Der Führende in der Gesamtwertung, Kalle Rovanperä, gewinnt die Rallye von Portugal.
© Jaanus Ree/Red Bull Content Pool
WRC

WRC Rallye Portugal 2022: Rovanperä siegt in aller Bescheidenheit

Der Führende in der Gesamtwertung, Kalle Rovanperä, gab sich vor der Rallye in Portugal keine Siegeschancen - nur, um sie am Ende doch zu gewinnen. Wir liefern dir die Highlights!
Autor: David Evans
3 min readveröffentlicht am
Die Performances von Kalle Rovanperä werden immer unglaublicher. Sie sind buchstäblich kaum zu fassen. Beim letzten Mal in Kroatien verpasste er einen Push in der letzten Etappe, um Wolf Power Stage-Points einzufahren, und holte sich dann dennoch fünf Punkte.
In Portugal sprach er Samstagabend noch davon, dass wir uns beim Rennen keine Heldentaten von ihm erwarten sollten. Doch ein weiteres Mal wurde Rovanperä aber beim Flunkern erwischt: Der 21-Jährige machte genau das Gegenteil, gab schlicht alles und lieferte ein weiteres Mal ein perfektes Ergebnis ab. Sein dritter Sieg in Folge verschafft ihm nun einen 46 Punkte großen Polster in der Gesamtwertung.
Sechsundvierzig Punkte - und wir sind erst vier Rennen gefahren...
Jonne Halttunen und Kalle Rovanperä feiern ihren ersten Platz bei der WRC Rallye 2022 in Portugal.
Sieger in Portugal

Kalles besonderer Ort

Rovanperä ist schlicht der coolste unter den eiskalten Finnen. Sein Land blickt auf eine reiche Geschichte an siegreichen Rallye-Talenten zurück. Bevor die WRC einem Sébastien vorgestellt wurde, gewann Finnland 13 Weltmeisterschaften in 25 Jahren, aber nur wenige haben derart früh in ihrer Karriere Charakter und Skill im Maße eines Kalles bewiesen.
Und wenn wir uns ehrlich sind, müssen wir mittlerweile vom absoluten Favoriten auf den Titel sprechen. Die Frage, die sich in den letzten Rennen stellt, ist nicht mehr diejenige, ob sondern wann er den Gesamtsieg sicherstellt.
Am 1. Oktober wird er 22, nach dem noch drei WRC Runden zu fahren sein werden. Wird er bis zu diesem Zeitpunkt der neue Champion sein? Wahrscheinlich. Es gibt kaum jemanden, der ihm das noch streitig machen könnte.
Wenn man Rovanperä auf seine Vorliebe, die anderen auf die Schliche zu führen, anspricht, dann beginnt er zu grinsen:
"Ich habe es euch schon gesagt. Wenn ich eine Möglichkeit erkenne, dann ergreife ich sie. Ich habe die Chance in Kroatien gesehen, ich fühlte mich gut und setzte es einfach um. Dasselbe passierte hier: Ich sah die Chance auf ein gutes Ergebnis und ergriff sie."
"Es ist super, ich fühle mich momentan wirklich gut. Alles funktioniert, aber die Weltmeisterschaft ist lange und es wird nicht jedes Mal so laufen. Wie ich schon sagte: Wenn ich die Chance auf den Sieg sehe, ergreife ich sie."
Genau das macht momentan den Unterschied aus: Kalle erkennt diese Möglichkeiten, wo andere gar nicht erst hinsehen. Als Führender in einen warmen Eröffnungstag auf neuem Terrain zu gehen, fällt nicht jedem leicht - und auf Kies dann auch noch den Sieg einzufahren, ist denkbar selten. Doch Rovanperä ließ es einfach aussehen.
Am Samstag lag die finnische #69 im Toyota 16,5 Sekunden hinter dem führenden GR Yaris Rally1 von Elfyn Evans. Doch am letzten Tag holte Rovanperä auf und dominierte den gesamten Tag, um am Ende den Sieg zu holen.
Spricht man mit ihm über seine Performance, dann spricht erneut die Bescheidenheit aus ihm: "Ich war am Limit, ging aber nicht darüber hinweg. Ich habe nichts Verrücktes gemacht." Dennoch ist klar: Es war schlicht atemberaubend, ihm dabei zuzusehen.
Auch Evans holte sich einige gute Punkte mit dem zweiten Platz. Ein reines Toyota-Podium wurde von Dani Sordo im Hyundai durchkreuzt.
Sébastien Loeb bei der Rallye Weltmeisterschaft 2022 in Porto, Portugal.
Sébastien Loeb in Portugal

Séb versus Séb

Nach der Rallye in Monte-Carlo wurde von den Sébastiens Loeb und Ogier vor Portugal viel erwartet. Am Ende konnte die Realität nicht ganz mit den Vorstellungen mithalten.
Loeb führte den Freitagmorgen souverän an, gab die Position in der ersten Kurve am Nachmittag aber ab. Ein Reifen löste sich von seinem Ford Puma Rally1, was bedeutete, dass es vorbei war. Am Samstag folgten einige Platten, welche auch Ogier von seinem ersten Sieg in dieser Saison abhielten.
"Es ist eine Schande", meint Loeb anschließend. "Ich glaube nicht, dass wirklich viele Wände auf dieser Strecke im Weg stehen, dennoch schaffte ich es irgendwie, in eine davon zu crashen. Alles lief gut, ich fühlte mich wohl im Auto. Ich weiß nicht, was uns als Nächstes erwartet, aber die Safari könnte interessant werden."