Gaming
Sie ist die meistverkaufte Spielekonsole aller Zeiten und sie war die erste Konsole, die sich sowohl horizontal als auch vertikal aufstellen ließ. Die PlayStation 2 ist zweifelsohne für viele Spieler die Hardware, die sie zum Gamer gemacht hat. Am 04. März 2000 sollte der Nachfolger der PSX in Japan seinen Siegeszug antreten, später kamen auch Spieler in den USA und Europa in den Genuss. Wir blicken zurück auf die Geschichte der Konsole.
Ein reibungsloser Start für die PlayStation 2
Bereits die erste PlayStation war ein voller Erfolg für Sony. Zeitgleich mit dem Release der Konsole begannen die Japaner mit der Entwicklung am direkten Nachfolger, der PlayStation 2. Im März 1999, also rund ein Jahr vor der Veröffentlichung, folgte die offizielle Ankündigung.
Das Nachfolgermodell sollte vollständig abwärtskompatibel sein – auch für die kommende PlayStation 5 ein zentrales Thema. Zudem sorgte die Ankündigung der ersten Konsole, die über einen integrierten DVD-Player verfügt und eine Internetverbindung ermöglicht, für Furore. Weitere Features wie 5.1-Surround-Sound und die Möglichkeit, Audio-CDs abzuspielen, machten die PS2 zum ultimativen Player im heimischen Wohnzimmer.
Im März 2020 erschien die PS2 dann endlich in Japan, Nordamerika und Europa waren im Oktober beziehungsweise November an der Reihe. Der Einführungspreis lag bei 39.800 Yen, was rund 330 Euro entspricht.
Als Konsole der sechsten Generation stand die PS2 in direkter Konkurrenz zur Sega Dreamcast, die nicht nur früher an den Start ging, sondern mit einem deutlich niedrigeren Preis lockte. Dementsprechend fielen die Verkaufszahlen der Konkurrenz anfangs rekordverdächtig aus – Rekorde, die die Sony-Hardware aber schnell einstellen konnte.
Tatsächlich verkaufte sich die neue Konsole so gut, dass es überall zu Lieferengpässen kam. Laut offiziellen Angaben wurden am ersten Tag umgerechnet rund 250 Millionen US-Dollar Umsatz mit der Konsole, Zubehör und Spielen generiert – bei der Dreamcast hingegen waren es rund 100 Millionen US-Dollar weniger. Und der Erfolg hielt an.
Alles dreht sich um die Spiele
Der Abwärtskompatibilität sei Dank verlief der Generationswechsel von PSX zu PS2 ziemlich reibungslos. Mit gerade einmal sechs Games zum Japan-Start fiel das Launch-Lineup recht überschaubar aus, doch Titel wie das RPG Eternal Ring, die Musou-Schlachtplatte Kessen oder Ridge Racer V kamen im Land der aufgehenden Sonne ausgesprochen gut an, zumal hochkarätiger Nachschub nicht lange auf sich warten ließ.
Im Laufe der Jahre erschienen über 3.800 Spiele für die Konsole, eine unglaubliche Zahl. Tatsächlich war das Sportspiel Pro Evolution Soccer 2014 das letzte Game, das für die PlayStation 2 erschien und zwar im November 2013 – rund eine Woche, bevor die PlayStation 4 in den USA die Bühne betrat. Bis heute einzigartig.
Kurios: Wirklich eingestellt wurde der Support der Konsole erst am 07. September 2018. Seit diesem Datum bietet Sony Japan keine Reparaturen eingeschickter Konsolen mehr an.
Das verdeutlicht, welchen Stellenwert die PS2 für Sony und unter Spielern auf der ganzen Welt genießt, denn die komplette PS3-Ära über wurde das Vorgängermodell noch mit frischen Spielen bedacht.
Spätestens im Jahr 2001 sollte die PS2 endgültig ihren Siegeszug antreten, das lag vor allem an Titeln wie Gran Turismo 3: A-Spec, dem JRPG-Klassiker Final Fantasy X und nicht zuletzt einem Open-World-Titel namens Grand Theft Auto III, das das Genre für immer verändern sollte.
Fortan ging es Schlag auf Schlag: ein Spiele-Highlight folgte auf das Vorangegangene. Von Metal Gear Solid 2 über God of War bis hin zu Kingdom Hearts. Das meistverkaufte Game markiert Grand Theft Auto: San Andreas, das unter Spielern gleichzeitig als bester PS2-Titel überhaupt gilt.
