Philipp Köhn mit der österreichischen Meisterschale
© FC Red Bull Salzburg
Fußball

Salzburgs Torhüter Philipp Köhn: „Ich bin kein Draufgänger“

Philipp Köhn hat mit dem FC Red Bull Salzburg die Meisterschaft und den Cup gewonnen. Hier spricht er über die Champions League, die Schweizer im Team und eine Gartenparty mit Manuel Neuer.
Autor: Tom Gilgamann
5 min readveröffentlicht am
In der Champions League überzeugt Philipp mit starken Leistungen
In der Champions League überzeugt Philipp mit starken Leistungen

Philipp, du hast in deiner ersten Saison als Stammtorhüter bei Red Bull Salzburg gleich die Meisterschaft und den Cup gewonnen. Gibt es einen besonderen Höhepunkt für dich?

Philipp Köhn: Sogar mehrere. Der erste Einsatz in der Bundesliga zum Beispiel mit dem 7:1-Sieg gegen Ried. Oder das Elfmeterschiessen im Cup-Halbfinale gegen Wolfsberg. Da hab ich gezeigt, dass ich auch Penalty-Killer sein kann (lacht). Meistertitel und Cupsieg sind die Krönung – und auch persönlich darf ich von einer sehr guten Saison sprechen. Zumal ich international zeigen konnte, was ich kann.

Der Schweizer ist ein sicherer Rückhalt für seine Mannschaft
Der Schweizer ist ein sicherer Rückhalt für seine Mannschaft

Du sprichst die Champions League an, die Siege gegen Wolfsburg oder Sevilla. Und das Achtelfinale gegen Bayern München.

Philipp Köhn: Das Rückspiel gegen die Bayern war natürlich schwierig (1:7-Niederlage, d. Red.). Aber das Hinspiel, dieses 1:1 im eigenen Stadion, war ein absoluter Höhepunkt dieser Saison.

Die Karriere von Philipp Köhn

Philipp Köhn, geboren am 2. April 1998 im deutschen Dinslaken, wechselt siebenjährig von seinem Dorfverein nach Duisburg. Danach spielt er sich durch die Jugendabteilungen des FC Schalke 04 und des VfB Stuttgart und wechselt 2017 zu RB Leipzig. 2018 unterschreibt er bei Red Bull Salzburg. Nach einem Jahr als Leihspieler beim FC Wil in der Schweizer Challenge League ist er in der Saison 2021/22 erstmals Stammtorhüter in Salzburg. Er gewinnt 2022 den Meistertitel und den Cup. Bis zur U18 stand Köhn für Deutschland im Tor, ab der U19 für die Schweiz. Seit 2021 gehört er zum Kader der Schweizer A-Nationalmannschaft.

Seit 2018 bist du in Salzburg. Was unterscheidet den Verein von anderen Clubs?

Philipp Köhn: Es gibt eigentlich keinen wirklichen Unterschied, auch hier will man erfolgreich Fussball spielen. In Salzburg ist es zudem so, dass die Rahmenbedingungen überragend sind. Es kommen Jahr für Jahr junge Spieler hoch, die immer sehr gut aufgenommen werden. Um den nächsten Schritt zu machen, gibt es jedenfalls keine bessere Anlaufstelle. Der Verein ist als Meister in der Champions League fix dabei. Das ist vielleicht der grösste Vorteil: diese grosse Bühne, auf der man sich präsentieren kann.

Ein ausgezeichneter Torhüter
Ein ausgezeichneter Torhüter

Gemäss den Statistikern des „CIES Football Observatory“ bist du in Österreich der Torhüter mit dem grössten Einfluss auf das Spiel. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Philipp Köhn: Das ist cool zu hören. Vielleicht kommt die Statistik daher, dass in der Liga weniger Schüsse auf das Tor kommen. In meinen Aktionen ist also die Spieleröffnung wichtiger: die Bälle in die Tiefe. Da habe ich mich verbessert und mir so viel Selbstvertrauen geholt. Ich glaube, dass dieser erste Ball inzwischen mein Spiel auszeichnet. Das passt. Denn unser Spielkonzept sieht vor, dass wir unsere Tore möglichst schnell erzielen.

„Mit meiner Technik habe ich es weit gebracht – jetzt bleibe ich dabei.“
Philipp Köhn
Spielverständnis: Philipp prägt das Spiel des FC Red Bull Salzburg
Spielverständnis: Philipp prägt das Spiel des FC Red Bull Salzburg

Du bist bei der gleichen Agentur unter Vertrag wie Manuel Neuer. Kennst du den deutschen Übertorhüter persönlich?

