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Vom Rookie zum Champion: Hayden Zablotny gewinnt 19. Red Bull Rampage
Red Bull Rampage bot einen packenden Showdown zwischen Veteranen und Newcomern – ein MTB-Spektakel der Extraklasse mit atemberaubenden Runs. Hier sind die Ergebnisse.
Einen sicheren Sieg hat es bei der Red Bull Rampage noch nie gegeben. Zwar bringen die Veteranen Erfahrung und Routinen auf Weltklasse-Niveau mit, doch ein mutiger Newcomer kann das Ranking jederzeit auf den Kopf stellen. Ein Fahrer punktet mit einem massiven Trick-Arsenal, ein anderer bezwingt das härteste Feature des gesamten Kurses – am Ende zählt nur der Run, der alles überstrahlt. Der Sieger steht erst fest, wenn der letzte Rider durchs Ziel rollt – und genau so lief es auch bei der Red Bull Rampage 2025 der Männer.
Nach zwei hochspannenden Runs holte sich Hayden Zablotny den Sieg – als erster Newcomer seit Brandon Semenuk im Jahr 2008. Nachdem ihm in Runde eins noch ein Fehler unterlief, legte der Kanadier in Run zwei einen spektakulären Lauf hin: sieben Tricks, maximale Präzision, pure Progression. Damit sicherte er sich verdient den Platz ganz oben auf dem Podium. Dahinter folgte Thomas Genon auf Rang zwei, dicht gefolgt von Tom Van Steenbergen, der mit Platz drei das Podium komplettierte.
Zablotnys Sieg war alles andere als ein Spaziergang. Die Red Bull Rampage ist ohnehin eine der härtesten Herausforderungen im Mountainbiken – doch dieses Jahr machte Mutter Natur ernst. Während des Trainings peitschten Regen und Wind über den Austragungsort und sorgten für einige der schwierigsten Bedingungen in der Geschichte des Events. Erst kurz vor dem Finale riss der Himmel auf. Die Rider trotzten den Elementen, blieben fokussiert und lieferten Runs voller Präzision, Fingerfertigkeit und technischer Kreativität.
Das Gelände – ein natürlich ansteigendes Amphitheater – war 2025 kein unbekannter Schauplatz. Bereits 2016, 2017 und 2021 war hier die Crème de la Crème des Freeride-MTB zu Gast. Die Location vereint massives Big-Mountain-Terrain mit imposanten Features, die zu gewaltigen Tricks einladen. Kein Wunder, dass diese Strecke bei Athleten und Fans Kultstatus genießt. Immer wieder wurden hier Momente geschaffen, die den Sport neu definiert haben. Auch in diesem Jahr haben die 17 Fahrer dem Berg erneut ihren Stempel aufgedrückt – mit Linien voller Mut, Kreativität und purer Freeride-DNA.
Hayden Zablonty - vom Rookie zum Champion
Vor fünf Jahren wechselte der 22-jährige Zablonty vom Downhill- zum Freeriding, nachdem er an Tom Van Steenbergens Slopestyle-Event teilgenommen hatte. Sobald er seinen ersten Backflip gelernt hatte, war er süchtig. Red Bull Rampage wurde zu einem natürlichen Ziel für ihn, da er sowohl das Fahren als auch das Bauen und Shapen liebt.
Es ist nicht leicht, ein Rookie zu sein, besonders an einem Ort, an dem bereits drei Red Bull Rampage-Wettbewerbe stattgefunden haben. Die meisten Features werden von den erfahrenen Fahrern genutzt und es gibt nicht viel Platz für neue Ideen. Entschlossen, seinen eigenen Weg den Berg hinunter zu finden, baute Zablonty eine völlig neue Top-Section. Sein Einstieg war eines der schwierigsten Features des Berges: ein gefährlicher Double Drop, der 100%ige Präzision erforderte.
Erlebe Hayden Zablontys Siegerlauf im Replay:
Zablontys erster Run begann gut, er fuhr seinen furchterregenden oberen Teil mit Leichtigkeit und lieferte zunächst eine solide Performance ab. Ein kleiner Fehler bei seinem Transfer Step-Up stoppte dann seinen Lauf abrupt. Der Sturz bedeutete, dass alles auf seinen zweiten Lauf ankommen würde. "Ich habe versucht, so ruhig wie möglich zu bleiben und meine Nerven unter Kontrolle zu halten", erklärt Zablonty.
Nach seinem Sturz in Run eins bewies Zablotny Nerven aus Stahl. Im zweiten Durchgang griff er erneut dieselbe riskante Line an und meisterte die berüchtigte Top-Section – eine der technisch anspruchsvollsten Passagen des gesamten Kurses. Was ihn zuvor noch aus dem Rhythmus gebracht hatte, war diesmal kein Hindernis mehr. Je weiter er den Berg hinunterfuhr, desto klarer zeichnete sich ein Ausnahme-Run ab. Trick für Trick setzte er ein Statement: Flatspin, Nac Nac, One Foot Tabletop, Backflip, 360, Suicide No-Hander – und zum Finale noch einmal ein Flatspin. Alles sauber gestanden, alles voll auf Angriff.
Die Judges honorierten seine Kombination aus Technik, Flow und Mut mit 96,00 Punkten – die bis dahin höchste Wertung des Tages. Danach begann das große Zittern: Konnte ihn noch jemand schlagen? Doch Zablotnys Score blieb unangetastet. Damit schrieb der Kanadier Geschichte und sicherte sich seinen ersten Sieg bei der Red Bull Rampage.
