MTB

Welches Bike passt am besten zu mir?

© Josh Glazebrook / Red Bull Content Pool
Darauf muss man beim Kauf achten, um den perfekten Fahrspass zu erleben.
Autor: André Wolfensberger via duckstance.comveröffentlicht am
Du planst die Anschaffung eines Mountianbikes oder besitzt bereits ein All-Mountain-Bike und erwĂ€gst ein Enduro oder Freerider fĂŒr abfahrtsorientiertere Touren? Die Auswahl an Bikes mag erdrĂŒckend erscheinen und das Finden des optimalen Bikes fĂŒr seine BedĂŒrfnisse eine Herkules Aufgabe. Wenn man seine AnsprĂŒche und PrĂ€ferenzen vom Groben ins Details durchgeht, ist die Selektion des optimalen Bike jedoch nicht schwieriger als die Wahl des MittagsmenĂŒs.
GrundsÀtzliches
Die einleitende Kategorisierung hilft fĂŒr einen generellen Überblick. Diese sind jedoch oft auch fliessend. Die Frage des Bike-Typen ist wohl schnell beantwortet. Die Gretchenfrage ist schlussendlich vielmehr wie das Feintuning - sprich die Auswahl - anhand der Komponenten und Details beim Set-Up gewĂ€hlt werden, damit man seinen BedĂŒrfnissen hinsichtlich Fahrstil, Gewicht, Robustheit, Komfort und Effizienz am nĂ€chsten kommt. Mitunter muss man auch entsprechende Kompromisse eingehen, denn beispielsweise Vorteile bei der Robustheit und lĂ€ngere Federwege resultieren in mehr Komfort jedoch auch Gewicht und erschweren so das Raufpedalen.
Bike-Typen – was will ich mit meinem Bike machen?
Downhill (DH)
An Rauffahren denkst du schon gar nicht. Dich interessiert der Speed und Spass beim Runterbrettern. Wie Wintersportler kommst du per Bahn an den Gipfelstart. Entsprechend ist dein Einsatzgebiet auf Trails mit entsprechenden Transportmöglichkeiten ausglegt. Bei DH Bikes steht die Robustheit im Vordergrund und die Federgabel hat in der Regel eine DoppelbrĂŒcke.
Downhill ist Action pur
Downhill ist Action pur
Federgabel mit DoppelbrĂŒcke
Federgabel mit DoppelbrĂŒcke
Freeride
Flowige und rasante Abfahrten gespickt mit SprĂŒngen stehen auch bei dir im Fokus. Mit einem Freerider kannst du gerade StĂŒcke oder kurze Anstiege auch mal aus eigener Kraft bewĂ€ltigen. Im Vergleich zum DH ist der Federweg etwas kĂŒrzer und es kommt eine Federgabel mit einer BrĂŒcke zum Einsatz, wodurch das Rad wendiger wird. Extrem-Freeride ist eine weitere Form, wobei dies - wie’s der Name schon sagt - eine Bikeklasse fĂŒr sehr Fortgeschrittene darstellt.
Freeride: Keine Route zu extrem
Freeride: Keine Route zu extrem
Flacher Winkel der Gabel steigert die Laufruhe
Flacher Winkel der Gabel steigert die Laufruhe
Enduro
Am meisten Spass hast du an technischen oder flowigen Abfahrten auf Single Trails ĂŒber Wurzeln und Steine. Die mĂŒssige Bergfahrt möchtest du dabei aber aus eigener Muskelkraft bewĂ€ltigen können. Hier haben wir einen Übersicht, der heißesten Modelle auf dem Markt fĂŒr dich zusammengestellt.
Enduro: Single Trail Spass
Enduro: Single Trail Spass
Material fĂŒrs Grobe jedoch erlaubt es raufpedalen
Material fĂŒrs Grobe jedoch erlaubt es raufpedalen
All-Mountain
Du möchtest vor allem ausgedehnte Touren machen und dabei den grössten Komfort geniessen. Das All-Mountain oder auch Fully- (Vollfederung = hinten und vorne gefedert) genannt, weist kĂŒrzere Federwege aus als obige Biketypen und Gewichtsreduktion liegt allgemein vermehrt im Fokus fĂŒr eine möglichst kraftsparende Bergfahrt.
All-Mountain: FĂŒr abenteuerliche Touren
All-Mountain: FĂŒr abenteuerliche Touren
Ausgewogener Kompromiss zwischen Berg und Talfahrt
Ausgewogener Kompromiss zwischen Berg und Talfahrt
Hardtail
Das Hardtail ist hinten nicht gefedert und ist entsprechend weniger komfortabel als ein Fully – dafĂŒr leichter, wendiger und pflegeleichter. Vor allem aber schneller, da es kein Nachwippen des DĂ€mpfers gibt und die KraftĂŒbertragung direkter erfolgt. Die Fahrweise runter ist komplett anders, da Hindernisse umfahren oder ĂŒbersprungen werden mĂŒssen. Hardtail Bikes werden oft bei Cross-Country Rennen eingesetzt.
