Ramona Kupferschmied
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MTB

Ramona will fliegen

Ramona Kupferschmied kannte man in der Bike-Szene als Cross-Country-Fahrerin. Seit gut einem Jahr haben sich ihre Interessen jedoch verändert. Wie es dazu kam und wo es sie hinzieht erzählt sie hier.
Autor: Red Bull
6 min readveröffentlicht am
Vor kurzem warst du bei Crankworx in Innsbruck, einem der grössten Gravity Bike Event der Welt. Wie war’s?
Es war mega cool. Die Topfahrer sind so chillig drauf, das kannte ich nicht, dass man mit den Besten so einfach ins Gespräch kommt. Dual Slalom war völlig neu für mich, da kam ich nicht über die Quali hinaus, aber das hat Lust auf mehr gemacht. Das Downhill-Rennen lief ganz gut, dabei war das auch erst mein zweites in dieser Disziplin.
Und was hast du dir angeschaut?
Beim Whip-off Contest lief mir schon der Sabber, da waren auch ein paar Frauen dabei. Vielleicht bin ich nächstes Jahr so weit, dass ich mich da anmelde.
Ramona Kupferschmied beim iXS Downhill Cup in Winterberg
Ramona Kupferschmied beim iXS Downhill Cup in Winterberg
Wie fandest du den Slopestyle Contest? Siehst du dich irgendwann solche Features springen?
Das ist natürlich anders krass. Die Dimensionen, die Rotationen, das ist wirklich heftig. Und die Jungs fahren alles mit dem Dirtbike, also praktisch ohne Federung. Ich fühle mich bei den grossen Sprüngen megawohl auf dem Downhill Bike. Ein Dirtbike habe ich erst seit letztem Herbst und ich bin noch nichts Grosses damit gesprungen.
Wo ich mich schon eher sehe, ist der Speed and Style Contest. Das ist eine coole Kombi mit Wellen zum Pumpen und zwei Sprüngen, auf denen man Tricks zeigen muss. Die Zeit und die Punkte für die Tricks ergeben den Score, einige fahren mit dem Dirtbike, andere mit dem Endurobike.
Bis vor Kurzem warst du Cross-Country-Athletin, dein Ziel war Olympia. Dann hast du einen radikalen Wechsel vollzogen. Was ist passiert?
Ich liebte das Rennen fahren und es war für mich völlig normal alleine nach Watt- und Pulswerten zu trainieren. Als 2020 fast alle Rennen abgesagt worden waren, erlaubte ich mir wieder, einfach frei biken zu gehen. Freunde, die vor allem Downhill fahren, nahmen mich mit und das liess mich dann ziemlich schnell nicht mehr los.
Ausdauertraining ist hart und am schönsten, wenn es vorbei ist. Gravity und Jumps hingegen machen einfach nur Spass. Ist es so einfach?
Cross-Country war das Richtige für mich, sonst hätte ich es nicht so lange auf diesem Niveau gemacht. Aber ich habe in den letzten Jahren so viel Zeit im Kraftraum und auf dem Rennvelo trainiert, dass mir die Freude abhandenkam. Das merkte ich erst, als ich mit Freunden fahren ging. Doch wenn ich im Downhill oder in einer andere Gravity-Disziplin Erfolg haben will, werde ich ebenfalls hart trainieren müssen.
Ramona Kupferschmied in Action
Ramona Kupferschmied in Action
Wie hat dein Umfeld auf deinen Sinneswandel reagiert?
Meine Eltern haben mich seit zehn Jahren unterstützt, meine Mutter führt das Team, dem ich immer noch angehöre. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Dass ich den Cross-Country-Rennsport verlasse, war nicht einfach zu akzeptieren für sie – und für mich auch nicht. Ich gebe damit auch den Traum auf, einmal bei Olympia starten zu können. Immerhin begleiteten sie mich schon an einige Downhill-Rennen und teilten dabei meine Freude. Natürlich nur, wenn sie nicht mit dem Team an einem Cross-Country-Rennen im Einsatz waren.
Du fährst jetzt Downhill- und Enduro-Rennen, trainierst aber auch Tricks. Was ist dein Ziel, wo willst du in Zukunft aktiv sein?
