Bike
Die Würfel sind gefallen! Die große Rochade in der MTB-Saisonpause 2022 ist abgeschlossen, womit es Zeit ist herauszufinden, welche Downhill- und Cross-Country-Athleten für welche Teams im UCI Mountainbike World Cup-Spektakel an den Start gehen werden.
Verträge von Sportler mit bestimmten Teams enden üblicherweise zu einem bestimmten Zeitpunkt und wenn es keine Einigung über eine Verlängerung gibt oder der Athlet beschließt zu gehen, finden Transfers statt. Die Teams reißen sich dann förmlich um die besten Talente und da es nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen im Team gibt und häufig zu viele Rider ein neues zu Hause suchen, gibt es immer Gewinner und Verlierer in dieser Zeit. Die Transfer-Lotterie begeistert Fans heutzutage fast so sehr wie die Rennen selbst.
In der Off-Season 2022 gab es besonders viele Wechsel, vor allem in der Downhill-Disziplin, aber auch im Cross-Country war es nach Olympia für viele Rider an der Zeit, neue Wege zu beschreiten.
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Downhill
Downhill Mountainbiking ist mit der Formel 1 und MotoGP vergleichbar. Es gibt eine begrenzte Anzahl an Teams, wobei noch ein kleinerer Teil das wirklich große Budget mitbringt. Verlässt ein Top-Rider ein Team, kann man davon ausgehen, dass das viele weitere Wechsel nach sich zieht.
Neue Gesichter bei Santa Cruz Syndicate
Syndicate freut sich über gleich drei neue Teammitglieder und verzeichnet einen Abgang für die kommende Saison. Aber keine Sorge, Greg Minnaar bleibt und wird auch mit seinen 40 Jahren wieder für das selbe Team fahren. Gesellschaft bekommt Minnaar vom Briten Laurie Greenland, vom Kanadier Jackson Goldstone und von der Deutschen Nina Hoffmann.
Darauf hat niemand getippt, oder? 👀 Ich bin stoked für das Dreamteam @scsyndicate fahren zu dürfen. Das wird ein unglaubliches Jahr und ich kann es kaum erwarten, auf der Strecke zu sein.
Jackson Goldstone bekommt seinen Red Bull-Helm
Für Jackson Goldstone war es ein ziemlich ereignisreicher Winter, denn der 17-Jährige wird nun auch von Red Bull gesponsert. Goldstone tritt damit in die Fußstapfen seines kanadischen Landsmannes Finn Iles, der sich ebenfalls als Junior-Rider über ein Sponsoring freuen durfte.
Zuwachs bei MS Mondraker
Das zweite Team, das für 2022 grob umgestellt hat, ist MS Mondraker. Das in Spanien beheimatete Team wird mit fünf Elite-Ridern in die Saison starten. Der Österreicher David Trummer, der Ire Jacob Dickson und das neuseeländische Nachwuchstalent Tuhoto Ariki Pene gehören ebenso zum Team wie Brook MacDonald und die Italienerin Eleonora Farina.
Martin Maes wechselt nach Jahren bei GT
Es gibt nicht viele Profi-Rider, die neun Jahre beim selben Bike-Sponsor geblieben sind, aber der belgische Enduro-Spezialist und Downhiller Martin Maes war bis Ende 2021 einer davon. Maes und GT haben jetzt ihre Trennung bekanntgegeben und Maes hat angekündigt, 2022 für Orbea zu fahren. Natürlich wird er hauptsächlich an der Seite von Vid Persak und Laura Charles in der Enduro World Series zu sehen sein, aber er hat sich auch vorgenommen, häufiger im Downhill World Cup vorbeizuschauen, wenn es der Rennkalender erlaubt.
Neues Zuhause für Luca Shaw
Viele fragen sich jetzt, wo Luca Shaw nach seinem Abgang bei Santa Cruz Syndicate geblieben ist. Der Amerikaner wird 2022 und darüber hinaus mit dem Canyon CLLCTV Factory Team zusammenarbeiten und an der Seite von Troy Brosnan, Jack Moir und Kanadier Mark Wallace mit Vollgas in die Saison starten.