Hardtail: Fitness Aspekt steht ĂŒber Abfahrtsspass
Hardtail: Fitness Aspekt steht ĂŒber Abfahrtsspass
Optmierte KraftĂŒbertragung und kein Nachwippen
Optmierte KraftĂŒbertragung und kein Nachwippen
Trial
Das ungefederte und leichte Trial-Bike ist mit seiner tiefen Sattelposition auf die kĂŒnstlerische BewĂ€ltigung von Hinterdniss ausgelegt und somit kein eigentliches Mountainbike. Einer, der auf Bikes aus dieser Kategorie schwört, ist Danny MacAskill.
Dirt
Beim leicht gefederten Dirt-Bike wiederum liegt der Fokus mehr auf Robustheit, da es rein fĂŒrs Springen konzipiert ist. Im Gegensatz zum DH stehen Tricks bei gemĂ€ssigtem Tempo und nicht der Speed im Vordergrund.
Tiefer Schwerpunkt und keine oder wenig GĂ€nge
Tiefer Schwerpunkt und keine oder wenig GĂ€nge
Rahmen-Material
Stahlrahmen sind sehr robust und zudem leicht zu reparieren, aber halt relativ schwer. Auf der anderen Seite der Skala steht Carbon, welches extrem steif ist, dafĂŒr anfĂ€llig fĂŒr SchĂ€den. FĂŒr All-Mountain und Enduro wird als Kompromiss (Gewicht, Kosten und Robustheit) meistens auf Aluminium zurĂŒckgegriffen.
Rahmen/Geometrie – welche Bikegrösse brauche ich?
Je steiler der Winkel der Federgabel, desto kĂŒrzer der Radstand, was AgilitĂ€t verspricht, wĂ€hrend ein lĂ€ngerer zu Gunsten der Laufruhe geht. Die Geometrie bestimmt die grundsĂ€tzliche Sitzposition (sprich ob du eher flach oder senkrecht auf dem Bike sitzt) und den Tretwinkel sowie den Schwerpunkt des Bikes und die Tretlagerhöhe. Über die Auswirkungen der Geometrie im Detail so wie Tipps zur Einstellung/Abstimmung der Sitzposition, Cockpit (Lenker), Tretlager etc. könnte man ein ganzes Buch schreiben.
Die Rahmengrösse wird in der Regel in Zoll angegeben (1 Zoll ist etwa 2.54 cm) und entspricht der Rahmenhöhe, sprich der LÀnge vom Tretlager bis zur Sattelklemme. Zur Bestimmung der benötigten Grösse wird als erstes die sogenannte SchrittlÀnge, auch Schritthöhe genannt, bestimmt. Dies ist die LÀnge von deiner Fusssohle (ohne Schuhe) bis zum Schritt. Diese Wert wird bei Hardtail mit 0.226 multipliziert und bei Fullys mit 0.225.
Anders sieht es bei DH- und Freeride-Bikes aus, bei welchen die Grösse in S,M,L,XL angegeben wird.
Der Schwerpunkt macht den Unterschied im GelÀnde
Der Schwerpunkt macht den Unterschied im GelÀnde
Komponenten (Schaltwerk, Bremse, Wechsel usw.)
Den grössten Kostenfaktor bei einem Bike bilden die Komponenten. Die ganzen Bezeichnungen wie SLX, XTR oder X9 sind schlicht Bezeichnungen der Hersteller. In der Kurzfassung reicht es, die Abstufung (aufsteigend) der zwei grössten Komponentenhersteller zu kennen, die fĂŒr MTB relevant sind:
Sram: X5, X7, X9, X0, XX
Shimanno:Deore, SLX, XT, XTR
Bremsen
Je grösser die Scheibe, desto besser sind die Bremseigenschaften. Grössere Scheiben bedeuten jedoch auch mehr Gewicht. 180 mm ist das empfohlene Minimum fĂŒr Mountain-Bikes.
Federgabel
Eine Federgabel mit lĂ€ngerem Federweg weist normalerweise ein höheres Gewicht auf, aber auch das Nachwippen und der damit verbundene Kraftverlust spielt eine Rolle fĂŒr den Einsatzzweck.
Bei All-Mountain-Bikes hat sich daher ein Federweg um 140 mm etabliert, wĂ€hrend dieser bei den Enduros ab 160 mm natĂŒrlich höher ausfĂ€llt und bei Freeride-Bikes mit mind. 180 mm nochmals höher ausfĂ€llt. Die DoppelbrĂŒcken-Federungen von DH Bikes kommen sogar mit 200 mm und mehr daher. Heutzutage lassen sich im All-Mountain- und Enduro-Bereich die meisten Federgabeln genau wie die hintere Federung arretieren, um das Mitwippen zu verringern.
Hochwertige Federgabeln sind nicht nur aus hochwertigerem (leicht und steif) Material und Verarbeitung, oft bieten solche auch die Möglichkeit Absenk- und Blockierfunktionen zu nutzen und die Druck- und Zugstufen individuell einzustellen. WĂ€hrend Billigfederungen teilweise gleich schnell zurĂŒckschlagen wie federn (was unangenehm bis gefĂ€hrlich ist), kann durch einstellbare Druck- und Zugstufe die optimale Federeigenschaft fĂŒr den bevorstehenden Trail und seine PrĂ€ferenzen fortlaufend einfach und schnell angepasst werden.
