Auch wenn du nicht wissen solltest, was Trap genau ist, dann hast du doch zumindest schon einmal davon gehört. Futur, Migos, Gucci Mane, Fetty Wap, 2 Chainz – das alles sind hochqualitative Vertreter des Rap- and Crunk-Spin-Offs, das sich durch stotternde Kick-Drums und Hi-Hats, 808s und unheimliche Synths definiert. Die Rhymes beschäftigen sich mit dem harten Leben auf der Straße, während der Sound einen trostlosen und dystopischen Mantel darum herumlegt.
So wichtig die Rapper selbst aber auch sind, ohne Star-Producer wie Shawty Red, Mannie Fresh, Zaytoven und Tony Fadd würde es den „Trap-Sound“ wohl nicht geben. Genau dieses Vertrauen, das die Künstler ihren Producern entgegenbringen, ist der Grund dafür, dass Trap seit dem Jahr 2012 auch in die Sparte der Electronic-Music hinüber geschwappt ist und dadurch massive internationale Hits entstanden sind, die dieses Sub-Genre des Hip-Hops zu einer zweigleisigen Affäre gemacht haben. Während Trap-Rap-Stars in den Charts ganz weit vorne zu finden sind, ist es die Electronic-Music, die den Trap-Sound breit verstreut. Vom Straßen-Shop bis zum großen Sommer-Festival ist Trap-Music damit wirklich überall vertreten.
Aber wie konnte sich das alles in einem solchen Ausmaß entwickeln? Wir zeigen es dir in sieben Songs.
2003: T.I. – „Rubber Band Man“
Rapper T.I. aus Atlanta kann – wohl gemeinsam mit Gucci Mane und Young Jeezy – behaupten, dass er die Trap-Music in den Mainstream gehoben hat. Klar, der Gedanke von Trap – die Idee von einem Ort also, an dem mit Drogen gedealt wird und in der eine dystopische Welt des Lebens auf der Straße abgebildet ist – wurde bereits von Rap-Kollegen wie OutKast und Goodie Mob in den späten 90ern aufgegriffen. Dennoch war es zweifellos der Release von „Trap Muzik“ im Jahr 2003 mit dem crunk-inspirierten Track „Rubber Band Man“, der dem entstehenden Sub-Genre seinen Sound gegeben hat. T.I. hat anschließend sogar das Label „Grand Hustle“ gegründet, um der Trap-Music eine Plattform zu bieten.
2005: Young Jeezy – „Trap Star“
Young Jeezy könnte T.I.s Behauptungen, er hätte Trap erfunden, wahrlich etwas entgegensetzen. Der in South Carolina geborene Rapper, der zunächst unter dem Pseudonym „Lil J“ Musik machte und sein Debüt 2001 veröffentlichte, brachte sein erstes Album unter „Young Jeezy“ im Jahr 2005 heraus. „Let’s Get It: Thug Motivation 101“ hieß das gute Stück – ein Meisterwerk voller Trap-Trostlosigkeit, das Shawty Redd produzierte. Der Rest ist natürlich Geschichte. Jeezy hat seitdem mit Rihanna und anderen Größen zusammengearbeitet und die Charts mit seinen nachfolgenden Alben dominiert. Dem Trap-Stil hat er dennoch nach wie vor nicht abgeschworen: Seinem aktuellen, neunten Album hat er den Namen „Trap Or Die 3“ gegeben.
2007: Gucci Mane – „My Kitchen“
Gucci Mane wahr wohl der erste richtige Superstar, den Trap-Music hervorgebracht hat. In den frühen 00er-Jahren hat er sich aus der Szene in Atlanta hervorgetan und seitdem mit seinen harten Rhymes den Trap-Sound definiert. So bekannt er auch sein mag, Gucci könnte aber wohl noch berühmter sein. Er ist nämlich prädestiniert dafür, in Schwierigkeiten zu geraten, doch hat er sich in den vergangenen 18 Monaten Gott sei Dank vor allem auf seine Musik konzentriert. Er releaste zwei Mixtapes, zwei Studio-Alben, ein Kollabo-Album mit Metro Boomin und hat sich zudem mit den jungen Raketen Rae Sremmurd und Young Thug zusammengetan. Drehen wir die Zeit aber noch einmal zurück und lassen wir uns auf den folgenden, ungemein wichtigen Track aus dem Jahr 2007 ein, der in derselben Phase entstanden ist, wie die beiden besten Alben von Gucci – „Hard To Kill“ (2006) und „Trap-A-Thon“ (2007).
