Freerunning
Parkour on Snow: Jason Paul vs. Streif
Eine Vision wird Wirklichkeit: Freerunning-Ikone Jason Paul zeigt in seinem unverwechselbaren Style, dass die Streif nicht nur auf Ski, sondern auch als Parkour-Spot für Gänsehautmomente sorgen kann.
2 Min
Jason Paul turns the Streif into a parkour run
Jason Paul runs the Streif on foot. Ice, speed, no second chances.
Die Streif ist Mythos, Herausforderung und Grenzerfahrung. Jahr für Jahr zwingt sie bei den Hahnenkammrennen die besten Skifahrer der Welt zur absoluten Präzision – und genau das hat Parkour-Ikone Jason Paul an dieser einmaligen Challenge gereizt. Der 34-jährige Deutsche hat die spektakulärste Abfahrtsstrecke der Welt mit Parkour, Körperkontrolle und mentaler Stärke zu seinem persönlichen Parkour-Spot gemacht – und sie aus seinem ganz eigenen Blickwinkel betrachtet.
"So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben.“
Seit einem Jahr hat Jason Paul daran gearbeitet, etwas Einzigartiges in den Schnee von Kitzbühel zu zaubern, das man auf der Streif noch nie gesehen hat. Parkour und Schnee – das ist eine Kombination, die eigentlich ganz und gar nicht funktioniert. Außer man ist ein Ausnahmeathlet und hat den Mut, neue Wege zu gehen und die Grenzen des Sports neu zu ziehen.
12 Monate Vorbereitung für eine einzigartige Challenge, die einem die Gänsehaut aufzieht. Red Bull Energy Station und Starthaus, Mausefalle, der pickelharte Steilhang, die ikonische Hausbergkante und der Zielschuss: Passagen, die jeder Skifan in- und auswendig kennt. Dort entscheidet sich, wer sich bei den Hahnenkammrennen mit der goldenen Gams in der Hand unsterblich macht. Genau diese neuralgischen Spots der Streif hat Parkour-Ikone Jason Paul auf seine ganz eigene Art entdeckt.
Aber das alleine wäre ja noch zu easy going – darum hat er noch zwei besonderen Ideen aus dem Hut gezaubert. Warum "nur" aus dem Starthaus herausstarten – wenn man Flying-Bulls-Piloten Mirko Flaim anrufen kann, der einem mit dem Hubschrauber BO 105 Flügel verleiht und einen actionfilmreifen "up in the air" Einstieg über dem Starthaus ermöglicht.
Flying-Bulls-Piloten Mirko Flaim brachte Jason Paul auf "Dienstgipfelhöhe"
© Joerg Mitter / Red Bull Content Pool
Oder man verschärft die Hausbergkante nochmal mit einem Extra-Stunt. Für den nötigen Grundspeed sorgte Skifahrer Sebi Mall, um die verrückte Idee eines Tandem-Backflips über die Hausbergkante in die Luft zu zeichnen. Diese Teile fügen sich durch Mastermind Jason Paul in ein atemberaubendes Gesamt-Kunstwerk zusammen und es entstand ein einzigartiges Projekt, das urbanen Parkour-Flow und alpinen Mythos verbindet. „Ein Parkour-Projekt auf der Streif umzusetzen, war eine riesige Ehre“, erklärt Jason Paul. „So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben.“
01
Abgefahrene Idee und Kopfkino
Alpenpanorama statt urbaner Skyline, Sneaker statt Ski, Schnee und Eis statt Asphalt, eisige Skipiste und mobile Tribünen statt starrer Hindernisse aus Beton. Doch eines bleibt gleich: Die Streif verzeiht keine Fehler. Die Initialzündung für dieses Projekt kam genau ein Jahr zuvor, als er die Abfahrt von der Mausefalle aus erlebte. „Die Streif hat ein spezielles Charisma, die Stimmung beim Rennen war außergewöhnlich und hat mich sofort in ihren Bann gezogen“, erinnert sich Jason Paul. „Ich stand damals auf der Tribüne bei der Mausefalle und dachte mir sofort: Das fühlt sich ein bisschen wie ein Parkour-Spot an. Dann schaut man rauf zum Starthaus und sieht dieses Rooftop – in diesem Augenblick startete das Kopfkino. Man kommt ins Nachdenken, ins Reden, und aus einer Vision wird plötzlich Realität.“
