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Vali Holl
© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool
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UCI Dowhill Weltmeisterschaft: Verrückte Showdowns!
Saftige Runs auf staubtrockener Strecke, ein tränenreiches Triple, ein überraschendes Hundertstelsekunden-Drama und ein grosser Abschied – das waren die UCI Downhill Weltmeisterschaften 2024.
Autor: Sissi Pärsch
4 min readPublished on
Während die Cross Country-Fahrer in Paris um Medaillen battelten, versuchten die Downhill-Stars ihren Mojo über die längere Pause zu retten. Vali Höll zeigte sich vor dem WM-Start von den Wochen verunsichert. Sie sei aus dem Rhythmus gekommen, bei der EM lief es (trotz Silber) nicht optimal und ihr Selbstvertrauen wäre ein wenig angeknackst. Dabei ging es bei ihr um Geschichtsschreibung: Kann sie zum dritten Mal in Folge den Titel holen? Und bei den Herren: Abschied vom GOAT und ein überraschender Franzosen-Showdown…

DAMEN: EMOTIONALER ROLLERCOASTER

Es staubte gehörig, als die Damen auf die Strecke im Bikepark Pal Arsinal
gingen. Favoritinnen gab es einige – die wiedererstarkte Tahnee Seagrave, die hochmotivierte Europameisterin Lisa Baumann, Nina Hoffmann, die hier letztes Jahr den Weltcup gewann, die bei Top-Events stets hochmotivierte Myriam Nicole und natürlich eine Vali Höll mit Hattrick-Ambitionen.
Myriam Nicole
Myriam Nicole© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool
Die schnellste Frau in den Qualis war Myriam und sie war es auch, die vorlegte: Mit einer grenzwertigen Linie fuhr sie die 2 Kilometer (und bis zu 48% steile) Piste am Limit und setzte sich souverän in den Hot Seat. Und da sass sie dann eine Weile… Keine Monika Hrastnik, keine Marine Cabirou, keine Eleonora Farina, keine Nina Hoffmann reichten an sie heran. Und auch keine Camille Balanche. Die Weltmeisterin von 2020 war letzte Saison genau hier in Andorra schwer gestürzt und ringt noch immer mit ihrem Comeback.
Bei Camille sind es vor allem die Auswirkungen einer Gehirnerschütterung, die sie beeinträchtigen und damit kennt sich leider auch Tahnée sehr gut aus. Doch 2024 ist endlich ihr Wendejahr. Der Sieg beim Weltcup in Val di Sole war eine enorme Erleichterung und ein Boost fürs Selbstbewusstsein. Auf der WM-Strecke tanzte sie über den Staub, lag zunächst vorne, verlor im mittleren Abschnitt, holte wieder auf – und musste sich schliesslich eine halbe Sekunde hinter Myriam auf Rang 2 einreihen. Silber in Lenzerheide 2018, Silber 2019 in Kanada, Bronze in Andorra. Die 29-Jährige hat noch eine Gold-Rechnung offen.
Vali Holl
Vali Holl© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool
Auf Gold-Tuchfühlung ging allerdings auch Lisa Baumann, die frisch gekrönte Europameisterin. Die junge Neuenburgerin schob sich mit einem supersauberen Run vor Camille auf Rang 3.
Und dann: Vali am Start im strahlenden Sonnenschein und Nicole und Tahnée im Ziel Händchen haltend. Aggressiv, souverän, full-in – die 22-Jährige lag zurück, lag vorne, lag zurück – und lag vorne. Nach einem unglaublichen Battle holt sich Vali mit einer halben Sekunde Vorsprung den Top Spot. Nach 2 Juniorinnen-Titel nun 3 Elite-Titel in Folge. 2022. 2023. 2024. Drei Jahre, eine Weltmeisterin. Sensationell.

HERREN: EIN FRANZOSE KOMMT SELTEN ALLEIN

Weltmeister-Hattrick? Kennt Loïc Bruni natürlich… Und der fünffache Weltmeister zeigte auch dieses Jahr wieder auf, dass er ganz nach oben möchte. Zwei Sekunden war er in der Quali schneller als der Rest. Es war allerdings ein anderer, der die Goldmedaille in den Händen hielt. Einer, der seine 28. (!) WM bestritt – und seine letzte. Die Ikone aus Südafrika, vierfacher Weltmeister (zuletzt noch mit 39 Jahren) und unbestrittener Downhill-GOAT Greg Minnaar verkündete bereits vorab, dass dies die finale WM seiner Karriere werden würde. Nein, der 42-Jährige holte den Titel nicht nochmals. Aber er überreichte die Medaille an den Sieger. An wen? An einen Franzosen…
Finn Iles
Finn Iles© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool
Andorra ist Greg Minnaars Wahlheimat – aber nicht nur seine. Unter anderem residieren offiziell auch Bruni, Amaury Pierron und Loris Vergier in dem Zwergenstaat. Amaury war der Erste der drei Franzosen, der auf die Strecke ging. Aber wie so viele nach ihm biss er sich die Zähne an einem Engländer aus: Danny Hart hatte im unteren Drittel eine Sensationsfahrt hingelegt. Egal wer seine oberen Zwischenzeiten unterbot, im finalen Abschnitt schaltete die Anzeige durchgehend auf Rot. Amaury lag am Ende ein Zehntel hinten und Jung-Star Ronan Dunne eine Sekunde.
Danny war auf dem Hot Seat klar, dass er eine starke Zeit eingefahren hatte, aber ihm war auch klar, wer da noch oben am Start stand: ein ganzer Haufen Franzosen. Dass allerdings gerade Benoit Coulanges seinen Vorsprung ins Ziel bringen würde, mag unerwartet gekommen sein. Der hochgewachsene Franzose ging mit 14 Hundertstel in Führung. Dann kam Finn Iles und sorgte für noch dichteres Gedränge in den Front-Rängen: Der 25-jährige Kanadier schob sich mit zwei hauchdünnen Hundertstelsekunden zwischen Benoit und Danny.
Benoit Coulanges, Loris Vergier, Finn Iles
Benoit Coulanges, Loris Vergier, Finn Iles© Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool
Aber wie es so ist im Herren-Downhill: Ein Franzose kommt selten allein. Loris Vergier lag in der letzten Zwischenzeit vier Zehntel zurück, im Ziel aber 14 Hundertstel vorne. Und Superbruni? Fuhr souverän, verspielt, radikal und lag 1,8 Sekunden vorne – als er kurz vor Ziel zum Sturz kommt. Zehn Jahre nach seinem Junioren-WM-Titel wird Loris Vergier Elite-Weltmeister – und erhält seine Goldmedaille von Greg Minnaar.
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