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Project Arena: Virtual Reality für den eSport!

Virtual Reality-Helme versprechen die totale Immersion. Was taugt die Technik im eSport-Einsatz?
Autor: Ulrich Wimmeroth
4 min readveröffentlicht am
Project Arena - Eine Mischung aus Tennis und Tron
Project Arena - Eine Mischung aus Tennis und Tron
Wenn die Rede von dem Entwicklerstudio CCP Games ist, denkt ihr wahrscheinlich gleich an das MMORPG EVE Online. Aber abseits des Sci-Fi Rollenspiels, investieren die isländischen Tüftler seit Jahren kräftig in Virtual Reality. Anscheinend mit Erfolg, denn die Weltraumballerei [EVE: Valkyrie], versorgt mit Oculus Rift, HTC Vive und ab Oktober auch PlayStation VR, gleich drei Konkurrenz-Systeme mit Spielefutter. Aktuell wird im amerikanischen Atlanta an Project Arena getüftelt, einer Art Zukunfts-Tennis mit Tron-Anleihen.
Wir haben auf dem diesjährigen EVE Fanfest in Reykjavik den schweißtreibenden Computersport ausprobiert, und uns mit Chefentwickler Adam Kraver über die Zukunft des eSport unterhalten.
Im Gespräch mit Adam Kraver von CCP Games
Im Gespräch mit Adam Kraver von CCP Games

Von Pong bis Project Arena

Simpler könnte die Grundidee eigentlich gar nicht sein. Zwei Spieler stehen sich gegenüber und schlagen nach einer Scheibe. Das ist das Konzept von Pong und Tennis, versehen mit der Optik des Filmklassikers Tron. Wie wir spielen müssen, haben wir schnell kapiert. In der Mitte des virtuellen Spielfeldes ist eine rotes Netz gespannt, in dem sich eine gelbe Markierung befindet. Jetzt gilt es, den Diskus mit Schwung auf den Kontrahenten zu werfen, ohne das Netz zu berühren. Sonst gibt es einen Punktabzug. Schaffen wir es, die gelbe Markierung im Netz zu treffen, bekommt die Scheibe zusätzliches Tempo. Zurückgeschleudert wird die Scheibe mit einem Schild, der sich an unserem Arm befindet. Oder wir ducken uns einfach und schauen erstaunt zu, wie das Projektil an den, eigentlich gar nicht vorhandenen, Wänden hinter uns abprallt.

Konditionstraining am PC

Das ist richtig gut gemacht und schon nach ein paar Runden, vergessen wir die reale Welt um uns herum. Obschon das Spiel sich, wie der Name es vermuten lässt, noch in der Projektphase befindet, gibt es keine technischen Schwierigkeiten. Die neuen Oculus Touch-Controller erlauben eine exakte Steuerung, die Illusion auf seine eigenen Hände zu blicken ist gelungen. Details, wie ein Force-Feeback beim virtuellen Händeschütteln vor dem Match oder dem Aufprall der Scheibe auf dem Schild, gaukeln dem Gehirn Realität vor. Und wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Wir hüpfen hin und her, ducken uns, holen kräftig mit den Armen aus. Das erinnert an die Hochzeiten von Nintendo Wii, Move oder Kinect, bevor sich kein Mensch mehr für diese Steuerung interessierte. Project Arena hat das Zeug dazu, das Wii Sports für VR zu werden.
Ein bisschen Platz braucht ihr schon zum Spielen
Ein bisschen Platz braucht ihr schon zum Spielen

Perfekt für Online-Turniere

Der virtuelle Schlagabtausch eignet sich bestens für Turniere und die Veranstaltungen auf dem EVE Fanfest waren entsprechend gut besucht. Aber, wer hat schon ein Wohnzimmer in Turnhallendimension, um eigene Meisterschaften abzuhalten? Das ist auch Adam Kraver, dem Leiter der VR-Abteilung bei CCP Games, klar. "Die Spieler brauchen sich nicht im gleichen Raum aufzuhalten. Ob jetzt die Kontrahenten im Nebenraum sind oder in einem anderen Land, spielt keine Rolle", erklärt er uns im Gespräch. Über eine Onlinefunktion werden Spieler eingeladen und können sich einfach zum Spaß ein paar Scheiben um die Ohren werfen. Oder Teams bilden und Meisterschaften austragen. "Das Spiel ist einfach zu spielen, aber schwer zu meistern", sagt Kraver. Dem können wir nur beipflichten.
Auch die Zuschauer bei einem Turnier werden eine VR-Brille tragen und so mitten im Geschehen sein
Adam Kraver

So sieht der eSport in fünf Jahren aus!

Kraver bescheinigt seinem Projekt auch eine unbedingte eSport-Tauglichkeit. "Man braucht ein gutes Reaktionsvermögen, sollte die Feinheiten des Spiels beherrschen und körperlich fit sein. Ein Leistungssport, wie zum Beispiel Tennis. Und es ist ein Anreiz herauszufinden, wer der Bessere ist." Um aber das virtuelle Scheibenschießen massentauglich zu machen, braucht es Zuschauer. Schaut man nur den Spieler zu, ist das eher eine amüsante Sache, die Hampelei zu betrachten. Bildschirme übertragen im Spectator-Modus die Spiele aus dem Blickwinkel einer Übersichtskamera, die das Geschehen den Zuschauern vermittelt. Aber das ist nur der erste Schritt zum VR-eSport. Kraver hat eine genaue Vorstellung, wie ein eSport-Turnier in fünf Jahren aussehen könnte. "Ich kann mir denken, dass auch die Zuschauer in Zukunft eine VR-Brille tragen und sich so mitten in das Geschehen begeben. Die Spiele aus Sicht eines Turnierbesuchers hautnah erleben können, ohne das eigene Haus zu verlassen." Zur Zeit arbeitet man in den VR-Labors von CCP fleißig an einem Vier-Spielermodus für Projekt Arena. Ein futuristisches Tennis-Doppel, wir wären dabei.