Und apropos Canyon: Der deutsche Hersteller hat nun auch seine Finger im Gravity-Racing entscheidend im Spiel und unterstützt ein weiteres Downhill-Team. Neben dem CLLCTV Factory Team und dem Canyon CLLCTV FMD Team von Tahnée Seagrave, erleben wir 2022 erstmals das Team von Canyon CLLCTV Pirelli. Das Team wird sich besonders auf aufstrebende Nachwuchstalente fokussieren, wie zum Beispiel auf den jüngeren Bruder der beiden erfahrenen Franzosen Amaury und Baptiste Pierron, Antoine Pierron.
Weitere Wechsel im DH...
Abgesehen von den großen Transfers hat sich auch sonst einiges getan. Connor Fearon wechselt nach seinem Abgang bei Kona zum kanadischen Hersteller Forbidden Bikes. In der Zwischenzeit hat sich der Amerikaner Neko Mulally von Intense Factory Racing Team verabschiedet, um sein eigenes Team zu gründen, bei dem er ein selbst entworfenes Design fahren wird. Intense hat dafür Dakota Norton unter Vertrag genommen und der Brite Joe Breeden wird ebenfalls an der Seite von Gwin im Weltcup zu sehen sein.
YT Mob, Gwins altes Team, wird auf absehbare Zeit eine Pause vom Rennsport einlegen, aber zumindest stellen sie den Rahmen für den irischen Juniorenweltmeister von 2020, Oisin O'Callaghan, der 2022 erstmals in der Elite am Start sein wird.
Kye A'Hern, ein weiterer ehemaliger Juniorenweltmeister, wird in der kommenden Saison im Trikot von NS Bikes UR zu sehen sein und damit den Platz des Australiers Mick Hannah einnehmen, der Ende 2021 seinen sportlichen Rücktritt bekannt gab. Der Neuseeländer George Brannigan zählt ebenfalls zu den Neuankömmlingen bei UR. Eine gute Nachricht haben wir aber noch: Der Spanier Angel Suarez ist nun fix bei Commencal 100%.
Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich bei den Damen im DH dagegen eher wenig getan. Die Norwegerin Mille Johnset hat sich Commencal 100% angeschlossen, nachdem sie Atherton Racing verlassen hat, während die aktuelle Juniorenweltmeisterin Izabela Yankova aus Bulgarien in einem brandneuen Team mit vielen jungen Talenten -- unterstützt von Specialized -- namens Gen-S fahren wird.
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Cross-Country
2022 gab es bis jetzt keine großen Transfers in den Teams, da viele Wechsel bereits in der Off-Season 2021 vor den Olympischen Spielen gemacht wurden. Allerdings gab es einige Veränderungen im U23-Pool und spannende Neuigkeiten zu jungen Aufsteigern, die frisch in die Elite kommen.
Vlad Dascălu wechselt zu Trek Factory Racing
Vlad Dascălu hat den Sprung ins Team von Trek Factory Racing geschafft, nachdem er in den letzten beiden Saisons für das italienische Team Trek Pirelli gefahren ist.
Dascălu ließ in der U23 die Konkurrenz hinter sich und schaffte 2020 den wohlverdienten Aufstieg in die Elite. 2021 war für ihn das Jahr der Eingewöhnungsphase, in der er sensationeller Zweiter beim Weltcup in Snowshoe und Fünfter im Juni in Leogang wurde. Bei der WM in Val die Sole belegte er den vierten Platz und bei den Olympischen Spielen wurde der Rumäne Siebter.
Trek Factory kann sich 2022 außerdem weiterhin auf ihre "Senioren" Evie Richards, Jolanda Neff und Anton Cooper verlassen, während Stéphane Tempier das Team verlassen hat. In der U23 bekommen die Amerikaner Riley Amos und Maddie Munro Werksunterstützung vom Team.
Loana Lecomte von Massi zu Canyon
Der Französin Loana Lecomte gelang im vergangenen Jahr im Mercedes-Benz Cross-Country-Weltcup der Damen der sensationelle Durchbruch. Sie dominierte früh in der Saison und gewann gleich vier Weltcup-Rennen in Folge auf ihrem Weg zum Gesamtsieg. Nach ihrem unglaublichen Triumph gemeinsam mit Massi hat sie nun das Team gewechselt und wird künftig für Canyon CLLCTV XCO fahren.
