Age of Empires 4 im Test
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Age of Empires 4: Der RTS-König kehrt zurück

Mit Age of Empires 4 feiert die legendäre RTS-Reihe endlich ihr Comeback. Wir verraten euch, warum sich nicht nur Genre-Fans erneut in die Schlacht stürzen sollten.
Autor: Philipp Briel
5 min readveröffentlicht am
Im Jahr 1997 trat das erste Age of Empires von Microsoft eine unaufhaltsame Lawine los und legte den Grundstein für den zweiten Teil, der bis heute zu den besten Echtzeitstrategiespielen aller Zeiten zählt. Nach einigen Experimenten mit Teil 3 kehrt Age of Empires 4 endlich zu den Wurzeln zurück – und macht dabei nicht nur eine ganze Menge richtig, sondern vor allem auch jede Menge Spaß.
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Das klassische Age of Empires-Gefühl

Age of Empires 4 ist genau das, was ein geneigter RTS-Fan von dem Spiel erwarten würde. Alles beginnt mit einem Dorfzentrum und einer Handvoll Bewohner – vorbei sind die Zeiten einer sich entwickelnden Heimatstadt. Stattdessen spielt sich AoE 4 wunderbar klassisch: Ihr sammelt Holz und Nahrung, stampft neue Gebäude aus dem Boden und expandiert irgendwann in Richtung Stadt, während ihr in das zweite, dritte oder gar vierte Zeitaltert aufsteigt.
Im Vergleich zum heute noch beliebten zweiten Serienteil beziehungsweise dessen HD-Neuauflage, geht in Age 4 allerdings deutlich früher die Post ab. Selbst in Gefechten gegen leichte KI-Gegner könnt ihr nicht in Seelenruhe stundenlang an eurer Basis feilen und eine Streitmacht aufstellen, die sich über die halbe Karte erstreckt. Die KI schreitet deutlich aggressiver zur Tat, während ihr bereits im ersten Zeitalter zahlreiche Technologien erforschen könnt.
Diese Mischung aus klassischem Age of Empires-Spielgefühl und einem moderneren, actionreicheren Design steht dem RTS-Titel äußerst gut zu Gesicht und sorgt für mehr Spannung und Abwechslung.
Screenshot aus Age of Empires 4 zeigt unsere Armee beim Angriff auf eine feindliche Basis.
Age of Empires 4 spielt sich wie ein klassisches AoE mit frischem Anstrich.
Die richtige Strategie: Auch im Schach entscheidet die Taktik über den Erfolg einer Partie, wie Tania Sachdev im folgenden Video beweist.
Chess · 2 Min
Tania Sachdev: Chess strategy in a tricky position
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Mehr Völker für mehr Abwechslung

Während sich die 13 Völker in Age of Empires II weitestgehend gleich anfühlten und nur minimale spielerische Unterschiede aufwiesen, sieht das in Age of Empires 4 deutlich besser aus – wenngleich die Anzahl an Gruppierungen auf acht gesunken ist (Engländer, Franzosen, Rus, Mongolen, Chinesen, Heiliges Römisches Reich, Abbasid Dynastie und Delhi Sultanat).
Hier zeigen die Entwickler und Genre-Profis von Relic Entertainment aber einmal mehr, wie gut sie ihr Handwerk verstehen, denn alle acht Fraktionen spielen sich mitunter komplett unterschiedlich. So unterscheiden sich die Völker bereits rein optisch stark voneinander, noch stärker allerdings hinsichtlich der ihnen zur Verfügung stehenden Einheiten oder Technologien.
Ob ihr nun auf die defensiv-versierten Engländer samt ihrer Langbogenschützen und Verteidigungsanlagen setzt oder ihr euch die Vorteile der Rus zu Nutze macht, die besonders effektive Jäger sind und neben Kriegsmönchen auch berittene Bogenschützen in den Kampf schicken, resultiert in Age of Empires 4 in einem ganz anderen Spielgefühl.
Doch nicht nur das: Auch der Aufbau der eigenen Basis fällt enorm variantenreich aus. So bildet ihr mit dem Delhi Sultanat Scholaren aus, um komplett kostenlos neue Technologien zu erforschen, während die Abbasid Dynastie auf der anderen Seite Ressourcen generiert, ohne dass ihr dafür Bewohner abstellen müsstet. Die Mongolen hingegen können als einzige Fraktion ihre Heimatbasis abbauen und an jeden gewünschten Ort auf der Karte verlagern, was natürlich schnellere Angriffe und Strategiewechsel ermöglicht.
Screenshot aus Age of Empires 4 zeigt das mongolische Heer mit ihrer Heldeneinheit General Subutai.
Die Mongolen schicken ihren General samt Spezialfähigkeit in die Schlacht
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Vier Kampagnen für Geschichtsfans

