Wintersports
9 Min
Paul Verbnjak
Der österreichische Skibergsteiger Paul Verbnjak ist ein aufstrebender Star in einer Sportart, die weltweit rasch an Popularität gewinnt.
Wer schon einmal mit Fellen durch frischen Schnee gestiegen ist, kennt dieses Gefühl: das rhythmische Gehen, die Stille, den Moment vor der Abfahrt. Im Wettkampf-Skibergsteigen, international Ski Mountaineering oder kurz SkiMo genannt, wird genau daraus ein Hochleistungssport, für den die Athlet:innen an ihre Grenzen gehen – und darüber hinaus. Skibergsteigen ist heute ein präziser, taktischer und hochintensiver Ausdauersport, der eine immer größere Bühne auf der internationalen Sportszene bekommt.
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Fellwechsel wie Boxenstopps in der Formel 1
In den vergangenen zehn Jahren hat sich Skibergsteigen rasant professionalisiert: leichteres Material, höhere Leistungsdichte, kürzere Formate für das Publikum. Der Sprint und das Mixed-Relay, heute olympisch, wurden gezielt entwickelt, um den Sport dynamischer und TV-tauglicher zu machen. "Im Grunde ist es wie Skitourengehen, nur auf Zeit“, erklärt Paul Verbnjak. "Man geht auf den Berg hinauf, fährt wieder runter – aber jede Bewegung zählt. Vor allem bei den Sprint-Bewerben oder im Mixed-Relay geht es um jede Sekunde, vor allem in der Wechselzone.“ Das heißt: Im Skibergsteigen sind Wechsel das, was Boxenstopps in der Formel 1 sind: entscheidend. Zwischen Aufstieg und Abfahrt bleibt keine Zeit zu verlieren. Felle müssen sauber abgezogen, Bindungen blitzschnell umgestellt, Ski geschultert werden.
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Die vier Skimo-Disziplinen
Ski Mountaineering vereint insgesamt vier Wettkampfformen unter seinem Dach, die unterschiedlicher kaum sein könnten – von der explosiven Sprintstrecke bis zum "Individual", dem stundenlangen Kampf um Höhenmeter. Der Sprint ist das spektakulärste Format: In rund drei Minuten müssen Athlet:innen alle Elemente des Sports bewältigen – Aufstieg auf Fellen, kurze Tragepassagen und Abfahrten. Entscheidend sind präzise und vor allem blitzschnelle Wechsel. Beim "Individual", der Königsdisziplin, geht es über 1.400 bis 1.900 Höhenmeter auf und per Abfahrt durchs alpine Gelände – Ausdauer, Taktik und Technik zählen mehr als Schnellkraft. Beim "Vertical" geht es nur um den Aufstieg, es ist pure Bergauf-Power gefragt: 700 bis 1.000 Höhenmeter nonstop, ohne Abfahrt, ohne Pause. Die vierte Disziplin ist die Mixed-Staffel, das sogenannte "Mixed-Relay": Ein Mann und eine Frau wechseln sich jeweils zwei Mal auf einem kurzen Sprintkurs ab. Hier geht es um Schnelligkeit, Timing, gutes Teamwork und um sehr schnelle Wechsel. Aber im Gegensatz zum normalen Sprint-Rennen spielen durch die zwei Einsätze pro Athlet:in Ausdauer und Regenerationsfähigkeit eine wichtige Rolle.
