Bike
Urban-Downhill-Superstar Tomáš Slavík im Interview
Tomáš Slavík und Valparaíso sind wie füreinander geschaffen
© Alfred Jürgen Westermeyer/Red Bull Content Pool
3 Min
Spektakuläre Drohnenaufnahme von Tomáš Slavík
Die talentierten FPV-Drohnenpiloten jagen Tomáš Slavík auf der legendären Strecke von Red Bull Valparaíso.
Dein "MTB Raw"-Clip sieht nach jede Menge Spaß aus. Wie lief das Shooting?
Wirklich gut. Wenn ich an die Strecke in Valparaíso denke, habe ich sofort die vielen Obstacles und engen Abschnitte vor mir. Knapp über dir hängen unzählige Kabel und es ist alles ziemlich sketchy! Außerdem wird man von einer Drohne verfolgt, also eine falsche Bewegung und man kracht zusammen oder die Drohne endet in den Kabeln. Das Terrain ist sowohl für für den Rider als auch für den Drohnen-Piloten extrem schwierig. Es war unglaublich anstrengend, hat aber extrem viel Spaß gemacht.
Es ist komisch, meine Traumstrecke zu benennen, denn bevor ich in Valparaíso war, hätte ich sie genau so beschrieben!
Du liebst Valparaíso und das Event Red Bull Valparaíso Cerro Abajo. Warum ist es so besonders für dich?
Ich liebe es einfach. Es gibt keinen anderen Ort wie diesen. In Valparaíso ist man umgeben von unkontrolliertem Chaos, Straßenkunst und skurrilen Leuten. Aber gleichzeitig sind die Menschen hier einfach großartig und toll! Wenn du nach New York oder Dubai fährst, dann gibt es diese Leute natürlich auch, aber sie strahlen nicht die Atmosphäre aus wie ich sie hier erlebt habe. Bei den Urban Downhill-Events jubelt die ganze Stadt und alle freuen sich auf das Rennen. Die Stimmung ist einzigartig!
Du hast bereits eine lange Geschichte mit Chile und Südamerika, und du hast sogar Spanisch gelernt, weil du hier so viel Zeit verbracht hast. Wie ist es dazu gekommen?
In Europa ist es im Winter einfach zu kalt zum Biken. Deshalb habe ich 2013 begonnen, im Winter nach Südamerika zu reisen, um dort zu trainieren und auch an Events teilzunehmen. Die Bikeszene in Südamerika wird immer größer, vor allem die MTB-Szene in Chile. Es gibt so viele coole Strecken, Bikeparks und Trailzentren. Ich liebe es, hier zu sein, weil die Qualität des Trainings echt top ist. Für mich ist es die beste Alternative und viele andere Rider machen es mittlerweile auch.
Wie würde deine Urban-DH-Traumstrecke aussehen?
Es ist komisch, meine Traumstrecke zu benennen, denn bevor ich in Valparaíso war, hätte ich sie genau so beschrieben! Es ist ein besonderer Ort mit einzigartigen und unglaublichen Streckenfeatures. In jeder Kurve wartet das perfekte Fotomotiv -- das Meer im Hintergrund und dann natürlich die Sonne. Valparaíso IST meine Traumstrecke!
Was denkst du, warum ist Urban Downhill so beliebt?
Ich habe 2013 mit Urban Downhill angefangen, also bin ich schon ziemlich lange dabei. Viele Leute denken, dass sie, wenn sie gute 4X-Rider sind, sofort ready sind für Urban Downhill, aber das stimmt nicht. Urban Downhill ist etwas ganz anderes mit einem andere Bike-Setup, anderen Skills und anderen Erfahrungen. Wer ein guter Urban Downhiller werden will, muss täglich in der Stadt unterwegs sein. Und in Südamerika macht man das.
Wie passt du deine Technik zwischen den Disziplinen an?
4X und Urban Downhill sind zwei völlig unterschiedliche Sportarten. Am Anfang war es für mich ziemlich einfach, vom einen zum anderen zu switchen. Aber je älter ich werde, desto schwieriger wird es. Wenn ich von einem Urban-Bike auf ein kleineres 4X-Bike umsteige, brauche ich ein paar Tage, um mich wieder daran zu gewöhnen. Für 4X braucht man Explosivität und man muss bei Jumps präziser sein. Bei Urban Dowhill braucht man weniger Kraft, dafür mehr Ausdauer und man muss genau wissen, wie man sich mit einem größeren Bike präzise durch die Stadt manövriert.
Du hast schon früher chilenische und südamerikanische Mountainbiker betreut. Warum ist das so wichtig für dich?
In den letzten vier Jahren habe ich zusammen mit Red Bull Chile ein Trainingslager veranstaltet, eine Art Qualifikationscamp für den Wettkampf in Valparaíso. Wir wählen die 20 schnellsten chilenischen Rider aus -- abgesehen von denen, die bereits vorqualifiziert sind -- und nehmen sie für fünf Tage mit in den Bikepark, um mit ihnen zu trainieren und sich auf neue Fähigkeiten zu konzentrieren. Dann wählen wir drei Rider aus, die am Hauptrennen teilnehmen. Die Mentalität in Südamerika ist anders, die Leute sind sehr dankbar und nehmen deine Hilfe gerne an. Deshalb ist es für mich so schön, mit ihnen zu arbeiten.
Du hast deine eigene 4X-Strecke im Norden von Tschechien, die auch Teil der 4X Pro Tour World Series war. Wie kam's dazu?
Ich wollte meine Traumstrecke (einmal abgesehen von Valparaíso) in der Nähe meiner Heimat realisieren, und so entstand die Idee, gleich ein Event zu veranstalten. Ich brachte meine jahrelange Erfahrung und viele Freunde mit, wir mieteten Bagger und bauten diesen fantastischen Kurs. Die Strecke hat eine riesige 20-Meter-Startrampe und eine großartige 12-Meter-Bowl. Und das Beste daran: der Kurs befindet sich in der Nähe meines Hauses und so kann ich im Frühjahr immer dort fahren. Der Track bringt mich definitiv immer aufs Neue an meine Grenzen und das sorgt wiederum dafür, dass ich mich wohler und wohler fühle auf meinem Bike. Jedes Jahr versuchen wir, die Strecke noch schwieriger und wilder zu machen. Ich bin wirklich happy, dass der Track auch Teil der Pro Tour ist.
2016 wurdest du King of Crankworx. Was ist dein Plan für dieses Jahr?
Dass ich in meinem ersten Jahr 2016 gleich gewinnen konnte war der absolute Wahnsinn! Seitdem hat sich das Event ein wenig verändert und es ist ein bisschen Freestyle-freundlicher geworden. Dieses Jahr werde ich die ganze Tour fahren, und mein Hauptziel ist natürlich der Gesamtsieg. Dabei geht es aber nicht nur darum, wie ich fahre, sondern auch darum, wie die anderen Rider abschneiden.
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