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René Wildhaber: Ein Rennfahrer baut seine Heimat um

© Urban Engel
Die Bike-Events sind wegen Corona abgesagt worden. Dafür realisiert der 44-jährige René Wildhaber das Projekt Red Bull DIY, einen neuen Trail am Flumserberg.
Autor: Tom Gilgamannveröffentlicht am
René Wildhaber ist auch in den verschneiten Bergen mit dem Bike unterwegs. Der 44-Jährige schnallt sich die Tourenski auf den Rucksack und fährt los, über die weissen Felder, durch die Wälder, bis er auf die Ski umsteigt und der letzte Aufstieg beginnt. Wildhaber will auch im Winter nicht auf das Fahrrad verzichten. Und so dauert seine Saison zwölf Monate im Jahr.
René Wildhaber auf einem alpinen Trail.
Beeindruckende Kulisse!
Als im Frühling die eigentliche Bike-Saison hätte beginnen sollen, stoppte Corona alles. Zuletzt war Wildhaber für das Red Bull Radical eingeschrieben, das Rennen auf dem Schotter eines Steinbruchs, wo der innere Schweinehund nur einer der Gegner ist. Es musste abgesagt werden, wie viele andere Rennen auch.
In fünf Kapiteln schauen wir auf René Wildhabers Jahr 2020 zurück.

1. Strecken bauen statt Rennen fahren

Wildhaber ist am Flumserberg gross geworden und noch immer hier zuhause. Inzwischen hat er begonnen, die Landschaft seiner Heimatregion zu verändern. Er will keine Berge versetzen, aber er will für die Biker Wellen und Sprünge in das Gelände bauen und mithelfen, dass der Flumserberg ein komplettes Bike-Angebot erhält. Weil die Bike-Events abgesagt worden sind, hatte Wildhaber dafür besonders viel Zeit. «Kopf runter und weiterarbeiten», war sein Motto. «Ich habe nie gejammert, weil Events nicht stattfinden konnten, sondern immer gesagt: Dann treibe ich halt meine anderen Projekte voran.»
Wallride von Rene Wildhaber im Bikepark Flumserberg
Rene Wildhaber im Bikepark Flumserberg
In der Schweiz gibt es viele illegale Trails. Biker erweitern Wanderwege, stabilisieren Kurven so, dass sie sie befahren können. Oft ohne Bewilligung.
René Wildhaber bei der Eröffnung des Red Bull DIY Trailabschnitts.
Red Bull DIY: Am Flumserberg entsteht ein neuer Single Trail.
Wildhaber will es legal machen, stellt Dokumente zusammen, holt Bewilligungen ein. Dann beginnt das Sommer-Projekt Red Bull DIY zu fliegen: Mit einem kleinen Team von Bikern hat Wildhaber den neuen Trail am BikerBerg Flumserberg gebaut und am 22. August eröffnet. Wildhaber sagt: «Der kurze Abschnitt mit Wellen und Sprüngen kommt bisher sehr gut an.»

2. Ein Fahrrad aus dem Altmetall steht am Anfang

Neben dem Trailbau hat Wildhaber in diesem Jahr ein Film-Projekt realisiert, das ihn in einem bisher unbekannten Licht zeigt. Als Profi-Athlet kennt er das Leben vor der Kamera. Immer wieder war er ein gefragter Protagonist, zum Beispiel in «Kranked», einer preisgekrönten Serie von Freeride-Mountainbike-Filmen.
Doch diesmal sollte es nicht um seine Skills gehen. Sondern um sein Leben.
Der Walliser Filmemacher Christophe Margot, Finalist des Red Bull Illume Foto-Contest, hat einen Dokumentarfilm über Wildhaber gedreht. Er erzählt die Geschichte, wie Wildhaber auf einem Bauernhof am Flumserberg aufwächst und irgendwann in einer Altmetallsammlung sein erstes Fahrrad findet. Die Kette fehlt, die Bremsen auch. Aber es reicht, um eine Faszination zu wecken, die Wildhaber nicht mehr loslässt. Als Schreiner, Skilehrer und Velomech verdient er Jahre später sein Geld – um es in diese Faszination und Reisen zu investieren.
Im Oktober, mitten im Corona-Herbst und Wildhabers Saison ohne Events, feierte der Film «Born to ride» Premiere.
Es zieht mich noch immer in die Welt hinaus. Aber momentan orientiere ich mich back to the roots.
René Wildhaber
René Wildhaber
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3. Irgendwo schlummert das nächste Reiseprojekt

Wildhaber hat mit dem Bike die Wüsten bereist, er war in den chilenischen Anden und seine Räder haben an der Küste des Oman ihre Spuren hinterlassen. Er ist durch Kanada gefahren, hat Kameruns Steppen erkundet und in Nepal Kinder auf sein Bike gesetzt. Zuletzt war Wildhaber in den kirgisischen Gebirgszügen; einer Landschaft, die er von der Heimat kennt und die doch ganz anders ist.
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René Wildhaber unterwegs auf den Karawanentrails.
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Er sagt: «Es zieht mich noch immer in die Welt hinaus. Aber momentan orientiere ich mich back to the roots.» Wildhaber engagiert sich am Flumserberg, für die Familie, die Biker-Szene. Doch auch wenn noch nichts spruchreif ist: Es stecken weitere Reisepläne in ihm.

4. Jungen Athleten helfen

Vor ein paar Jahren hat Wildhaber zusammen mit den Bergbahnen Flumserberg für die Bewilligung eines Trailbau-Projekts 25 Ordner zusammengestellt: für den Naturschutz, die Grundeigentümer, die Forstwirtschaft und wie die Verwaltungseinheiten alle heissen. Doch das Büro ist nicht Wildhabers Welt. Er ist lieber draussen unterwegs, als Trailbauer und Coach.
René Wildhaber beim Trail-Bau beim Red Bull DIY.
Wildi in Action: Beim Red Bull DIY legte der Profi Hand.
2013 hat er das Nachwuchsprogramm «Wildi’s Füchse» gegründet. Die Jugend ist ihm nah – vielleicht, weil er sich daran erinnert, wie sehr ihn das Fahrrad seit der Kindheit geprägt hat. Das Biken habe sein Leben in ein Abenteuer verwandelt, hat Wildhaber einmal gesagt.
Weil im Corona-Sommer viele Familien nicht ins Ausland gereist sind, waren seine Jugendcamps und Fahrtechnikkurse besonders gut besucht. Wildhaber sagt: «Es ist schön zu sehen, wie begeistert die Jugendlichen sind und wie schnell sie besser werden.»

5. Wie geht es für ihn weiter als Fahrer?

Wildhaber hat sechs Mal das Downhill-Rennen Mégavalanche auf der Alpe d'Huez gewonnen und sieben Mal den Freeride-Klassiker Bike Attack auf der Lenzerheide. Er wurde Zweiter an der Downhill-Europameisterschaft und vor fünf Jahren Enduro-Europameister. In den Langdistanz-Abfahrten gehört er zu den Grössten aller Zeiten.
Inzwischen sagt Wildhaber: «Ich bin so lange Rennen gefahren. Irgendwann hast du das gesehen.» Er ist 44 Jahre alt, baut immer mehr Trails in seiner Heimatregion und ist Botschafter für einen Bike-Hersteller. Aber vielleicht steckt ja doch noch der eine oder andere Contest in ihm. Wenn irgendwann und irgendwo auf dieser Welt wieder eine Bike-Saison gestartet wird.