MTB

BRUNO HIRSCHI – der Mann, der die Schweiz nachhaltig mobilisiert

© Switzerland Tourism - swiss-image.ch/Stefan Schlump
Wiederholt wurde Bruno Hirschi von Bike-Visionären genannt als einer, der die Schweizer MTB-Landschaft nachhaltig geprägt hat. Zeit also, den Bereichsleiter von SchweizMobil selbst zu befragen.
Autor: Sissi Pärschveröffentlicht am
Eigentlich ist er gelernter Landwirt, Agroingenieur und Raumplaner. Doch dann baute er die Stiftung SchweizMobil mit auf und pflegt seitdem eher die Mountainbike-Landschaft. Dabei entwickelt er u.a. ein nationales System in den Bereichen Routenplanung, Signalisation und Kommunikation. Das hat zu einem Netz von über 6.000 km offiziellen Mountainbikeland-Routen geführt. Dafür und für die Beantwortung unserer Fragen bedanken wir uns bei Bruno Hirschi, Mitglied der Geschäftsleitung von SchweizMobil!
Bruno Hirschi in seinem Lieblings-Terrain: auf dem Bike
Bruno Hirschi in seinem Lieblings-Terrain: auf dem Bike

Was machst Du und warum?

Als Bereichsleiter Infrastruktur und Routen und Mitglied der Geschäftsleitung der Stiftung SchweizMobil setze ich mich zusammen mit unserem Team und vielen Partnern für ein attraktives, offizielles und signalisiertes Langsamverkehrs-Routennetz für Freizeit und Tourismus ein. Dazu gehört auch das Mountainbikeland. Wir koordinieren schweizweit die Entwicklung, Bewilligung und Signalisation solcher Routen und kommunizieren diese über www.schweizmobil.ch und die SchweizMobil-App.
Weiter vertrete ich die Interessen der Mountainbiker bei Bundesämtern und Kantonen sowie in diversen nationalen Gremien. Wir beraten die Kantone sowie Planungsbüros und Trägerschaften bei der Weiterentwicklung des Bereichs Mountainbike. Ich will dazu beitragen, dass Mountainbiken auch in Zukunft in der Schweiz möglich bleibt und einen wichtigen Beitrag im Tourismus, aber auch in der Bewegungsförderung leistet.

Warum ist die Schweiz das Bikeland schlechthin?

Mit der Topografie und der spektakulären Landschaft sind ideale Voraussetzungen vorhanden. Zusätzlich verfügt die Schweiz mit seiner Infrastruktur wie einem gute gepflegten Wegnetz, einer optimalen Erschließung mit dem öffentlichen Verkehr und Bergbahnen, sowie der touristischen Infrastruktur Voraussetzungen die wohl einmalig sind. Dies ermöglicht den bewegungsliebenden Schweizer aber auch ausländischen Gästen ein schönes Erlebnis.
Mit der Konzeption von Mountainbikeland Schweiz haben wir sehr eng mit den Kantonen zusammengearbeitet. Durch das Projekt mussten sich die relevanten Bundesämter und alle Kantone mit dem Thema MTB auseinandersetzen. Das war nicht immer einfach, ist aber sicher auch ein Baustein, dass die Gesetzgebung und insbesondere deren Auslegung in den meisten Kantonen liberal gehandhabt wird und Mountainbiker grundsätzlich breit akzeptiert sind.
Am Ziel zum Bike-Olymp sind wir aber noch nicht. Es gibt noch viel Potential nach oben.....

Wie wird der Bikesport in der Schweiz sich in den nächsten 5 Jahren entwickeln?

Mit dem neuen nationalen Velogesetz (zurzeit in Vernehmlassung) wird voraussichtlich auf 2022 der Bund und insbesondere die Kantone für das Thema Mountainbiken zuständig sein. Die Kantone müssen Fachstellen definieren und das Thema MTB in Planungsinstrumenten vorsehen. Das wird im Bereich Planung und Infrastruktur dem Thema noch einmal Schub geben.
Das Thema Mountainbike in Naherholungsräumen, im Mitteland sowie in Städten und Agglomerationen wird wichtiger werden. Hier gilt es, gute Lösungen zu entwickeln und das Thema schön in die Erholungsnutzungsplanung einzubetten.
Und das Verständnis für das Mountainbiken wird steigen. Dies auch, weil mit dem E-MTB der Sport einer breiteren Bevölkerung zugänglich wird und in den Behörden auch immer mehr Mountainbiker an den relevanten Hebeln sitzen.

Der beste Trail der Schweiz?

Die nationale Mountainbikeland-Route Nr. 1 Alpine Bike. Ein schöner Querschnitt von Scuol GR bis Aigel VD durch die ganze Schweiz. Bis auf den Abschnitt in meinem Heimatkanton Bern auch für ambitionierte Mountainbiker ein schönes Erlebnis.

Der beste Trail weltweit?

Die perfekten und flowigen Trails in Ladakh (Nordindien), wo man auf den Wegen der Yak-Nomaden in einmaliger Berglandschaft bis auf eine Höhe von 5.400 m kommt.

Was wird total unterschätzt, total überschätzt?

Unterschätzt: das Durchschnittsalter der Mountainbiker liegt bei über 45 Jahren. Es sind nicht nur die Jungen und Wilden....
Überschätzt: Der Konflikt zwischen Wanderer und Mountainbiker. Draussen ist mit Anstand und Rücksichtnahme ein Miteinander fast immer möglich.
Herbstsonne beim Biken in Verbier
Herbstsonne beim Biken in Verbier

Welche drei Dinge sollte jeder Mountainbiker besitzen?

  • Respekt vor anderen Nutzern und auch den Grundeigentümern (es gibt immer einen)
  • Eine Trailbell
  • Und natürlich ein Mountainbike

Wenn Du für einen Tag Bike-Gott spielen könntest, würdest Du…

.... allen Menschen ein Respekt/Anstand/Verständnis-Gen einpflanzen, damit ein Miteinander noch besser funktioniert.

Wer oder was hat den Bikesport in der Schweiz gross vorangebracht?

In der Schweiz hat es immer wieder Pioniere gegeben, die zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Hebel in Bewegung setzten. Dabei denke ich zum Beispiel an die Macher von graubündenBIKE (Peter Stirnimann und Darco Cazin) aber auch dem RideKongress (Thomi Giger).
Schier endlose Trails in Davos
Schier endlose Trails in Davos

Dein Tipp für Rookies in der Szene?

Ausprobieren und geniessen sowie einen Bike-Kurs machen (bei letzterem habe ich mich endlich angemeldet).