Philipp Köhn: Als ich in der Jugend bei Schalke war, war er Torwart der Bundesligamannschaft. Da gab es mal eine Gartenparty, wo wir uns kennengelernt haben. Als Torhüter kann man ihn ganz sicher als gutes Beispiel heranziehen. Er ist in seinem Alter noch immer topfit und macht seine Sache hervorragend.

Was kannst du von Neuer lernen, wenn du sein Spiel studierst?

Philipp Köhn: Wie man Bälle hoch attackiert. Wie man gewisse Situationen verteidigt, in dem man sie früh antizipiert. Aber grundsätzlich sollte man bei seinem eigenen Spiel bleiben. Mit meiner Technik habe ich es weit gebracht – jetzt bleibe ich dabei.

Auch auf der Linie ist Philipp ein starker Keeper
Auch auf der Linie ist Philipp ein starker Keeper

In Noah Okafor und Bryan Okoh spielen zwei weitere Schweizer bei Red Bull Salzburg. Bildet ihr ein Schweizer Grüppchen?

Philipp Köhn: Eigentlich bestehen in unserer Mannschaft keine Grüppchen. Es gibt natürlich Jungs, mit denen man sich besonders gut versteht. Was mich betrifft: Ich verstehe mich mit allen.

Du bist Deutschland geboren, hast einen deutschen Vater und eine Westschweizer Mutter. Ihr verdankst du deinen zweiten Vornamen François. Sprichst du überhaupt Schweizerdeutsch?

Philipp Köhn: Nicht wirklich. Aber ich verstehe es immer besser.

Die Sprache musst du nur schon deswegen lernen, weil du seit Kurzem zur Schweizer Nationalmannschaft gehörst. Wie war es für dich, als du zum ersten Mal beim Team warst?

Philipp Köhn: Ich erinnere mich, wie ich nach dem Abendessen lange mit Yann Sommer zusammen sass. Er hatte in Gladbach den gleichen Torhütertrainer wie ich damals in Stuttgart. Von Yann kann mal viel aufsaugen. Zudem war ich ausgerechnet bei den WM-Qualifikationsspielen gegen Italien und Bulgarien dabei. Es waren fast die wichtigsten Partien dieser Kampagne.

Du hast sowohl den deutschen als auch den Schweizer Pass. Warum hast du dich für die Schweiz entschieden?

Philipp Köhn: Ich war über all die Jahre stets in Kontakt mit Patrick Foletti, dem Chef der Schweizer Torhüter. In sehr guten Gesprächen hat er mir die Perspektiven aufgezeigt. Für mich hat alles gestimmt, und so hat sich die Länderwahl ergeben.

Philipp Köhn mit der österreichischen Meisterschale
Philipp Köhn mit der österreichischen Meisterschale
„Früher gab es in João Pessoa noch keine Fussballschule. Inzwischen gibt es sogar eine ‘Copa Philipp Köhn’.“
Philipp über sein Engagement in Brasilien

Du bist in der Nähe von Düsseldorf aufgewachsen und hast mit 15 dein Elternhaus verlassen. Wie war das?

Philipp Köhn: Ich ging damals nach Stuttgart ins Internat. Das war nicht einfach. Aber es hat mir auf persönlicher Ebene sehr geholfen, um den nächsten Schritt zu machen: nach Leipzig. Da habe ich dann zum ersten Mal ganz alleine gelebt.

Was machst du in deinem Leben, wenn du nicht Fussball spielst?

Philipp Köhn: Dann verbringe ich vor allem Zeit mit meiner Familie, meinen Eltern und meiner zwei Jahre älteren Schwester. Und mit meinem Hund. Ich bin kein Draufgänger. In meinem Leben geht alles ziemlich entspannt zu und her. Ich bin viel draussen, Salzburg mit den Seen und den Bergen geniesse ich deswegen sehr.

Und ab und an reist du nach Brasilien. Du bist das Gesicht der Fussballschule „Revelação Santos“ in João Pessoa. Wie kam es dazu?

Philipp Köhn: Ich war im Urlaub. Die Freundin meines Beraters kam aus der Gegend und wollte mir das Land abseits der Touristenströme zeigen. Da sind wir bei diesen Fussballfeldern vorbeigekommen und so hat dieses Projekt seinen Anfang genommen. Ich schicke immer mal wieder Fussball-Material nach Brasilien. Früher gab es da noch keine Fussballschule, heute ist das Projekt ziemlich gross. Inzwischen gibt es sogar eine „Copa Philipp Köhn“.