Tony Allen
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Afrobeat(s) und Afropop im Wandel der Zeit – die 10 einflussreichsten Tunes

Bevor es am 8. September mit An Afro-Rhythmic Affair zu einem frühen Highlight des Red Bull Music Festival kommt, werfen wir einen Blick auf die Entwicklung von Afrobeat und Afropop.
Von: Carlos Steurer
5 min readPublished on
In den frühen Sechzigern als empowerndes, eigenständiges Genre in Nigeria entstanden, entwickelte sich in den letzten Jahren ein neuer, globaler Hype um Musik aus Westafrika. Wir haben die wichtigsten Tunes aus über fünf Jahrzehnten zusammengefasst.

Manu Dibango – Soul Makossa (1972)

Dieser Kameruner Klassiker aus den frühen Siebzigern wird noch heute gesampelt und zitiert: Von Michael Jackson über Rihanna, Jay-Z, Will Smith und Kanye West beruhen dutzende Hits auf dem “Mama-ko, mama-sa, maka-mako-sa”-Gesang von Manu Dibango. Der Saxophonist und Pianist schmückte auf “Soul Makossa” die treibenden Bläser und Funk-Bassläufe seiner Heimat mit dem Disco-Glanz der frühen Siebziger – und wurde im Alter von 40 noch zur Ikone. Ursprünglich nur als B-Seite einer Fußball-Hymne für den African Nations Cup veröffentlicht, eroberte diese frühe Afrobeat-Blaupause die internationalen Tanzflächen und US-Top-40s.

Fela Kuti – Water No Get Enemy (1975)

Der Vater des Genres und einer der wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Ende der Sechziger nannte Fela Kuti seinen Mix aus Jazz, Psych-Rock und der westafrikanischen Highlife-Tradition, in Abgrenzung zu den kolonialen Unterdrückern, “Afrobeat”. “Water No Get Enemy” ist der herausragende Moment seines ohnehin makellosen Katalogs aus 50 (!) Alben und entfaltet sich über zehn Minuten zu einem meditativen Jam. Als Fela Kuti 1997 in Lagos beerdigt wurde, erwiesen ihm über eine Million Nigerianer die letzte Ehre. Die beiden Söhne Femi und Seun Kuti führen sein Erbe als politische Aktivisten und Afrobeat-Botschafter erfolgreich fort.

Prince Nico Mbarga – Sweet Mother (1976)

Vom Major-Label EMI noch als zu kindisch abgelehnt, entwickelte sich “Sweet Mother” mit 13 Millionen verkauften Einheiten zu einem der erfolgreichsten Songs des afrikanischen Kontinents aller Zeiten. Der Nigerianer Prince Nico Mbarga preist in Pigidin-Englisch über gepickte Gitarren die Rolle der Mutter. Später managte und benannte er ein Vier-Sterne-Hotel nach seinem einzigen Hit.

Ebo Taylor – Love and Death (1980)

In den Siebzigern läutete Ebo Taylor eine neue Zeitrechnung in der ghanaischen Highlife-Szene ein. Nachdem er mit seiner Band in London mit Fela Kuti zusammenarbeitete, eröffnete er ein Studio in Ghana und produzierte unter anderem den Local Pat Thomas. Sein spezielles Gitarrenpicking wurde außerhalb Westafrikas erst im laufenden Jahrzehnt wiederentdeckt. Seitdem er 2010 er den Klassiker “Love and Death” neu auflegte, tourt der Ü-80er regelmäßig um die Welt.

Miriam Makeba – Pata Pata (1989)

Wahrscheinlich war Miriam Makeba mehr Weltmusik- als Afropop-Star, aber dieser Evergreen, der sich auf einen Tanzschritt aus den Townships in Johannesburg bezieht, war so hypnotisch, dass “Mama Afrika” damit locker auf den westafrikanischen Dancefloors konkurrieren konnte. Makeba mischte traditionelle südafrikanische Rhythmen und Chants mit westlichen Folk- und Blues-Einflüssen, gewann einen Grammy und sogar etliche Ehrendoktorwürden. 2011 wurde sogar eine Grundschule in Berlin-Moabit nach ihr benannt.

Angélique Kidjo – Agolo (1994)

Nicht nur Neunziger-Kids werden sich erinnern: “Agolo” war ein fieser Ohrwurm, aber viel cleverer als der angesagte Eurodance. Zusammen mit Youssou N'Dour steht die Sängerin Angélique Kidjo aus Benin für eine neue selbstbestimmte Afropop-Ära, die die globale Pop-Dekade mitprägte. Erst 2016 rekrutierte der französische Afro-Trap-Rapper MHD die Grand Dame des Genres für die Ballade “Wanyinyin” auf seinem Debütalbum.

Tony Allen – Kilode (2006)

Er war der Musical Director von Fela Kuti, Taktgeber und Rückgrat des Afrobeat. Tony Allens Schlagzeugspiel ist verstolpert und hypnotisch, einzigartig und unvorhersehbar. In den Nullerjahren feierte er ein internationales Comeback durch das Neosoul-Movement um Erkykah Badu und Questlove, veröffentlichte mit “Lagos No Shaking” ein musikalisches Manifest und gründete mit Damon Albarn und Flea die Supergroup The Good, The Bad, The Queen. Sein Shuffle-Groove von “Kilode” inspirierte auch den Techno-Pionier Carl Craig zu einer Neuauflage.

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P-Square – Personally (2013)

P-Square waren das größte Afropop-Versprechen des Kontinent zu Beginn dieses Jahrzehnts. Die nigerianischen Zwillingsbrüder Peter und Paul Okoye hatten so ziemlich alles: den Look, den Swag, die Hits – bis sie sich vor zwei Jahren zerstritten und auflösten. “Personally” ist bis heute ihr musikalischer Meilenstein – und so was wie die Renaissance von Afrobeats (mit s). Ein neuer poppiger, karibisch-geprägter Entwurf, der sich schon bald zu Afro-Trap entwickeln sollte.

Wizkid – Ojuelegba (2015) / One Dance (2016)

“Ojuelegba” markiert einen Einschnitt in der neueren Afrobeats-Geschichte: Nach der Neubearbeitung von Drake und Skepta rotierte der Remix von London bis Atlanta und packte Lagos wieder als Pop-Hotspot auf die Karte. An der Seite von Drake landete Wizkid mit “One Dance” ein Jahr später als erster nigerianischer Künstler auf Platz eins der amerikanischen Albumcharts und hielt sich dort zehn Wochen. In Westafrika füllt er bereits Stadien, das Potential und die Tunes zum Weltstar hat der Starboy sowieso.

Mr. Eazi – Leg Over (2017)

“It's your boy Eazi” – allein die Trademark-Adlibs von Mr. Eazi sind hitverdächtig. In Nigeria geboren und in Ghana zum Enterpreneur gereift, verkörpert der 27-Jährige ein neues Afrikabild und führt die junge westafrikanische Generation supertalentierter Sänger um Davido, Sarkdodie und Tekno an. “Leg Over” war sein Crossover-Durchbruch, den er sicherlich im Rahmen des Red Bull Music Festival bei der Afro-Rhythmic Affair im Festsaal Kreuzberg performen wird.
Vom 8. September bis 12. Oktober 2018 feiert die Red Bull Music Academy ihr 20-jähriges Jubiläum in Berlin. Gleichzeitig findet in verschiedensten Locations in ganz Berlin das Red Bull Music Festival statt und bringt Weltpremieren und Clubnächte, Konzerte und Künstlergespräche in die Stadt. Das ganze Programm findest du auf redbullmusic.com.
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