Gaming
Wie aus dem Nichts tauchte gestern der Bericht von Wired auf, in dem Systemarchitekt Mark Cerny exklusive Details zur kommenden PlayStation-Generation ausplauderte. Auch wenn noch nicht offiziell von der PlayStation 5 die Rede ist, soll die kommende Generation einen großen technischen Fortschritt bringen.
Voraussichtlich wird die neue PlayStation bereits im kommenden Jahr erscheinen und deutlich leistungsfähiger werden als die PlayStation 4. Das wird bereits beim Blick auf die ersten technischen Details sichtbar. Sony setzt bei der CPU auf die dritte Generation der AMD-Ryzen-Serie mit 8 Kernen und einer 7nm-Zen-2-Mikroarchitektur. Bei der Grafik soll ein Prozessor der AMD-Radeon-Navi-Serie zum Einsatz kommen, der Auflösungen bis 8K und Echtzeit-Raytracing unterstützt. Ebenfalls von AMD kommt ein neuartiger Audiochip, der spezielle 3D-Soundumgebungen ermöglichen soll.
Außerdem wird die neue PlayStation weiterhin auf ein Laufwerk setzen, was aus vielerlei Gründen wichtig ist. Einer davon geht mit dem vielleicht wichtigsten bestätigten Feature einher: Die kommende PlayStation wird vollständig abwärtskompatibel zur PlayStation 4 und PlayStation VR sein.
Warum ist Abwärtskompatibilität so wichtig?
Früher war Abwärtskompatibilität Gang und Gäbe. Doch spätestens die vorletzte Konsolengeneration um die PlayStation 3 machte allen Fans von Spielerklassikern einen Strich durch die Rechnung.
- Die Wii U war abwärtskompatibel zur Wii
- Die PlayStation 2 war abwärtskompatible zur ersten PlayStation
- Die Wii war in der Lage, Gamecube-Spiele wiederzugeben. Sogar Memory Cards und Controller konnten verwendet werden
- GameBoy-Klassiker konnten auf nahezu jeder Nintendo-Konsole abgespielt werden
Vor nicht allzu langer Zeit galt es als sicher, dass wir auf unserer neuen Konsole auch Spiele der vorangegangenen Hardware abspielen konnten. Doch irgendwann folgte vermutlich aus Kostengründen der Umbruch.
Während das erste Modell der PlayStation 3 noch die Titel der Vorgängerkonsolen abspielen konnte, wurde dieses Feature mit späteren Varianten einfach wegrationalisiert. Was für Aufruhr unter Spielern sorgte, die sich irgendwann allerdings zwangsläufig damit abfanden. Auch die PlayStation 4 ist nicht in der Lage, PS3-Games abzuspielen. Stattdessen wird die aktuelle Konsolengeneration von zahllosen Remakes und Remasters heimgesucht. Außerdem steht uns ja eh PlayStation Now zur Verfügung, wenn wir unsere liebsten PS3 und PS2-Klassiker spielen wollen.
Glücklicherweise hat sich zumindest Microsoft auf das so beliebte Feature zurückbesonnen, denn die Xbox One wird nach und nach mit neuen Titeln für die Abwärtskompatibilität versorgt. Fast wöchentlich kommen neue Klassiker hinzu, die ihr auf der aktuellen Xbox erneut erleben dürft – dann sogar teilweise in einer grafisch aufgewerteten Fassung.
Doch warum ist Abwärtskompatibilität überhaupt so wichtig? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen lieben wir es, unsere gefeierten Klassiker nach Jahren erneut zu spielen. Aus Nostalgie oder um beispielsweise die Geschehnisse für einen bevorstehenden Nachfolger aufzufrischen.
„Wen interessieren schon alte Spiele? Spiel doch einfach die neuen, die sehen doch eh besser aus!“ Habt ihr diesen Satz schon einmal gehört? Doch wer ein Medium liebt, seien es Videospiele, Filme, Musik oder Bücher, der liebt auch die Klassiker. Man benötigt die Klassiker, um moderne Titel besser zu verstehen. So einfach ist das.
Zum anderen aus Bequemlichkeit. Abwärtskompatibilität einer Konsole bedeutet, dass man das Vorgängermodell verkaufen oder in den Keller packen kann. Immerhin sind die Plätze unter unserem Fernseher rar.
Tatsächlich hat die Abwärtskompatibilität der PlayStation 2 zu ihrem Vorgänger sogar deren Verkäufe innerhalb des ersten Jahres beflügelt. Mit gerade einmal 16, qualitativ teils überschaubaren, Starttiteln war es vor allem der riesigen PSX-Bibliothek zu verdanken, dass die Verkaufszahlen trotzdem stimmten.
Das kaufte der PS2 vor allem Zeit, um wirklich gute Spiele wie GTA 3, Gran Turismo 3: A-Spec oder Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty für das wichtige Jahr 2001 bereitzustellen.
Auswirkungen der neuen Hardware auf PlayStation 4-Spiele
Die PlayStation 5 wird laut Sony um ein vielfaches schneller sein als die PlayStation 4. Doch davon profitieren nicht nur neue Games, gerade im Hinblick auf die Abwärtskompatibilität soll der Unterschied deutlich spür- und sichtbar sein.
