Video ansehen2 Min
Ski

"Aksel": Die Doku über Aksel Lund Svindals unglaubliche Karriere

Von einer brutalen Knieverletzung zu Gold in Pyeongchang -- die spektakuläre Geschichte der norwegischen Skilegende Aksel Lund Svindal kommt auf die große Leinwand!
Autor: Matt Majendie
5 min readveröffentlicht am
Eigentlich hatte er nie die Absicht, sein Leben auf die Kinoleinwand zu bringen, aber die sportliche Karriere von Aksel Lund Svindal hat sich wie ein Hollywood-Drehbuch gelesen.
Im Jahr 2016 waren seine Hoffnungen auf ein glanzvolles Ende einer glanzvollen Karriere ernsthaft in Gefahr, als er sich innerhalb eines Jahres gleich zweimal einer Knieoperation unterziehen musste. Er war gezwungen, seinen Wunsch nach sportlicher Unsterblichkeit gegen die Möglichkeit langfristiger gesundheitlicher Folgen abzuwägen und musste einige schwierige Entscheidungen treffen.
Entgegen den medizinischen Erwartungen erholte er sich von den Operationen und wurde 2018 der älteste Goldmedaillengewinner in der Geschichte der Olympischen Spiele im alpinen Skisport und der erste Norweger in der Geschichte, der dort Abfahrtsgold gewann. Aber welchen Preis musste er jeden Tag dafür im Alltag zahlen und hat er wirklich die richtige Entscheidung getroffen?
Aksel Lund Svindal nach dem Super-G-Rennen in Åre, Schweden, am 15. März 2018.
Aksel Lund Svindal spricht über seine Karriere
Aksel Lund Svindal auf der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel, Österreich
Aksel Lund Svindal auf der berüchtigten Abfahrt in Kitzbühel, Österreich
Sein nach ihm benannter Film "Aksel" folgt ihm auf Schritt und Tritt, während er versucht, an der Spitze eines Sports zu bleiben, der für die Sportler sowohl physisch als auch mental eine enorme Belastung darstellt.
Der Blick zurück in die Vergangenheit war auch schmerzhaft. Aber Svindal ist überzeugt, dass dies die einzige Möglichkeit war, den Film zu machen.
"Die Szenen, in denen ich mit Medikamenten vollgepumpt bin, waren auf jeden Fall hart", meint er. "Das ist definitiv eine Seite von mir, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Aber es ist wie bei allem anderen -- wenn man etwas macht, muss man es richtig machen und alles zeigen."
Als die Kameras zum ersten Mal liefen, hatte er keine Ahnung, wie sich das Ganze entwickeln würde. Er hatte eigentlich nie die Absicht, eine abendfüllende Dokumentation mit seinen Freunden bei Field Productions zu drehen.
"Ich hatte nie wirklich Ambitionen, einen Film zu machen, aber ich bin mit Leuten von der Produktionsfirma befreundet und wir haben schon früher zusammengearbeitet", erklärt Svindal. "Sie wollten einen Film mit mir machen, haben es mir aber nicht erzählt. Im Laufe der Zeit wurde alles immer intensiver und mir wurde langsam klar, dass sie genau das wollten. Sie haben einen wirklich guten Job gemacht."
Das Ergebnis waren 500 Stunden Rohmaterial, das entweder unterwegs mit Svindal gefilmt wurde oder aus alten Aufnahmen aus seiner Jugendzeit stammt.
Er gibt zu, dass es manchmal nicht einfach war, von den Kameras auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, obwohl er nach vier Medaillen bei den Olympischen Spielen (zwei Goldmedaillen), fünf Weltmeistertiteln und 38 Weltcup-Siegen daran gewöhnt ist, im Rampenlicht zu stehen.
"Beim Sport ist das alles nicht so schlimm, da es dort so viele Kameras gibt, dass man sich daran gewöhnt hat", sagt er. "Diese Leute folgen einem mit der Kamera aber sogar ins Hotelzimmer."
"Aber das war gar nicht so schlimm. Viel schlimmer war, wenn ganz banale Dinge mitgeschnitten wurden, wie die Fahrt zum Flughafen oder ein normaler Tag zu Hause. Das ist der Teil deines Lebens, in dem du keine Aufmerksamkeit haben willst."