Ihre neuen Teamkollegen sind ihr Landsmann Thomas Griot und der Deutsche Luca Schwarzbauer. Wie im DH unterstützt Canyon auch in der Cross-Country-Disziplin andere Teams. Anfang letzten Jahres hat sich Canyon beispielsweise mit Emily Batty zusammengeschlossen und Canyon MTB Racing gegründet.
Red Bull-Helme für Martin Vidaurre und Kata Blanka Vas
In der Off-Season durften sich zwei weitere aufstrebende Cross-Country-Spezialisten über ein Red Bull-Sponsoring freuen -- Martin Vidaurre und Kata Blanka Vas. Der Chilene Vidaurre ist amtierender U23-Weltmeister und gewann auch schon Weltcup-Rennen in seiner Kategorie. Derzeit fährt er für das deutsche Lexware Mountainbike-Team.
Blanka Vas ist ein echte Allrounderin! Die Ungarin startet sowohl im Cross-Country, Cyclo-Cross als auch bei Straßenrennen für das Damenteam von SD Works. Ihr wohl wichtigstes Resultat ist der vierte Platz in Tokio letztes Jahr, im U23-Weltcup stand sie bereits fünf Mal auf dem Podium. Im Cyclo-Cross konnte Blanka Vas sogar bereits in der Elite triumphieren, während sie bei der Straßen-WM 2021 Vierte wurde. Das junge Multitalent wird den Radsport-Zirkus in den kommenden Jahren ordentlich aufmischen, so viel steht fest!
Cannondale verstärkt Team mit Mona Mitterwallner
Cannondale, zweifellos eines der stärksten Cross-Country-Teams im Weltcup, hat sich kürzlich Mona Mitterwallner geangelt. Die Österreicherin ist das jüngste U23-Talent bei den Frauen, das den Aufstieg in die Elite geschafft hat -- und sie bringt eine beeindruckende Bilanz mit: Mit nur 20 Jahren gewann Mitterwallner 2021 jedes Event im U23-Weltcup und wurde zudem U23-Welt- und Europameisterin.
Als sie am Ende der letzten Saison bei den UCI Mountainbike-Marathon-Weltmeisterschaften zum ersten Mal auf Elite-Niveau antrat, gewann sie auch dieses Rennen -- Cannondale hatte also genug Gründe, sich Mitterwallner ins Team zu holen. Der Rest des Cannondale-Kaders bleibt mit Henrique Avancini, Simon Andreassen und Alan Hatherly unverändert.
Specialized Factory Racing holt Christopher Blevins und Haley Batten an Bord
Christopher Blevins wird in diesem Jahr das berühmte Regenbogentrikot des Weltmeisters für Specialized Factory Racing (in XCC) überstreifen, nachdem er Trinity MTB verlassen hat. Ebenfalls von Trinity kommt Haley Batten frisch ins Team.
Weitere Wechsel in der XCO-Szene...
Wie am Ende der vergangenen Saison angekündigt, hat Victor Koretzky für das französische Straßenteam B&B Hotels powered by KTM unterschrieben, aber der Franzose wird sich auch bei diversen MTB-Rennen im Trikot seines neuen Teams blicken lassen. Sein altes Team, KMC Orbea, hat angesichts des Abgangs von Koretzky und Thomas Litchner seinen Kader aufgestockt. Die Neuzugänge sind der Norweger Erik Heagstad, der Belgier Pierre De Froidmont, die Estin Janika Loiv und der Däne Sebastian Fini.
Das Team vom Julien Absalon Absolute Absalon wurde für 2022 in BMC MTB Racing umbenannt. Die Team-Rider rundum Titouan Carod, Filippo Colombo und Pauline Ferrand-Prévot bleiben BMC jedoch erhalten.
Der Mexikaner Gerardo Ulloa, der in der vergangenen Saison das Shortrack-Rennen in Nové Město für sich entscheiden konnte, wechselt für die nächsten Jahre zu Massi, während die vielversprechende Britin Isla Short das Orbea Factory Cross-Country-Team nach nur einem Jahr verlässt und einen Vertrag bei der Santa Cruz-Schwesterfirma Juliana unterschrieben hat.
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