Komfort
Schlussendlich bietet ein Bike einer bestimmten Kategorie den höchsten Komfort fĂŒr dessen spezifischen Verwendungszweck. Entsprechende Einbussen fĂŒr anderweitige Verwendungen mĂŒssen daher hingenommen werden. Geringes Gewicht und hohe Steifigkeit erleichtern den Aufstieg, bieten dafĂŒr weniger Komfort bei der Abfahrt in unwegsamen GelĂ€nde. Lange Federwege halten die RĂ€der am Boden, bieten optimale Traktion und Komfort, weisen dafĂŒr erwĂ€hnte Nachteile bei der Bergfahrt auf.
Abfahrtsorienitertes Bikes mit tiefem Schwerpunkt
Abfahrtsorienitertes Bikes mit tiefem Schwerpunkt
Radgrösse
Grössere RĂ€der bieten mehr Laufruhe und rollen leichter ĂŒber Steine und Wurzeln, sind dafĂŒr weniger agil. Bei den All-Mountain- und Enduro-Bikes hat sich 26 Zoll und 27.5 Zoll (auch hin und wieder als 650B bezeichnet) durchgesetzt. Ebenfalls Einzug gehalten, haben die 29 Zoller - bekannt als Twentyniner. Die optimierte Rolleigenschaft sowie Bodenkontaktzeit kombiniert mit dem tieferen Energieaufwand, wenn man mal rollt, wird dabei mit höherem Kraftaufwand bei der Beschleunigung bezahlt.
Speichen
GrundsĂ€tzlich gilt: Je mehr Speichen, desto stabiler wird das Ganze – aber natĂŒrlich auch schwerer. All-Mountain-Bikes kommen in der Regel mit 32 Speichen daher.
Pneu
Tendenziell sind eher breitere Reifen empfehlenswert. Diese weisen eine bessere Traktion aus und somit höhere Sicherheit wie schmale Reifen, was das minimale Mehrgewicht allemal wert ist.
Vorne ist ein gutes Profil wichtig fĂŒr optimale Brems- und Lenkmanöver. Auf den HinterrrĂ€dern kann allenfalls ein feineres Profil und eine schnellere Gummimischung erwĂ€gt werden, um den Rollwiderstand zu verringern.
Nicht neu, aber relativ jung sind die schlauchlosen Pneus, wobei heutige Reifen oft auch nachtrÀglich auf tubeless umgebaut werden können. Nebst tieferer PannenanfÀlligkeit ist das reduzierte Gewicht ein weiterer Vorteil.
Fatbikes:
Eine eigene Kategorie stellen die Fatbikes mit ihren ĂŒberdimensionalen RĂ€dern dar, welche in diesem Artikel separat vorgestellt werden – fĂŒr wen sie empfehlenswert sind und auf was bei einem Kauf zu achten ist, lest ihr dort.
ZĂŒckerchen beim Biken: die zauberhafte Natur
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Es steckt mehr als Pink in Frauenbikes
Es steckt mehr als Pink in Frauenbikes
Frauen können alles haben
Alle Hersteller fĂŒhren spezifische Damenmodelle im Sortiment. Frauen können grundsĂ€tzlich problemlos auch unter den Herrenbikes auswĂ€hlen. Hinsichtlich Proportionen des Körpers unterscheiden sich Frau und Mann nĂ€mlich nicht.
Frauenbikes kommen natĂŒrlich einerseits in XS Grössen daher und sind grundsĂ€tzlich auf Gewichtsreduktion konzipiert. Durch einen eher kĂŒrzeren und höheren Vorbau sowie kurzem Oberrohr sitzen Frauen aufrechter. Das hat nichts mit der Anatomie zu tun, sondern mit dem höheren SicherheitsgefĂŒhl in der Position.
Frauenmodelle unterscheiden sich vor allem in kleinen Details. So kommen diese mit einem tendenziell weicheren, breiteren und kĂŒrzeren Sattel daher und dĂŒnneren Griffen auf Grund der filigraneren HĂ€nden.
Ausserdem...
Lass dich hinsichtlich weiterer Details am besten durch den HĂ€ndler deines Vertrauens beraten, der dir noch weitere Features (wie absenkbare SattelstĂŒtzen und modellspezifischen Aspekte) erlĂ€utern kann. Vom Internetkauf ist abzuraten, ausser man ist das Bike schon mal gefahren oder weiss ganz genau, was man will. Besonders als AnfĂ€nger sollte man die Schaltung und Bremse auch mal anfassen, um zu beurteilen, ob einem diese zusagt. Ebenfalls kann bei einem Erstkauf die Grösse und Sitzposition am besten beurteilt werden, wenn man effektiv auf dem Bike sitzt. Eine kurze Testfahrt ist sowieso immer die beste Option.
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