Bergführerin Suzanne Hüsser
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Bergsport

Arbeiten als Bergführerin: "Als Frau ist man exponierter"

Suzanne Hüsser arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Bergführerin. Früher, sagt sie, habe es schon konservative Kollegen gegeben. Noch heute fällt sie auf als Frau in einem traditionellen Männer-Job.
Autor: Susanne Loacker
veröffentlicht am
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One Day: 4061m & 4478m

17 Min
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Seit 1997 ist Suzanne Hüsser für die Zermatters im Einsatz. Wir haben mit ihr über ihren Beruf gesprochen und darüber, wie man sich als Frau in einer Männerdomäne behauptet.
Suzanne, du hast 1997 Deine Ausbildung zur Bergführerin begonnen. Wie hat Dein Umfeld reagiert?
Suzanne Hüsser: Meine Eltern haben mir immer viel Verantwortung überlassen. Da ich bereits ein abgeschlossenes ETH-Studium als Sportlehrerin hatte, wollte ich eigentlich bloss hobbymässig als Bergführerin arbeiten.
Porträt von Suzanne Hüsser auf einem Wanderweg.
Für Suzanne sind die Berge ihr Ein und Alles
Ich mache die gleich strengen Touren, trage den gleich schweren Rucksack, habe gleich viel Verantwortung.
Suzanne Hüsser
Es kam anders.
In den zwei Jahren, die man nach den ersten Kursen als Aspirantin oder Aspirant arbeiten muss, bevor man die Ausbildung abschliessen kann, merkte ich, wie viel Spass es mir macht, Gästen die Berge zu zeigen – die Berge sind mein Ein und Alles, seit ich etwas 12 Jahre alt war.
Warst Du die einzige Frau in dieser Ausbildung?
Nicht ganz. Ich kann mich an eine Kollegin erinnern, die mit mir angefangen hat, sie hat dann aber pausiert und ihr Diplom ein wenig später gemacht.
Kannst Du Dich an Situationen erinnern, in denen es ein Thema war, dass Du eine Frau bist?
Es gibt die alltäglichen Situationen, die aber nicht mit dem Geschlecht zu tun haben, sondern einfach mit den physischen Voraussetzungen. Meldet sich ein 80-Kilo-Mann bei mir für eine Tour aufs Matterhorn an, wo Absturzgefahr herrscht, bitte ich ihn, zu einem Kollegen zu gehen, weil ich einfach nicht schwer genug bin, um ihn zu halten, wenn er abstürzt. Das würde aber ein männlicher Bergführer, der 50 Kilo wiegt, genau gleich machen.
Selfie von Suzanne Hüsser auf dem Mt Cook.
Auf dem Gipfel fühlt sich Suzanne am wohlsten.
Einmal reklamierte ein Gast: "Ich habe aber einen Bergführer bestellt!". Nach der Tour war er dann aber sehr zufrieden.
Suzanne Hüsser
Und die anderen Situationen?
Die sind selten. Und sie werden immer seltener. Während meiner Ausbildung gab es einen Experten, von dem man wusste, dass er Frauen nicht so mochte. Ich wurde prompt seiner Klasse zugeteilt. Doch dann war die welsche Klasse zu klein, und wir wurden gefragt, ob sich jemand freiwillig den Französisch-Sprechenden anschliessen wolle. Ich meldete mich sofort – das fiel natürlich auf. Ich kann mich aber auch an einen Experten erinnern, der mir sagte, ich sei die erste Frau, die bei ihm die Ausbildung mache. Ich solle mich melden, wenn ich mich irgendwie ungerecht behandelt fühlte.
Kam das vor?
Nein, weil die Voraussetzungen ja klar und für alle gleich sind: Ich mache die gleich strengen Touren, trage den gleich schweren Rucksack, habe gleich viel Verantwortung.
Folge Fernanda Maciel auf ihrem Lauf zum Rekord-Doppel am Gran Paradiso und Matterhorn:
Ultrarunning · 17 Min
One Day: 4061m & 4478m
Und wie reagieren die Gäste?
Die meisten erfreut. Es kommt schon vor, dass jemand erstaunt ist. Früher haben die "Zermatters", die mich vermitteln, nicht immer den Namen gesagt, sondern bloss angekündigt, "der Bergführer" komme dann in die Berghütte. Einmal reklamierte ein Gast: "Ich habe aber einen Bergführer bestellt!". Nach der Tour war er dann aber sehr zufrieden. Und einmal war eine Kundin enttäuscht, weil sie wohl auf einen Sunnyboy gehofft hatte, und dann kam eine Frau….
Das alte Klischee.
Natürlich. Und hier gibt es tatsächlich einen Unterschied: Ich kann mir ein Techtelmechtel nicht leisten. Das ist extrem unprofessionell, und ich käme nicht davon damit. Wenn eine Kundin erzählt, sie habe mit einem Bergführer rumgemacht, kann das irgendjemand sein. Erzählt ein Gast von einem Abenteuer mit einer Zermatter Bergführerin, kommen nur meine Kollegin und ich in Frage. Als Frau ist man da viel exponierter.
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