertes machen wollten. Simon kam dann mit der Idee, die drei Nordwände und die drei Kanten der drei Zinnen in einem Tag zu klettern. Wir wussten nicht, ob es zeitlich aufgehen würde, denn vor uns hat das noch niemand gemacht. So war dieses Projekt auch ein kleines Experiment. Einfach klettern, bis wir nicht mehr können oder wollen.

Blick in einer Nordwand der "Drei Zinnen" in Südtirol, Italien.
Der Blick nach oben zeigt, wie steil die Wände der Zinnen sind.
Während dem Projekt musste ich immer mit Unbekannten umgehen und durfte nicht die Zuversicht verlieren.
Nico Hojac

Wann in so einer Tour realisiert man, dass man es schaffen könnte? Gab es da eine Art Schlüsselmoment?

Nico Hojac: Als wir nach drei Routen zum zweiten Mal in Richtung Grosse Zinne loskletterten, wurde mir klar, dass wir es schaffen können. Zuvor hatten wir die Comici in der Grossen Zinne geklettert, gerieten dabei in einen Stau und mussten etwa fünf Seilschaften überholen. Dabei hatten wir ziemlich viel wertvolle Zeit verloren. Im Nachhinein müssen wir uns bei diesen Leuten bedanken, dass sie uns so grosszügig durchgelassen haben. Als wir dann nur noch die kleine Zinne vor uns hatten, wussten wir beide, dass wir es schaffen würden.

Gab es auch einen Moment, in dem du dachtest: Das schaffe ich nicht?

Nico Hojac: Für mich war alles etwas ungewiss, da ich keine der Routen kannte und nicht genau wusste, auf was ich mich da eingelassen hatte. Während dem Projekt musste ich immer mit dieser Unbekannten umgehen und durfte nicht die Zuversicht verlieren. Nach drei Routen, wenn man langsam etwas müde wird und denkt, dass man noch einmal drei Routen klettern muss, kann das einem schon die Psyche vermiesen.

Die "Drei Zinnen" in Südtirol, Italien.
Markante Formation: die "Drei Zinnen" im Sonnenschein.
Blick von den "Drei Zinnen".
Und auch der Blick in die Umgebung hat es in sich.

Viel Vorbereitung gab es ja offenbar nicht. Schnell unterwegs warst du ja auch früher schon - aber war es nicht trotzdem etwas sehr mutig?

Nico Hojac: Das ist wohl eines der ersten Projekte, wo ich kaum darauf vorbereitet war. Da ich mich aber auf die kommende Expedition nach Indien vorbereite und sowieso trainiere, hat das aber nicht so eine grosse Rolle gespielt. Da ich noch keine der Routen geklettert bin, war das Know-How von Simon extrem wichtig und schlussendlich auch entscheidend.

Wie merkt man, dass man physisch und psychisch parat ist für so etwas?

Nico Hojac: Über das jahrelange Trainieren und unterwegs Sein habe ich gelernt, meine Fähigkeiten genau einzuschätzen. Davon hängt auch teilweise mein Leben ab, Selbstüberschätzung ist in den Bergen fatal. Als Allrounder kann man nie immer in allen Disziplinen fit sein, aber man kann sehr gut einschätzen, ob der aktuelle Stand im Training ausreicht oder nicht. Bei alpinen Projekten, wo die Verhältnisse eine grosse Rolle spielen, muss man spontan sein. Man kann sich nicht wie zum Beispiel in der Leichtathletik über ein Jahr auf einen Tag X vorbereiten, das geht bei uns Bergsteigern nicht. Man kann noch so fit sein, aber wenn am Tag X die Verhältnisse oder das Wetter nicht in Ordnung ist, kann man nichts machen.

Hütte am Fuss der Drei Zinnen in Südtirol, Italien.
Möglichkeit zur Rast? Die Hütte sieht zumindest einladend aus.

Ueli Steck hat mal gesagt, dass er nach einem Rekord jeweils eine Art "Baby Blues" hat, bis er sein nächstes grosses Ziel ins Aug gefasst hat. Kennst du dieses Gefühl? Oder ist dir das fremd? Oder: Hast du sogar schon ein nächstes Ziel?

Nico Hojac: Da ich mich gerade auf das Hauptziel in diesem Jahr vorbereite - die Expedition an den Shivling - bin ich überhaupt nicht in ein Loch gefallen. Ich habe dieses Gefühl auch noch nie intensiv erlebt. Nach Projekten geniesse ich meist das „Cool down“ und beginne dann, nach und nach wieder neue Pläne zu schmieden. Das ist die einzige Zeit, wo man ohne schlechtes Gewissen mal etwas weniger trainieren kann.

Würdest du das Ganze noch mal wagen?

Nico Hojac: Ich würde das Projekt nochmals wagen. Aber dafür würde ich mich etwas besser vorbereiten wollen, um zu sehen, was man mit etwas Optimieren noch rausholen kann. Aber ich denke, es wird nicht lange gehen und die nächsten Seilschaften werden dieses Projekt in Angriff nehmen. Bei Rekorden ist immer etwas klar: Einer ist immer schneller.