"Es ist nicht hilfreich, wenn man eine Kamera im Gesicht hat. Wenn man berühmt ist, wird man ziemlich gut darin, unauffällig zu bleiben, z.B. einen Hut oder eine Mütze zu tragen, wenn man draußen spazieren geht. Es sind kleine Dinge, die man irgendwie lernt, wenn man keine Aufmerksamkeit haben will. Wenn man dann aber anfängt, eine Fernsehkamera an seiner Seite zu haben, ist es, als würde man einen Welpen in den Park mitnehmen."
Trotz der gelegentlichen Eingriffe in die Privatsphäre ist Svindal überglücklich mit dem Endprodukt, das noch in diesem Jahr auf die große Leinwand kommen wird.
Egal wie der Film ankommt, Svindal bereut keine Sekunde und blickt immer noch mit der gleichen Einstellung auf seine Karriere im Skizirkus zurück.
"Ich wollte nicht in den sportlichen Ruhestand gehen, bevor ich mir nicht zu 100 Prozent sicher war", meint Svindal. "Ich wollte nicht dieses 'was wäre wenn'-Gefühl haben. Deshalb beschloss ich [nach der Operation] noch ein wenig weiterzumachen und rückblickend kann ich behaupten, dass sich das voll ausgezahlt hat. Nach meiner Entscheidung habe ich nie zurückgeblickt. Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war, daran habe ich keinen Zweifel."
Wenn er sich jetzt ein Weltcuprennen ansieht, spürt er kein Verlangen, wieder im Starthaus zu stehen, denn er weiß wie kaum ein anderer, was nötig ist, um im Weltcup mitfahren zu können.
Aksel Lund Svindal in Kvitfjell, Norwegen.
Aksel Lund Svindal am Berg
Ich wollte nicht in den sportlichen Ruhestand gehen, bevor ich mir nicht zu 100 Prozent sicher war. Ich wollte nicht dieses 'was wäre wenn'-Gefühl haben.
"Den Punkt zu erreichen, an dem man diese Intensität spürt, schnelle Entscheidungen treffen kann und um den Sieg mitfährt, ist knallharte Arbeit. Das ist genauso ein psychologischer Prozess wie ein physischer", sagt er.
"Ich liebe das Skifahren nach wie vor und sogar noch mehr, wenn meine Teamkollegen auf Social Media aktiv sind oder mir Bilder von Trainingslagern schicken. Das ist der Teil, den ich vielleicht am meisten vermisse - du packst deine Koffer, reist nach Südamerika und verbringst einen Monat mit deinem Team, einigen deiner besten Freunde, um dich auf den Winter vorzubereiten und zu versuchen, zu den Besten der Welt zu gehören."
Sein Körper leidet noch immer an den Folgen, die der Leistungssport auf allerhöchstem Niveau mit sich gebracht hat. An Fußball und Tennis ist mit seinem immer noch schwachen Knie nicht mehr zu denken, und auch lange Joggen ist für ihn derzeit unmöglich. Aber er meistert seine Situation, so gut er kann.
"Das vermisse ich fast mehr als Rennen zu fahren. Das Umfeld, das Team und die Freundschaft, aber auch allein auf dem Berg zu stehen, Lauf für Lauf für Lauf."
"Ich kann immer noch Skifahren, aber nicht mehr so viel, wie ich es gerne möchte", sagt er. "Ich bin immer noch viel am Berg, aber nur von morgens bis mittags, dann muss ich etwas anderes tun, um sicherzustellen, dass ich am nächsten Tag Ski fahren kann."
"Das Knie hat definitiv negative Auswirkungen auf meine Lebensqualität, da ich beim Gehen und Treppensteigen Schmerzen habe. Es ist ständig präsent und ich muss mich von Dingen fernhalten, von denen ich weiß, dass ich sie nicht tun sollte. Aber ich kann mich trotzdem nicht beklagen."
Die Dokumentation "Aksel" kommt am 12. November 2021 in Österreich und Südtirol in die Kinos und demnächst auch in Deutschland.