Thomas Genon hat dreizehn Jahre auf dem Buckel
Thomas Genon stand 2012 erstmals am Start der Red Bull Rampage. In den vergangenen dreizehn Jahren hat der Belgier seine Slopestyle-Präzision aufs Freeride-Gelände übertragen und seinen Stil stetig weiterentwickelt. Hartnäckig arbeitete er sich nach oben und landete bereits achtmal in den Top 10 – doch ein Platz auf dem Podium blieb ihm bisher verwehrt.
2025 stand er nun bei seiner zwölften Rampage am Start – und die Chance auf das lang ersehnte Podium war greifbar. Direkt in seinem ersten Run setzte Genon ein Ausrufezeichen: Mit einem 360 vom Top Drop auf eine extrem schmale Landung nahm er gleich zu Beginn enormes Risiko. Ein kleiner Fehler hätte gereicht, um von seiner Linie abzukommen. Doch während der Trick gelang, brachte ihm die überschüssige Geschwindigkeit im unteren Streckenabschnitt Probleme ein. Er rauschte am nächsten Feature vorbei und musste wertvolle Punkte liegen lassen. Genon brach den ersten Run ab und konzentrierte sich auf Durchgang zwei – mit dem klaren Ziel, alles auf Angriff zu stellen.
Wieder oben angekommen, fuhr Genon direkt erneut den Berg hinunter. Diesmal drosselte er seine Geschwindigkeit nach dem 360er, um den Rest des Runs sauber zu verbinden. Er fand seinen Rhythmus und präsentierte Tricks wie zwei 360er, einen 270er, einen Backflip, einen Suicide No-Hander mit Table und einen Flatspin. Als er die Ziellinie überquerte, zitterten seine Hände vor Adrenalin.
"Mir war klar, dass der erste Spin Drop über die Punkte entscheiden würde“, erklärt Genon. "Ich hatte noch einen Trick im Kopf, habe ihn aber nicht ausgeführt, um meine Linie nicht zu riskieren. Die Strategie ging auf.“ Mit 94,35 Punkten sicherte er sich den zweiten Platz – ein Traum-Podium nach jahrelanger Arbeit. "Es klingt klischeehaft, aber ich habe so lange darauf hingearbeitet und dachte schon, ich würde bei der Rampage nie aufs Podium kommen. Ich rate allen, weiter zu pushen.“
Tom Van Steenbergen besiegt seine Dämonen
Tom Van Steenbergen belegt den dritten Platz bei der Red Bull Rampage
© Christian Pondella / Red Bull Content Pool
Tom Van Steenbergen hingegen kehrte mit einem ganz eigenen Kapitel zurück. 2021 hatte er an dieser Strecke bei einem Backflip-Sturz schwere Verletzungen erlitten: beide Hüften, Teile des Oberschenkel- und Wirbelknochens waren gebrochen. Entgegen allen Erwartungen stand er 2022 wieder auf dem Bike und kehrte jetzt erneut zurück, bereit, seine Geschichte neu zu schreiben.
In klassischer TVS-Manier ließ er das Starttor links liegen und startete mit einem Caveman. Sein Run beinhaltete einen Caveman, einen Backflip, einen 360 und einen weiteren Backflip. Alles schien auf ein Podium hinauszulaufen – bis er beim Versuch eines Cork 720 stürzte. "Ich wusste nach dem ersten Run genau, was schiefgelaufen war und wie ich es korrigieren musste“, erklärt der 31-Jährige. Im zweiten Lauf setzte er die Korrektur um und erzielte 94,00 Punkte. "Ich bin überglücklich. Ich habe hier so viele schlechte Erfahrungen gemacht, und jetzt auf dem Podium zu stehen, ist unglaublich."
Jenseits des Red Bull Rampage-Podiums
Jaxson Riddle (Utah) erhielt den Utah Sports Commission Best Trick Award für seinen Heelclick Backflip, inspiriert von seinen Motocross-Wurzeln. "Niemand hat je einen Heelclick Backflip auf einem Step Down bei der Rampage versucht. Ich dachte: ‚Warum nicht beides?‘ – und es hat funktioniert“, sagt Riddle.
Jaxson Riddle gewinnt den Best Trick Award für seinen Heelclick Backflip
© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool
Der DECKED Digger Award ging an das Team von Hayden Zablotny für die Erschließung einer neuen Line an diesem historischen Ort – eine Belohnung für Kreativität, Durchhaltevermögen und Teamgeist.
Adolf Silva aus Spanien gewann den BFGoodrich Tires Toughness Award für seine Ausdauer im Training und die Zusammenstellung eines soliden Runs.
Der McGazza Spirit Award, von den Athleten gewählt, ging an Aiden Parish, der sich im Training verletzte, aber trotzdem bei den Vorbereitungen und am Wettkampftag stets motiviert blieb. Er beeindruckte zudem mit einem 28-Meter-Sprung im Training.
Gemeinsam zeigten Veteranen und Newcomer, dass Freeride-Mountainbiken ständig neue Kapitel schreibt. Nächstes Jahr werden neue Athleten auf diesen legendären Berg zurückkehren, um die Tradition fortzuführen.
Erleben den Livestream der Red Bull Rampage Men's 2025 im Replay:
Red Bull Rampage: Männer Livestream
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