2012: Major Lazer – „Original Don“ (Flosstradamus remix)
Als Trap-Rap im Hip-Hop fast schon omnipräsent war, wurden die Producer aus einem anderen, international bereits etablierten Genre auf den besonderen Stil aufmerksam: Dance-Music-Produzenten, die sich ansonsten dem mainstreamfreundlichen Dubstep verschrieben hatten, dachten, dass sich die dahinjagenden Beats, die Hi-Hats in Double-Time und die unheimlichen Synths des Trap hervorragend eignen würden, um einen zusätzlichen schweren Vibe in die Electronic-Sparte zu bringen. Auch Flosstradamus sprang auf den Zug mit auf: Er holte sich „Original Don“ von Major Lazer, bremste den Song etwas ein und garnierte ihn mit all den Elementen, die Trap-Music zu dem machen, was sie ist. Floss und Diplo waren daraufhin die Hosts einer BBC Radio 1-Show, in der sie fast nur Trap-Music sowohl im Hip-Hop- als auch im Trap-House-Style spielten.
2012: Baauer – „Harlem Shake“
Die Zeit von Trap-House war also gekommen. DJ Sliink und RL Grime mischten kräftig mit und Soundcloud war fest in der Hand von Trap-House-Producern, die ihre Tracks Zuhause in ihren Schlafzimmern mixten. DIE große Hymne aber – und das ist wahrlich untertrieben – war „Harlem Shake“ von Baauer. Falls du den Track noch nie gehört und das Video nie gesehen hast und auch noch niemals mit Harlem Shake-Memes bombardiert wurdest, dann warst du in den letzten Jahren wohl als Astronaut im Weltall unterwegs – anders lässt sich das wohl nicht erklären.
2014: Fetty Wap – „Trap Queen“
Es könnte sich herausstellen, dass die 2016er Hit-Single „Black Beatles“ von Rae Sremmurd, auf dem auch der Trap-King Gucci Mane selbst vertreten ist, DER kommerzielle Höhepunkt des Traps ist (was nach dem aktuellen Album von 2 Chainz aber schon wieder ziemlich unwahrscheinlich erscheint). Auch im Jahr 2014 gab es einen Song, in dem das Potential steckte, dem Trap-Genre einen Megahit zu beschaffen: Fetty Waps Debüt-Single „Trap Queen“ war damals extrem erfolgreich und sicher ein Meilenstein, der den Trap-Stil in das Pop-Gefilde brachte. Der Track selbst klingt zwar nicht so düster wie seine Vorgänger, aber er gab dem Sound – der von Tony Fadd produziert wurde – einen neuen, hymnischen Sinn und bracht Wap viel Lob von Größen wie Beyonce, Jay Z, Kanye und, ähm, Fall Out Boy ein.
2016: Migos – „Bad And Boujee“
Das Trio Migos ging im Vergleich zu Fetty Wap und Rae Sremmurd in eine völlig andere ästhetische Richtung. Seit 2014 gewinnt das Dreiergespann in den unterschiedlichsten Kategorien einen Hip-Hop-Preis nach dem anderen oder ist zumindest für einen solchen nominiert. Der folgende brillante, surreale und dunkle Track aber – der von Metro Boomin produziert wurde und auf dem der Rapper Lil Uci Vert als Gastmusiker vertreten ist – wusste eine Menge Fans zu überraschen: Mit „Bad And Boujee“ legt uns Migos ein Tribut an die Gründer des Sub-Genres hin, während sie zugleich komplett anders klingen, als alles bisher Dagewesene. Dieser Song ist damit der beste Beweis dafür, dass im Trap-Sound noch jede Menge Leben steckt!