Bei der Festplatte der PlayStation 5 kommt erstmals im Konsolenbereich eine SSD zum Einsatz und diese soll sogar noch schneller sein, als alles was derzeit im PC-Sektor verfügbar ist. PC-Spieler wissen, dass eine schnelle SSD nicht nur mit kürzeren Ladezeiten einher geht, sondern auch die Grafikqualität allgemein, beispielsweise durch das Textur-Streaming, positiv beeinflusst.
Das wird auch bei den PS4-Games auf der kommenden PlayStation der Fall sein, wie Cerny anhand von Marvel’s Spider-Man eindrucksvoll unter Beweis stellte. Auf der ohnehin schon leistungsfähigeren PS4 Pro dauert die Schnellreise von Spidey knapp 15 Sekunden. Zu Testzwecken positionierte er Spider-Man auf einem Platz, 15 Sekunden nach Betätigung der Schnellreisefunktion war der Superheld an seinem neuen Zielort angekommen.
Daraufhin zeigte Cerny exakt dieselbe Szene auf einem Dev-Kit (also einer Entwicklereinheit) der neuen PlayStation, die den Ladeprozess ganze 19 Mal so schnell erledigte. Dank der modernen SSD-Festplatte wurden aus den ursprünglichen 15 Sekunden kurzerhand 0,8 Sekunden. Ein Quantenprung für uns Spieler.
Doch damit nicht genug. Auch die Render-Geschwindigkeit, in der die Welt sich aufbaut, profitiert vom schnelleren Speicher. Spider-Man schwingt sich also deutlich schneller durch Manhattan, als es derzeit aufgrund der Hardware-Limitierungen überhaupt möglich ist.
Es wird spannend sein zu sehen, welche Vorteile die Entwickler noch aus der SSD-Festplatte herausholen können. Für Sony ermöglicht die schnellere Festplatte ein komplett neues Zeitalter für Spielekonsolen.
Wer weiß, vielleicht sehen wir mit der neuen PlayStation ja dann endlich wirklich nahtlose Open-World-Spiele und lassen langsam nachladende Texturen endgültig hinter uns. Eine Schweigeminute für alle Kaffeetassen oder Toiletten, die in den mitunter ellenlangen Ladepausen aktueller Konsolenspiele Zuwendung bekamen.
Auf diese PS4-Klassiker freuen wir uns besonders
1. Bloodborne
Das Action-RPG Bloodborne von From Software gehört ohnehin zu den besten Exklusivtiteln auf der PlayStation 4. Einziger Wermutstropfen sind die ellenlangen Ladezeiten, die zwar durch verschiedene Updates verkürzt werden konnten, teilweise aber immer noch 40 Sekunden dauern. Ein Respawn in Old Yharnam dauert aktuell noch immer 39,0 Sekunden und da man in Bloodborne ja doch ab und zu mal das Zeitliche segnet, bekommen wir Ladebildschirm recht häufig zu Gesicht. Kürzere Ladezeiten auf der PlayStation 5 erhöhen den Spielspaß deutlich.
2. The Witcher 3: Wild Hunt
Das Mammut-RPG The Witcher 3: Wild Hunt hat eine der detailliertesten und schönsten Open-World der Moderne zu bieten. Allerdings will diese aufwändige Welt auch erst einmal geladen werden. Bis wir spielen oder nach dem Tod erneut starten können, dauert es über eine Minute. Dank SSD-Festplatte sind wir endlich schneller wieder im Geschehen und haben vermutlich nicht mehr mit langsamem Textur-Streaming zu kämpfen.
3. Fallout 4
Während die Ladezeiten in The Witcher 3 nur zu Beginn und bei unserem Ableben nerven, sind sie im Action-Rollenspiel Fallout 4 omnipräsent. Wir öffnen eine Tür? Ladebildschirm. Wir betreten eine Stadt? Ladebildschirm. Diese sind so häufig, dass mir mittlerweile gefühlt jeden Tipp auswendig kennen.
4. Marvel’s Spider-Man
Marvel’s Spider-Man gehört definitiv zu den besten PS4-Games überhaupt. Die Präsentation des Superhelden-Abenteuers mit den Dev-Kits der neuen PlayStation hat uns definitiv angefixt und wir können es kaum erwarten, die neu hinzugewonnenen Vorteile endlich selbst erleben zu dürfen.
5. Grand Theft Auto V
GTA 5 ist grandios, das steht außer Frage. Aber das Rockstar-Spiel hat mit den beiden größten Problemen zu kämpfen, die dank der SSD-Festplatte endlich der Vergangenheit angehören sollen: ellenlange Ladezeiten und langsam nachladende Texturen. Wir können die Zahl der Unfälle, die wir beim Rasen durch die Stadt mit einem plötzlich auftauchenden Fahrzeug hatten, nicht mehr abzählen.
6. Street Fighter V
Ein schnelles Match in Street Fighter geht eigentlich immer. Blöd nur, wenn einem eigentlichen kurzen Techtelmechtel eine 25-sekündige Ladezeit vorausgeht. Vor jedem einzelnen Kampf. Das kann auf Dauer ziemlich nerven.
7. Red Dead Redemption 2
Wir lieben Red Dead Redemption 2, wirklich. Aber was extrem nervt, sind die ewig langen Ladezeiten und die gelegentlichen Textur-Pop-Ins. Doch auch Red Dead Online wird vermutlich stark von den Möglichkeiten einer SSD-Festplatte profitieren. Wir freuen uns riesig darauf.