Ich weiss es noch nicht. Dieses Jahr ist meine Übergangssaison. Zurzeit konzentriere ich mich eher auf Downhill-Rennen. Freeride und Slopestyle interessieren mich auch, aber da muss ich erstmal einige Tricks sicher springen können. Bis jetzt mache ich die schwierigen Sprünge nur auf den Airbag. Wichtig ist mir, dass ich nicht schon wieder auf etwas verzichte, wie ich das als Cross-Country-Fahrerin musste, um ein Ziel zu erreichen. Jetzt will ich es einfach mal geniessen.
Aber du willst dich auch in deinen neuen Disziplinen verbessern, stimmt’s?
Ja. Davor hatte ich den Druck, möglichst viel Watt auf die Pedale zu bringen. Jetzt will ich den nächsten Sprung stehen und im Downhill schneller werden. Aber ich sehe das positiv. Ich liebe es, meine Komfortzone zu verlassen, und Tricks zu springen ist ein mega cooles Gefühl.
An welchem Trick arbeitest du gerade?
Beim Heel Clicker würde ich es gerne schaffen, die Fersen wirklich aneinander zu kriegen. Die Tricks, die ich auf den Airbag schon geschafft habe, möchte ich sauberer springen – Superman, No Foot Can Can, Backflip – und irgendwann auch auf Dirt landen.
Wie hast du es mit der Angst?
Früher hatte ich Angst vor grossen Sprüngen. Jetzt habe ich nur noch Respekt. Wenn ein Sprung sauber geshapt ist und ich mich entschieden habe zu springen, dann springe ich ohne zu zögern.
Und wie gehst du mit Schmerzen um?
Die sind part of the game. Zum Glück hatte ich noch keine grösseren Verletzungen, aber ein paar Pausen musste ich schon einlegen. Gravity beinhaltet nun mal mehr Risiko.
Bald ist wieder Red Bull Rampage. Schaust du dir das an?
Ich habe mir schon einige Videos angeschaut. Früher dachte ich wie viele andere auch, die Typen seien alle lebensmüde. Das sehe ich heute mit anderen Augen. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich es nicht mag, wenn es links und rechts senkrecht runter geht. Ich bin einmal in einem Bikepark abgestürzt, seither habe ich da eine Blockade. Ich nehme lieber einen grossen, krassen Sprung als dass ich in einem Gelände fahre, wo ein Fehler tödlich wäre.
Hast du Red Bull Formation mitverfolgt?
Ja, ich habe ein paar Videos gesehen – ziemlich crazy, was diese Frauen fahren und springen.
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Kannst du dir vorstellen, in einem oder zwei Jahren in solchem Gelände zu fahren und zu springen?
Sag niemals nie. Aber ich habe erst vor einem Jahr angefangen und muss noch viel Sicherheit auf dem Velo gewinnen. Viele Sachen finden ja im Kopf statt. Das nötige Selbstvertrauen, das bekomme ich nur mit viel Zeit auf dem Bike.
Also, wenn man mich fragen würde, ob ich mitmachen will, wäre ich schon dabei. Weißt du, wo ich mich melden kann?
Es fahren zwar immer mehr, aber immer noch sehr wenige Frauen bei Slopestyle und Freeride Contests mit. Willst du andere Frauen motivieren oder fährst du einfach für dich?
Ich habe damit angefangen, weil ich mega Freude daran habe. Aber ich finde es cool, wenn es immer mehr Frauen gibt, die auch im Gravity-Bereich unterwegs sind. Es freut mich, wenn meine Videos und die anderen Fahrerinnen die Jungen motivieren.
Zum Schluss nochmals zu dir. Bist du glücklicher, seit du Gravity-Mountainbikerin bist?
Erst beim Downhill und Freeriden merkte ich, wie viel Spass mir das Biken früher einmal gemacht hatte. In den letzten Jahren gab es für mich nur noch Fahren nach Zahlen. Aber es war auch hart, Cross-Country loszulassen, nach allem, was ich dort erlebt und erreicht habe. Was den Sport betrifft, bin ich jetzt viel glücklicher, weil ich machen kann, was mein Herz will. Und ich hätte nie gedacht, dass ich solche Strecken auch einmal fahren kann, wie ich sie jetzt fahre. Dieses Jahr ist meine Übergangssaison und ich freue mich darauf, wieder auf ein Ziel hinzuarbeiten, wenn ich dann herausgefunden habe, auf welches.
Ramona Kupferschmied in ihrer neuen Disziplin.
Ramona Kupferschmied in ihrer neuen Disziplin.