Nicholas von Nikin
© Nikin
Social Innovation

Wenn aus Ideen Bäume wachsen

Die Erfolgsgeschichte von NIKIN hat etwas Märchenhaftes: 2016 begann alles in einem Lenzburger Pub. Inzwischen haben Nicholas Hänny und Robin Gnehm mit ihrer Firma 88 Quadratkilometer Bäume gepflanzt.
Autor: Susanne Loacker
3 min readveröffentlicht am
Die Fläche der Stadt Zürich beträgt gut 42 Quadratkilometer. Lenzburg kommt auf gute 11. Würde man alle Bäume, die die Aargauer Firma NIKIN bisher gepflanzt hat, nebeneinander aufstellen, käme man auf einmal Zürich und viermal Lenzburg.
Nikin in Colorado
Nikin in Colorado
NIKIN kommt aus Lenzburg. Noch heute, ziemlich exakt fünf Jahre nach dem legendären Gründungsbier, ist die Firma hier zuhause. Nicholas Hänny und Robin Gnehm, Freunde aus Kinder- und Pfadi-Tagen, hatten schon lang die Idee, gemeinsam ein Projekt umzusetzen. «Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon einiges ausprobiert, jeder für sich und auch zusammen, aber irgendwie hatte nichts so recht geklappt.»
Eines dieser früheren Projekte war ein Gymbag, den Hänny hatte herstellen lassen. 1000 Stück bestellt, 500 verkauft – das klassische Schicksal eines Start-ups. Doch eines Tages stand Hänny in Winterthur in der Post an und sah vor sich jemanden, der einen solchen Gymbag trug. 57 Kilometer von Lenzburg entfernt. Da fasst Hänny den Entschluss: mehr Farben, mehr Modelle.
Und ein Bier mit Robin Gnehm. Aus den Gymbags wurde zwar nichts. Doch der Rest ist NIKIN-Geschichte. Eine Art Mütze wollten die beiden produzieren, ähnlich wie die Carhartt-Beanies, bloss natürlich ohne das orange Logo. Dafür mit einer stilisierten Tanne. Denn, so der Beschluss der beiden ehemaligen Pfadis: Für jede verkaufte Mütze wollten sie das Geld spenden, das nötig ist, um einen Baum zu pflanzen: Einen Dollar.
Robin und Nicholas in Colorado
Robin und Nicholas in Colorado
Damals war Nicholas Hänny 25 und Robin Gnehm 24 Jahre alt. Sie bestellten Beanies, liessen Logos herstellen und eine Kollegin nähte die schmale Tanne vorne auf die Mützen. «Damals», sagt Hänny heute, «hatten wir noch nicht viel Ahnung von Nachhaltigkeit.» Aber die Kundschaft meldete sich zu Wort: Made in China? No way.
Inzwischen kommt die Ware aus Europa. Die beiden Unternehmer, welche bei Forbes bei «30 under 30» gelistet wurden, kennen jeden der Lieferanten persönlich. Ausserdem arbeiten sie mit nachhaltigen Materialien und setzen auf Langlebigkeit und zeitlose Designs.
Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber wir sehen Nachhaltigkeit als Prozess und sind uns sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und wenn wir auf unsere Anfangszeit zurückblicken, sehen wir, wie weit wir schon gekommen sind. Vor allem für unsere Grösse sind wir in vielen Bereichen doch schon sehr fortschrittlich.
NIKIN
Zwischen 45 und 50 Leute umfasst das Nikin-Team inzwischen. «Wir sind also kein Start-up mehr, aber so ein richtig grosser Player sind wir auch noch nicht.» Genau das liegt Nicholas Hänny am Herzen: «Reich geworden sind wir bisher nicht und wir haben uns noch nie Gewinne ausbezahlt. Aber ich kann mir alles leisten, was ich möchte: Bio Gemüse vom Bauernhof und zweimal im Monat auswärts essen - das ist für mich ein Luxus, den ich schätze.»
Im Moment machen sich die beiden Firmengründer Gedanken, wie es weitergehen soll, welche Richtung die richtige ist für NIKIN, und welche Parameter die Kundschaft in Zukunft von der Marke mit der schlanken Tanne erwarten können. Denn die Vergangenheit der noch jungen Firma ist ein Versprechen für die Zukunft.
Pflanzen
Pflanzen
Eine solche Idee, geprägt vom Ziel der Circularity, ist eine Art T-Shirt fürs Leben: einmal kaufen, im Falle eines Risses flicken lassen, am Schluss zur Wiederverwertung zurückgeben und ein Neues dafür bekommen. So hätte die NIKIN-Story dann nicht nur einen märchenhaften Anfang. Sondern eine noch viel märchenhaftere und vor allem unsterbliche Fortsetzung.
Red Bull Basement unterstützt Studierende, die die Unternehmer von morgen werden möchten. Auch Nicholas Hänny engagiert sich für die nächste Generation von Start-ups: «Ich habe regelmässig Talks mit jungen Leuten, die mir Fragen dazu stellen, wie man ein Unternehmen gründet. Meine Haltung ist: Nicht zu viel nachdenken, sondern einfach mal machen. Eine Can-do-Haltung ist für mich das wichtigste Asset, das jemand haben sollte, der eine Idee verwirklichen möchte.» Nimm Teil