Im Jahr 2024 posieren zwei lächelnde SoftSocket-Gewinner beim Red Bull Basement Event in Zürich, Schweiz, umgeben von Sponsorenlogos
© Armon Ruetz / Red Bull Content Pool
Social Innovation

«Der erste Klimmzug mit Prothese ist ein sehr erfüllender Moment»

Cara Ammann (26) und Lisa-Marie Frühauf (28) haben 2024 das Red Bull Basement gewonnen. Was ist seither aus ihrer Idee einer Textilprothese geworden?
Autor: Tom Gilgamann
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Mit einer Prothese aus Textil haben Cara Ammann und Lisa-Marie Frühauf im November 2024 den Innovations-Contest Red Bull Basement gewonnen. Das Neuartige daran ist das Material: Textil (anstatt wie üblich Carbon) ermöglicht es, dass sich die Prothese optimal dem Körper anpasst und gleichzeitig enormen Zugkräften standhält. Dadurch eignet sie sich besonders für Sportler:innen mit Beeinträchtigungen. Rund eineinhalb Jahre nach dem Sieg beim Red Bull Basement haben wir mit Cara gesprochen.

Cara, was hat sich seither getan?

Unter anderem der Name: Wir heissen nicht mehr SoftSocket, sondern Sofletics. Das betont den grössten Vorteil unserer Lösung noch stärker: Wir verwenden weiche Materialien und fokussieren uns klar auf sportliche Anwendungen. Ansonsten arbeiten wir weiterhin intensiv daran, unsere Prothese marktreif zu machen. Gleichzeitig hat sich organisatorisch viel verändert: Wir haben eine Firma gegründet, Mitarbeitende eingestellt und ein Büro bezogen.

Ihr wächst also?

Wir stellen die Prothese jedenfalls nicht mehr in unserem WG-Zimmer her. Inzwischen arbeiten wir mit ersten Produzent:innen zusammen. Das Red Bull Basement war für uns der Startschuss und hat uns gezeigt: Lass uns das ernst nehmen und in die Tat umsetzen.

Wie hat sich die Prothese seither technisch weiterentwickelt?

Wir haben den Prototypen weiterentwickelt und verbessert. Zudem haben wir unsere Erfindung als Patent angemeldet und können die Prothese nun international testen.

Wo kann man die Prothese testen?

Wir sind eine Partnerschaft mit der Kieser AG eingegangen. Wer das möchte, kann sich bei uns melden, dann organisieren wir, dass in einem Kieser-Studio die Prothese bereit liegt. Kostenlos.

Du hast vom Markteintritt gesprochen. Wie nahe seid ihr an diesem wichtigen Punkt?

Der Markteintritt rückt jeden Tag ein Stück näher. Wir haben uns verschiedene Märkte angeschaut, unter anderem Brasilien. Dort haben wir Gespräche mit dem Paralympischen Komitee sowie mit Sprinter:innen geführt. Sie würden die Prothese gerne nutzen, um beispielsweise besser aus dem Startblock zu kommen und anschliessend hüftschonender zu laufen. An diese Anwendung hatten wir zuvor nie gedacht. Genau solche Momente sind entscheidend für die Weiterentwicklung unserer Idee.
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Cara Ammann und Lisa-Marie Frühauf

© Armon Ruetz / Red Bull Content Pool

Wo seht ihr die grössten Hürden?

Zweifel gehören definitiv dazu. Man fragt sich immer wieder, ob man auf dem richtigen Weg ist. Aber das Feedback der Tester:innen motiviert uns enorm – ebenso die Nachfrage von Betroffenen, die wissen wollen, wann sie die Prothese endlich kaufen können.

Gab es Momente, in denen ihr dachtet: «Jetzt scheitern wir»?

Nein. Fehler machen wir aber immer wieder. Ein Beispiel: Wir haben eine Prothese zum Testen nach Brasilien geschickt und dabei die Verzollung vergessen. Das Paket wurde prompt wieder an unser Büro zurückgeschickt. Daraus haben wir gelernt – und inzwischen ist die Prothese auf dem richtigen Weg.

Reicht das Geld, um eure Vision weiterzuverfolgen?

Bisher haben wir uns über Wettbewerbsgewinne und Unterstützungsprogramme finanziert. Zusätzlich haben wir eine Startfinanzierung von Venture Kick erhalten. Auch das Innosuisse-Programm hilft uns bei der Finanzierung bestimmter Ausgaben. Für die nähere Zukunft planen wir zudem die Beteiligung eines Angel Investors.

Was sind eure nächsten Schritte?

Wir wollen die Prothese noch dieses Jahr auf den Markt bringen und sie zuerst den Personen auf unserer Warteliste anbieten. Danach planen wir, die Produktion zu skalieren und in weitere Länder und Regionen einzutreten.

Was ist dein Tipp für junge Menschen, damit sie an ihren Ideen dranbleiben?

Was wir tun, tun wir mit der Überzeugung, etwas Sinnvolles zu schaffen. Dieses Gefühl geben uns die Tester:innen immer wieder zurück – zum Beispiel beim ersten Klimmzug mit der Prothese. Solche Momente sind für uns sehr erfüllend. Sie führen dazu, dass wir unsere Idee konsequent weiterverfolgen.