Wintersports
Fakten zur Strecke
- Streckenlänge: 1,29 km
- Höhenunterschied: 420 hm
- Steilste Stelle: 60 %
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Klassiker im FIS-Kalender
Das Rennwochenende in Adelboden ist ein absoluter Klassiker des FIS Ski World Cups. Schon bevor diese Raceserie 1967 eingeführt wurde, trugen die Schweizer 1955 ihr erstes „Internationales Skirennen“ aus – einen Slalom, den überraschend der Japaner Chiharu Igaya gewann. 1958 kam der Riesenslalom dazu. Seit 1967 stand Adelboden jedes Jahr auf dem Weltcupkalender der FIS – das haben nur die Rennen in Kitzbühel und Wengen geschafft. Dort finden allerdings keine Riesenslaloms statt.
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Hart, härter, Chuenisbärgli
Das Chuenisbärgli gilt als Hang, an dem Dramen geschrieben und Legenden geboren werden. Das Wort „Chuenis“ ist wohl der Kurzname zu Chuenrad oder Konrad. An „Konrads Berg“ können auf der schwierigsten Riesenslalompiste der Welt mit ihren zahlreichen Wellen und heiklen Geländeübergängen nur die Besten gewinnen – wenn sie einen besonders guten Tag erwischen. Der Grund: Das Rennen beginnt mit dem extrem steilen Kanonenrohr und endet mit dem extrem steilen Zielhang, den der Schweizer Skistar Marco Odermatt beim Rennen 2021 als „Saucheib“ betitelte. Dazwischen fordert der lange Mittelteil die Fahrer, weil er in Fahrtrichtung rechts weghängt, was insbesondere Linksschwünge erschwert.
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Die wichtigsten Passagen
Der Start des Riesenslaloms liegt auf 1730 Meter. Auf das steile Kanonenrohr folgt der anspruchsvolle Mittelteil mit Schnittenmedli, Wintertal und Chäla. Wenn sie den gefürchteten Zielhang am Giisbrunni überstanden haben, überqueren die Rennläufer auf 1310 Meter die Ziellinie. Auf den 420 Höhenmetern haben sie dann 1290 Meter Distanz überwunden. An der steilsten Stelle am Zielhang hat die Strecke eine Neigung von 60 Prozent, im Schnitt ist sie 30 Prozent steil.
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Das Rennen in Zahlen
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Die Zuschauer im „Hexenkessel“
An guten Tagen lockt der Adelbodener Riesenslalom bis zu 35.000 Skifans in den Wintersportort im Kanton Bern. Damit gehört das Race zu den meistbesuchten der Welt. 17 Prozent der Zuschauer kommen aus der Ferienregion Adelboden, 79 Prozent aus der restlichen Schweiz und vier Prozent aus dem Ausland. Sie säumen die Strecke oder feuern ihre Helden im Zielbereich an, wo eine Tribüne für 3.000 Zuschauer aufgebaut wird und 5.000 Fans auf Stehplätzen jubeln. Die VIP-Lounge bietet Platz für weitere 800 Gäste. Wenn die Fahrer in den Zielhang einfahren, wird es hier so laut, dass sich der Begriff vom „Adelbodner Hexenkessel“ eingebürgert hat.
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Die erfolgreichsten Teilnehmer
Einsamer Rekordsieger am Chuenisbärgli ist der Österreicher Marcel Hirscher mit insgesamt neun Erfolgen (fünfmal Slalom, viermal Riesenslalom) zwischen 2012 und 2019. Dann folgt der legendäre Schwede Ingemar Stenmark mit fünf Siegen – alle im Riesenslalom. Zahlreiche weitere Topstars der Skigeschichte haben sich hier in die Siegeslisten eingetragen, darunter der Franzose Jean-Claude Killy (2 Siege), der Italiener Gustavo Thoeni (3) und der Österreicher Benjamin Raich (3). 2021 wurden bei der pandemiebedingt zuschauerlosen „Ghost Edition“ zwei Riesenslaloms ausgetragen, die beide der Franzose Alexis Pinturault gewann.
Ringing the bell! Neun Siege konnte Marcel in Adelboden einfahren!
© Erich Spiess/ASP/Red Bull Content Pool
Platz
Name
Siege (GS & SL)
1
Marcel Hirscher
9
2
Ingemar Stenmark
5
3
Benjamin Raich
3
4
Gustav Thöni
3
5
Alexis Pinturault
3
6
Pirmin Zurbriggen
3
7
Hermann Maier
3
8
Henrik Kristoffersen
2
9
Marc Girardelli
2
10
Jean-Claude Killy
2
10
Léo Lacroix
2
10
Fritz Wagnerberger
2
07
Die erfolgreichsten Schweizer
Erfolgreichster Eidgenosse ist Michael von Grünigen mit zwei Siegen und vier zweiten Plätzen in den Jahren 1993 bis 2003. Ein Höhepunkt war das Jahr 1983, als mit Pirmin Zurbriggen, Max Julen und Jacques Lüthi drei Schweizer auf dem Riesenslalom-Podest standen. Der letzte Schweizer Riesenslalom-Sieger war Marc Berthod im Jahr 2008; Daniel Yule gewann 2020 den Slalom. Insgesamt durften die heimischen Ski-Fans zehn Schweizer Weltcup-Erfolge in Adelboden bejubeln.
08
Kurioses: Schneeballschlachten und Milchkannen
Um ein solch geschichtsträchtiges Rennen ranken sich natürlich viele Legenden. So sollen sich die Fahrer nach einer Rennabsage 1968 eine Schneeballschlacht geliefert haben – nur um danach den Funktionären zu helfen, die Piste für den folgenden Tag rennbereit zu machen. Eine Beschneiungsanlage wurde erst 1999 gebaut – 1974 wurden noch 120.000 Liter Wasser in Milchkannen mit der Sesselbahn auf die Tschentenalp gebracht, um das Rennen trotz Schneemangel durchführen zu können. Die tiefe Verbundenheit der Fans mit dem Rennen zeigte sich 2005, als die FIS forderte, dass der altehrwürdige Bügellift neben der Strecke durch eine moderne Sesselbahn ersetzt werden müsse. Hunderte von Adelbodnern und Gästen trugen schließlich mit ihren Spenden dazu bei, dass die Bahn gebaut werden konnte.
09
Chuenisbärgli im Sommer
Das Chuenisbärgli befindet sich in Privatbesitz und präsentiert sich im Sommer ganz zahm: Dann wird es als Alp für Weidevieh wie Kühe, Rinder, Kälber und Ziegen genutzt. Touristen können sich dank des Weltcup Trails auf die Spuren des Ski-Weltcups begeben. Die Wanderung für die ganze Familie verläuft über neun Stationen zwischen Starthaus und Zielgelände und vermittelt jede Menge Hintergrundwissenzum Event, zum Pisten- und Skibau sowie zur Geschichte des Rennens.
Tickets für das Rennwochenende am 8. und 9. Januar 2022 sowie weitere Infos unter www.weltcup-adelboden.ch
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