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Der Sprint – Einzelrennen
Sprint
Das spektakulärste SkiMo-Format dauert kaum länger als dreieinhalb Minuten. Auf einer kurzen Strecke mit rund 50 bis 80 Höhenmetern kämpfen die Athlet:innen in K.-o.-Duellen gegeneinander. Der Sprint ist eine kurze und explosive Disziplin, der meist auf einer Skipiste ausgetragen wird. Die Strecke besteht aus einem Aufstieg, einem Diamantteil, einer Portage und einer Abfahrt. Die Diamants sind kleine Slaloms im Aufstieg mit den Ski an den Füssen und die Portage ist ein Abschnitt, in dem die Ski auf dem Rücken getragen werden müssen. Entscheidend sind die Wechsel, also das schnelle An- und Abfellen. Schnelligkeit und Präzision zählen mehr als Ausdauer – jeder Handgriff kostet oder spart Sekunden. Zu Beginn des Bewerbs ermittelt die Qualifikationsrunde, die einzeln gelaufen wird, die Top 30. Danach finden die Viertelfinals, Halbfinals und das Finale in Gruppen von je 6 Athlet:innen statt. Die Sprintrennen sind für Zuschauer:innen besonders attraktiv, da es es kurzes Format ist und man von einem Standpunkt aus alles mitverfolgen kann. Vom Start weg ist bei den Kopf-an Kopf Duellen Spannung garantiert.
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Individual – die Königsdisziplin
Individual
Für Skibergsteiger:innen ist das "Invidivual" die Königsdisziplin des Skibergsteigens, da sie alle Elemente beinhaltet, die schon seit jeher zum Ski Mountaineering dazugehören. Die Bewerbe beinhalten mehrere Aufstiege und Abfahrten sowie Zwischenteile, bei denen die Ski auf dem Rücken getragen werden müssen. Die Aufstiege und Abfahrten erfolgen je nach Rennen sowohl auf als auch abseits der Pisten. Ein Rennen dauert je nach Kategorie 45 bis 90 Minuten und führt über 500 bis 1.300 Höhenmeter. Der "Individual"-Bewerb verlangt Ausdauer, Konzentration und ein Gespür für das Gelände. Die Athlet:innen müssen ihr Tempo dosieren, riskieren, aber nicht überziehen. Abfahrten auf ultraleichten Ski verlangen absolute Kontrolle – wer hier zu viel wagt und zu schnell startet, kann am Ende viel Zeit verlieren. Auch für Paul Verbnjak, das österreichische Ausdauer-Wunder, ist das "Individual" die Königsdisziplin, wo er vor allem seine Kondition perfekt ausspielen kann.
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Vertical – das Rennen für Aufsteiger:innen
Vertical
Es geht steil nach oben – und dort wartet für die Athlet:innen das Ziel. Die Challenge ist der Aufstieg, ohne Abfahrt, ohne Fellwechsel. Die Strecke führt je nach Kategorie über 300 bis 700 Höhenmeter steil bergauf. Auch wenn das einfach klingt, ist es ein harter Kampf. Denn die Athlet:innen gehen ans Limit, bis der Puls hämmert. Wer das schon einmal ausprobiert hat, weiß: Wenn man 20-30 MinutenVollgas geben will, braucht es nicht nur enorme Kraftausdauer, sondern auch mentale Stärke.
"Wir gehen nicht nur körperlich an unsere Grenzen, der Mixed Relay Bewerb ist auch mental unglaublich spannend."
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Mixed-Relay – die gemischte Staffel
Mixed-Relay
Beim Mixed-Relay bzw. der Mixed-Staffel geht es um ein perfektes Zusammenspiel als Team, das aus einer Frau und einem Mann besteht, die abwechselnd einen kurzen Sprintkurs absolvieren. Es geht um Schnelligkeit, Power auf kurze Distanzen und vor allem darum, die Wechsel zu perfektionieren. Jede Runde dauert etwa sieben Minuten, dann wird gewechselt. Hier zählt nicht nur individuelle Stärke der bzw. des Einzelnen, sondern perfektes Zusammenspiel: Timing, Kommunikation, taktische Abstimmung. Fehler bei der Übergabe oder beim Fellwechsel kosten entscheidende Sekunden, die am Ende über den Sieg entscheiden. "Wir gehen nicht nur körperlich an unsere Grenzen, der Mixed Relay Bewerb ist auch mental unglaublich spannend", betont Paul Verbnjak, der auch im Mixed-Relay zu besten Athleten der Welt gehört. Denn in diesen Rennen kann der 23-jährige Österreicher auch Ausdauer und seine schnelle Regenerationsfähigkeit ausspielen und vor allem in der zweiten Runde richtig Gas geben.