Timothy und Jonas im Kreativ-Flow
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Music

3x3 mit Jaynbeats: Trap und Bounce für den Untergrund

3 Fragen, 1 Produzenten-Duo und 3 Antworten: Hier geben Jaynbeats uns einen Einblick in ihren Producer-Alltag und ihre History.
Autor: Vanessa Seifert
4 min readveröffentlicht am
Wie, wer? Die Producer Jonas und Timothy sind als Jaynbeats gemeinsam unterwegs und versorgen vor allem den Berliner Untergrund mit Trap-Beats ohne Ende. Wir konnten ihnen unsere „3x3“-Fragen stellen.
Mit dem Musikmachen begannen Jonas und Timothy getrennt voneinander, noch bevor sie sich kannten. Jonas brachte sich das Produzieren selbst bei, damit seine Freunde Beats zum Rappen haben. Timothy spielte in einer Rockband und studierte Musikproduktion. Über einen gemeinsamen Freund lernten sie sich kennen und nutzten von da an das Uni-eigene Studio. Musiktheoretiker trifft auf Einfach-Mal-Machen-Typ, sozusagen – und die Kombi scheint sehr gut zu funktionieren.
Als Jaynbeats releasten sie mit „$toopid Tape Pt. I“ (2020) und „Collabo-Tape“ (2021) schon zwei Produceralben, auf denen sie unter anderem 65Goonz, Hugo Nameless, Kwam.E und Gideon Trumpt versammelten. Jonas und Timothy ist es dabei wichtig, mit den Rappern zusammenzuarbeiten und nicht nur Beats zu liefern. Jetzt erzählen sie uns, was sie geprägt hat und was ihnen bei der Produktion am wichtigsten ist.

Welche drei Songs erklären den jaynbeats-Sound am besten?

1. „Sylvester Stallone“
Jonas: Den größten Einfluss auf unseren Sound haben wahrscheinlich Mike Moto & Mx42. Man kannte sich bereits, bevor die beiden angefangen hatten, Rap überhaupt ernst zu nehmen. Doch seit dem Track „42 Flow“ sind wir jede Woche zu viert im Studio, treten gemeinsam in Clubs auf und versuchen so oft es geht zu verreisen. Bei unseren Tracks gibts eigentlich keine Regeln, Hauptsache es bounct. „Sylvester Stallone“ zeigt das mit zwei Beatswitches und keiner Hook ganz gut.
2. „Parlin“
Solotracks sind bei uns eher eine Seltenheit. Bei „Parlin“ treffen sich zwei Pariser und ein Berliner Rapper. Durch die verschiedenen Einflüsse in solchen Sessions entsteht meistens ein ganz neuer Sound. Oft bekommen die Tracks dadurch auch Cypher-Vibes.
3. „Kush & Caine“
Timothy: Obwohl der Song eine Kollabo mit Shirama und Yani5000 ist, finde ich, dass er einen für mich sehr wichtigen Aspekt des Jaynbeats-Sounds beschreibt, nämlich das Einspielen von Instrumenten. Wir benutzen eigentlich nie Samples und spielen alle Melodien selbst ein. Wenn ich zur Gitarre greife, macht gerade das für mich den Unterschied zwischen „Sachen in den Laptop tippen“ und „Musikmachen“. Kwam.e hat den entspannten Vibe auch perfekt in seinem Rap übersetzt und gibt mir jedes Mal beim Hören das Gefühl, mit Cocktail am Strand zu liegen.

Drei Songs, die euch und euren Stil geprägt haben?

1. Shoreline Mafia – Bands
Jonas: Der Westcoast-Sound war schon immer eine große Inspiration für meine Drums, sowohl alte wie auch neuere Tracks. Aber vor allem seit dem Song „Bands“ bin ich komplett auf Bounce hängengeblieben. Entscheidend dafür sind das Tempo (meistens 100 BPM), die schnellen Claps und die Kopfnicker-808s.
2. Frank Ocean – Futura Free
Timothy: Dieser Song ist für mich ein perfektes Outro und bindet das gesamte „Blonde“-Album noch einmal zusammen, zum Beispiel durch ein Sample, welches an mehreren Stellen vorkommt und somit zum Motiv des Albums wird. Ein guter Song muss meiner Meinung nach Gefühle hervorbringen, und dieser Song beschreibt für mich in seiner Gesamtheit perfekt das Gefühl der Nostalgie. Im gesamten Track gibt es nur drei Samples bzw. Instrumente und die Drums setzen erst nach dreieinhalb Minuten an einer unerwarteten Stelle ein. Gerade dieses minimalistische Arrangement finde ich sehr beeindruckend, weil es zeigt wie viel man mit wenigen Mitteln bewirken kann.
3. SoFaygo – Off The Map
Diesen Song hat uns Naru mal im Studio gezeigt, woraufhin direkt „Hoes & Drugs“ mit ihm entstanden ist. Auch wenn Polysynths im Trap seit Pi‘erre Bourne nicht unbedingt eine Revolution sind, geht der Track es nochmal anders an und beschreibt für mich sehr gut den aktuellen Sound – und womöglich eine Richtung, in die wir in Zukunft öfter gehen werden. Seitdem ich diesen Song gehört habe, baue ich auch häufiger komplexere Akkorde bei unseren Melodien ein, was man noch in einigen kommenden Releases hören wird.

Drei Tools, auf die ihr im Studio nicht verzichten könnt?

1. FL Studio
Jonas: Seit fast sechs Jahren benutze ich die DAW FL Studio. Für mich persönlich perfekt zum Bauen und Arrangieren von Beats. Schneller Workflow und viele Möglichkeiten kreativ zu werden, auch wenn bereits viele Tools (z.B. Gross Beat) overused sind. Die einzige Alternative für mich ist Maschine, um die Sounds per Drumpad einzuspielen.
2. Logic Pro X
Timothy: Obwohl es vielleicht unüblich ist, benutzen wir zwei separate DAWs zum Produzieren. In Logic mache ich meistens die Melodien sowie das Recording und Mastering, nachdem ich von ProTools umgestiegen bin, weil Workflow und MIDI-Editor viel intuitiver funktionieren. Ich würde sagen, dass knapp die Hälfte der Plugins, die ich verwende, Stock-Plugins von Logic sind und sogar die enthaltenen VSTs oft in unseren Melodien verwendet werden.
Logic Pro
Logic Pro
3. Timothys Gitarren
Timothy: Das Gitarrespielen ist der Grund, warum ich mich mit 15 schon entschieden habe, Musiker zu werden. Für mich hat jedes meiner Instrumente einen ganz eigenen Charakter, weswegen es für mich schwer ist, mich von älteren Gitarren zu trennen. Mittlerweile habe ich sieben Gitarren im Studio stehen, obwohl ich meistens zu den gleichen zwei zum Einspielen greife.
Timothy von Jaynbeats jammt in den Red Bull Music Studios Berlin
Jaynbeats: Timothy an der Gitarre