Die Tribüne an der legendären Mausefalle wurde zum Parkour-"Spielplatz"
© Little Shao / Red Bull Content Pool
Für Jason Paul wurde das Projekt zu einer beispiellosen Herausforderung, die höchste körperliche Kontrolle und mentale Stärke verlangte – und seinen Respekt vor der Streif weiter vertiefte. „Die Streif ist kein Ort für Fehler, egal ob man Abfahrer oder Parkour-Athlet ist. Und genau das macht es so besonders, hier mit Parkour eine Linie zu finden“, betont er. „Der Respekt war groß, man spürt auch Angst, wenn man vom Starthaus hinunterschaut auf das, was einen dort erwartet. Die Kunst ist es, diese Angst zu kontrollieren. Genau das fordert die Streif. Ich wusste: Wenn ich ruhig bleibe und meiner Technik vertraue, kann ich die legendäre Abfahrtsstrecke auf meine Art bezwingen.“
02
Parkour auf ungewohntem Terrain
Parkour lebt von Reibung – die Streif bietet im Renntrimm genau das Gegenteil. Schnee, Eis und extremes Gefälle machten jede Bewegung unberechenbar. „Allein die erste Landung am Starthaus war eine der größten Herausforderungen“, betont Jason Paul. Zudem war es kaum möglich, sich gezielt auf diese einzigartigen Stunts vorzubereiten. Der gebürtige Frankfurter lebt aktuell in Tokio – ohne Schnee, ohne Eis.
Die Vorbereitung konzentrierte sich daher vor allem auf Planung, Scouting und Videoanalyse. Landewinkel mussten theoretisch berechnet, Szenarien mental durchgespielt werden. Diese Unberechenbarkeit war selbst für einen Athleten mit internationaler Erfahrung außergewöhnlich. „Der einzige Trick, den ich wirklich trainieren konnte, war der Hubschrauber-Schwung. Diesen habe ich in einer Turnhalle am Reck geübt“, erzählt Jason Paul. „Man kann vieles planen und berechnen. Aber wenn man dann hier in Kitzbühel ist, in diese Atmosphäre eintaucht und die Streif selbst erlebt, ist das noch einmal eine ganz andere Hausnummer.“
03
Hubschrauber-Stunt und Hausbergkanten-Nervenkitzel
Einer der beeindruckendsten Momente der atemberaubenden Parkour-Mission startete in der Luft. Jason Paul schwang an der Kufe des Hubschraubers, der von Flying Bulls Pilot Mirko Flaim perfekt positioniert wurde, und landete aus etwa vier Metern Höhe auf der Red Bull Energy Station.
Von dort ging es per Vier-Meter-Sprung auf das Rooftop des Starthauses. „Das war wie in einem Actionfilm – meine James-Bond-Hommage. Ein echtes Once-in-a-Lifetime-Erlebnis“, erinnert sich Jason Paul. Danach nutzte er die Tribüne direkt an der Mausfalle für seine Parkour-Moves und slidete den eisigen Steilhang hinunter.
Der mental und technisch herausforderndste Stunt wartete an der ikonischen Hausbergkante. Als „Beifahrer“ auf den Ski von Sebi Mall setzte Jason Paul zum spektakulären Tandem-Backflip über die Hausbergkante an. Timing, Balance und Vertrauen mussten perfekt zusammenspielen. „Direkt beim Absprung habe ich gemerkt: Jetzt passt alles. Ich habe den perfekten Absprung für meinen Backflip getroffen“, sagt der 34-Jährige. „Kitzbühel stand kurz Kopf, die Sonne schien, ein einmaliger Anblick. Das war ein sehr emotionaler Moment, den ich nie vergessen werde.“
Das grande Finale zelebrierte Jason Paul im Stile der großen Abfahrts-Stars im Zielschuss. Dort, wo die Speedstars noch um jede Hundertstelsekunden kämpfen und mit Höchstgeschwindigkeit ins Ziel rasen, zeichnete er noch perfekte Flick Flacks in den Schnee von Kitzbühel.