Die neue Art des Spielens
Gleichzeitig war Sony aber auch immer offen für neue Ideen und wagte verschiedene Versuche, das Wohnzimmer zu erobern. Die DVD-Kompatibilität samt Surround-Sound und die Möglichkeit, Audio-CDs abzuspielen machten die Konsole zum ultimativen Heimkino-Allrounder.
Zudem versuchten die Japaner, ganz neue Spieler für sich zu gewinnen. Nicht nur im Heimatland der Konsole schmetterten Möchtegern-Sänger und –Sängerinnen in etlichen SingStar-Versionen ihre Lieblingshits und brachten die Plastik-Mikrofone zum Glühen… oder die Nachbarskatzen zum Schreien.
Dank Buzz! wurde die Heimkonsole kurzerhand zur waschechten Quiz-Show oder die Spieler griffen zum Equipment einer jeden Rockband, um in Guitar Hero und Co die Bühne zu rocken. Später konntet ihr euch sogar in DJ Hero an den Turntables versuchen.
Unglaublich innovativ war aber vor allem die EyeToy-Kamera, die im Jahr 2003 erschien und den Grundstein für den Trend zur Bewegungssteuerung von Videospielen legte, denen auch Nintendo und Microsoft in den kommenden Jahren folgen sollten.
Die Idee dahinter war gleichermaßen simpel wie genial: Eine über dem Fernseher positionierte Kamera zeichnet eure Bewegungen auf, die dann Auswirkungen auf das Geschehen auf dem Bildschirm hatten. In insgesamt Zwölf Minispielen konntet ihr den Fernseher sauber wischen, ein Feuerwerk entfachen oder einen Fußball auf dem Kopf jonglieren.
Das leicht zu erlernende Spielprinzip kam natürlich sowohl beim jüngeren Publikum als aus bei Gelegenheitsspielern hervorragend an. Mit EyeToy: Kinetic wurde die USB-Kamera sogar zu einem waschechten Trainingsprogramm, lange bevor Wii Fit ähnliches versuchte. Im Jahr 2020 übernimmt das übrigens RingFit Adventure für Nintendo Schwitz, äh... Switch.
The Third Place?
In einem Zeitalter, in dem offenbar jede Konsole mit verrückten Werbespots auf sich aufmerksam machen musste, durfte natürlich auf die PlayStation 2 nicht fehlen. Für die erste PlayStation erzählte eine außerirdisch anmutende Schottin etwas über mentale Gesundheit, für die Dreamcast bekommt NBA-Star Allen Iverson Nachhilfe im Sumo-Ringen. Doch auch die PS2 wurde mit einigen kuriosen Spots bedacht.
Ganz ehrlich? Der markante Schrei eines Kindes ist heutzutage vielen in Vergessenheit geraten, aber ein Video reicht für die geballte Ladung Kindheitserinnerungen:
„PLAYSTATION TWOOOOO THE THIIIRD PLACE!“
Doch was dieser third place überhaupt sein sollte, verstanden wir Europäer nicht. Der dritte Platz? Hinter Sega und Microsoft? Wohl kaum. Gemeint ist der „dritte Ort“, ein Begriff aus der Soziologie, der einen Ort beschreibt, der das Leben lebenswert macht und einen Ausgleich zu Familie und Beruf bieten soll.
Zum Start gab es einen Werbeclip aus der Feder von Kult-Regisseur David Lynch, dessen Surrealismus seinen Filmen in Nichts nachstand. Was das mit Games zu tun hat? Keine Ahnung, aber wir lassen das einfach mal so stehen.
Auch die Werbespots der Folgejahre wurden nicht unbedingt aussagekräftiger, verfehlten ihre Wirkung aber nicht. Hier ein paar Beispiele:
Mit dem Start des Online-Service Network Play änderte sich der Slogan auf „fun, anyone?“ und die Spots stellten vermehrt die für den Konsolenbereich innovativen Möglichkeiten des Online-Multiplayers in den Mittelpunkt.
Gründe, warum uns die PlayStation 2 unvergessen ist, gibt es mindestens so viele, wie wohlige Erinnerungen an die erste Konsole des neuen Jahrtausends. Wir jedenfalls gratulieren Sony zum 20. Geburtstag der PS2.