Solisten haben in Age of Empires 4 zudem ihre wahre Freude an den Singleplayer-Kampagnen, die auf historischen Ereignissen beruhen und in Kombination mit beeindruckenden Zwischensequenzen die Geschichte zum Leben erwecken. Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet, um mit dem Zusammenspiel aus Landschaftsvideos und Computeranimationen selbst Geschichtsmuffeln wichtige Ereignisse des Mittelalters nahezubringen.
Insgesamt vier Kampagnen mit 35 Missionen stehen zur Wahl, die die Normannen, den Hundertjährigen Krieg, den Aufstieg Moskaus und das mongolische Imperium beleuchten. Im Gegensatz zu AoE 2 stehen dabei nicht die historischen Persönlichkeiten, sondern die Ereignisse selbst wie die Schlacht um Hastings oder die Schlacht an der Kalka im Mittelpunkt. Ein frischer, dokumentarischer Ansatz, der dem Spiel gut zu Gesicht steht.
Screenshot aus Age of Empires 4 zeigt eine Zwischensequenz aus der Kampagne.
Die Kampagne mischt Landschaftsaufnahmen mit historischen Details
Screenshot aus Age of Empires 4 zeigt eine Zwischensequenz, die die mongolischen Kriegsreiter erklärt.
Für abgeschlossene Missionen winken interessante Hintergrund-Videos
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Viel zu tun: Kampagne, Gefecht und mehr

Doch die Kampagnen sind beileibe nicht die einzige Möglichkeit für Solo-Spieler, mit Age of Empires 4 Spaß zu haben. Alternativ stürzt ihr euch gegen KI-Gegner ins Gefecht, wobei hier verschiedene Szenarien und Modi zur Wahl stehen. Diese unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich der Siegbedingungen oder Beschaffenheit der Karten, wobei ihr hinsichtlich der Optionen jede Menge Feintuning betreiben dürft.
So legt ihr fest, ob ihr den Sieg durch das Ausschalten der Gegner oder die Errichtung eines Weltwunders einfahrt, in welchem Zeitalter ihr starten wollt oder, ob ihr mit besonders vielen Rohstoffen beginnen wollt.
Hinzu gesellt sich der Modus „Kunst des Krieges“, der euch als ausgedehntes Tutorial mit den einzelnen Spielelementen vertraut macht. Ihr lernt, wie ihr eine florierende Wirtschaft aufbaut oder den richtigen Einsatz von Belagerungswaffen. Hier winken für den Abschluss Medaillen und weitere Belohnungen.
Screenshot aus Age of Empires 4 zeigt eine Mission aus dem Spielmodus Kunst des Krieges.
Im Tutorial-Modus erringt ihr Medaillen und schaltet zusätzliche Boni frei.
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Multiplayer und Koop-Modus

Natürlich darf auch in Age of Empires 4 ein umfangreicher Online-Multiplayermodus nicht fehlen. Zunächst legt ihr fest, ob ihr gemeinsam im Koop gegen KI-gesteuerte Gegner antreten oder ihr euch im 1-gegen-1, 2-gegen-2, 3-gegen-3 oder 4-gegen-4 anderen menschlichen Gegenspielern stellt.
Neben schnellen Spielen habt ihr auch hier die Möglichkeit, sämtliche Parameter und Voraussetzungen individuell festzulegen. Hier sorgen unterschiedliche Kartentypen, Größen und sogar Biome für spielerische Abwechslung.
Screenshot aus Age of Empires 4 zeigt eine Multiplayer-Partie aus der Sicht des Heiligen Römischen Reiches
Bis zu acht Spieler treten im Multiplayer gegeneinander an
Wer sich selbst lieber den einen oder anderen strategischen Kniff abschauen möchte, der wohnt im Zuschauermodus einfach einer laufenden Partie bei. Esporttauglich ist Age of Empires 4 also allemal, zumal das Balacing auf den ersten Blick sehr ausgeglichen ausfällt. Nachteile einer Fraktion macht sie durch ebenso viele Vorteile wieder wett.
Das Warten auf Age of Empires 4 hat sich gelohnt: In der Summe seiner Teile markiert das RTS-Game einen mehr als würdigen Nachfolger zum legendären zweiten Serienableger, der die beliebte Age-Formel dank frischer Ideen ins 21. Jahrhundert verfrachtet und nicht nur Genre-Fans stundenlang an den Bildschirm fesselt.