Sich mit 150 Kilometern pro Stunde eine vereiste Skipiste hinunter zu stürzen, klingt für die meisten wie ein Alptraum, doch für die Athleten und Athletinnen im FIS Ski Weltcup gehört das zur Jobbeschreibung. Der Weltcupkalender führt die LäuferInnen immer wieder an die Grenzen des Machbaren und manchmal kann sie nur eine erhebliche Portion Glück vor Gröberem bewahren. Das Hahnenkammrennen, die berüchtigte „Streif“, ist von oben bis unten ein Ritt auf Messers Schneider. Doch nicht nur in Tirol müssen die wagemutigen Sportler über sich hinaus wachsen. Wir haben eine Liste von sieben Passagen zusammen gestellt, die selbst für die abgebrühtesten Profis Nervenkitzel bedeuten.
„Hanneggschuss“ - Wengen, Schweiz
Die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen ist die längste Abfahrt im FIS Ski-Zirkus und wartet auch mit der schnellsten Passage im Weltcup-Zirkus auf. Seit 1930 ist die 4,5 Kilometer lange Strecke in Wengen ein Fixpunkt im Weltcup und die noch heute bringen die 2,30 Minuten Rennzeit selbst die fittesten die Athleten und ihre Oberschenkeln zum verzweifeln. Die Strecke zeichnet sich durch lange Gleitstücke aus, doch ein paar bissige Kurven sind hier nicht zu unterschätzen. Die schnellste Stelle ist der „Hanneggschuss“, wo der Franzose Johan Clarey am 19. Januar 2013 mit 161,9 km/h die höchste je gemessene Geschwindigkeit im alpinen Skiweltcup erreichte. Die langgezogene, steile Waldschneise verlangt viel Gefühl und wegen der Länge und Dunkelheit viel Überwindung.
Innerhofer Sprung - Santa Caterina, Italien
Ab dem Start geht es auf der schwierigen und kurvenreichen Strecke in Santa Caterina voll zur Sache und die knapp 3000 Meter bis ins Ziel verlangen den Läufern so einiges ab. Vor allem der „Innerhofer Sprung“ hat es in sich. Dieser Sprung wurde 2016 nach dem Super-G Weltmeister von 2011 Christof Innerhofer benannt, der hier in einem Rennen bei 140 km/h eine Torstange abräumte und diese sich dann so an seinem Helm verfing, dass er dieses ungeliebte Zusatzgepäck mit sich weiterschleppen musste. Nach dem ca. 40 Meter weiten Sprung beschleunigen die Athleten auf ein Tempo von ca. 150 km/h und die Bodenwellen machen es extrem schwer die Linie zu halten.
Alte Schneise“ - Kitzbühel, Österreich
Die wohl gefürchtetste Abfahrtsstrecke der Welt und für die Athleten eine harte Prüfung. Aus dem „Gschöss“, dem längsten Gleitstück der Hahnenkammabfahrt, springen die Abfahrer in die „Alte Schneise“ wo sie extrem unruhige Stellen und ein Gefälle von 45% Grad erwartet. Die Geschwindigkeit sprengt hier die 120 km/h Marke – nichts für schwache Nerven! Am Ende des Rennens müssen die Athleten dann noch einmal allen Mut zusammen nehmen und auf dem schnellste Teil des Rennens die Ski kontrollieren. Im „Zielschuss“ beschleunigen diese Höllenhunde auf über 140 km/h bevor sie sich dann mit rasantem Tempo dem „Zielsprung“ stellen. Die Athleten müssen in Kitzbühel etwa zwei Minuten voller Nervenkitzel und zum Teil Todesängste ausstehen, doch ein Sieg befördert diese Ausnahmetalente sofort in den Ski-Olymp. In der Doku STREIF - One Hell of a Ride bekommt man aufregende Einblicke und ein Gefühl, wie es ist, sich der härtesten Abfahrt der Welt zu stellen.
„Freie Fall“ – Garmisch-Partenkirchen, Deutschland
Die Kandaharabfahrt ist eine Klassiker und eine der anspruchsvollsten Rennstrecken im Ski-Weltcup. Seit 1954 veranstaltet Garmisch-Partenkirchen die traditionellen Arlberg-Kandahar-Rennen, seit dem Winter 1969/1970 ist das Rennen Teil des FIS Weltcups. Der Start der Abfahrt auf der Kandahar 2 liegt am Kreuzjoch in 1690 Metern Seehöhe und schnell befinden sich die Läufer zwischen Himmel und Hölle. Highspeed-Passagen, weite Sprünge, wie der Seilbahnstadelsprung, und Kompressionen bringen die Athleten an ihr Limit, aber der „Freie Fall“ verlangt ihnen alles ab. Mit einem Gefälle von 92% ist diese Passage die der steilste Streckenabschnitt im gesamten Ski-Weltcup. Knapp zwei Minuten brauchen die Abfahrer für die 3300 Meter lange Strecke und Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h sind keine Seltenheit.
"Free Fall“ - St Moritz, Schweiz
Die WM-Strecke in diesem Jahr hat es in sich, denn der Starhang weist ein Gefälle von 100% auf - der Name „Free Fall“ ist also Programm und nur die Mutigsten haben hier eine Chance auf den vorderen Plätzen zu landen. Der Start liegt auf 2836 Metern Seehöhe und von dort stürzen sich die Läufer in die Tiefe, wobei sie Innerhalb von wenigen Sekunden auf über 130 km/h beschleunigen. Diese „Abschussrampe“ ist in diesem Jahr Schauplatz der 44. Alpinen Skiweltmeisterschaft und die Abfahrer dürfen sich am 11. Februar 2017 auf der Jagd nach WM-Gold dieser besonderen Herausforderung stellen. Angelehnt an den "Freien Fall" erreichen die Damen an ihrem Abfahrtsstart "Britannia" ebenfalls binnen Sekunden Höchstgeschwindigkeiten.
„Starthang Gamskogel“ - Zauchensee, Österreich
Im Heimatort des Abfahrtsweltmeisters Michael Walchhofer stellen sich die Damen alle zwei Jahre dem Super G und einer Abfahrt, die den Athletinnen so einiges an Nervenkitzel bereitet. Der Start der Strecke liegt auf 2.176 m Höhe und sofort nachdem sich die Damen aus dem Starthäuschen katapultieren geht der wilde Ritt los. Der über 70% steile Starthang vom Gamskogel verhilft den Läuferinnen innerhalb von ca. 7-8 Sekunden zu einem Topspeed von über 120 km/h. Mit der „Schmalzleiten“ erwartet die Damen dann eine weitere Highspeed-Passage vor dem Zielsprung.
„Tofanaschuss“ - Cortina d’Ampezzo, Italien
Die Olimpia delle Tofane, oft kurz als „Tofana“ bezeichnet einen Fixpunkt im Weltcupkalender der Damen und ein Datum, an dem sich die Athletinnen dem steilsten Streckenabschnitt im Damen-stellen müssen. Der „Tofanaschuss“ ist eine extrem steile Passage, die durch zwei markante Felsen hindurch führt und in dem die Athletinnen Topspeeds von über 130 km/h erreichen. Gleich danach kommt eine weitere Mutprobe - der Duca d’Aosta Sprung, der Sprünge bis über 40 Meter erlaubt und die Spreu eindeutig vom Weizen trennt.