Short-Trackerin Anna Seidel beim Training auf dem Eis in Dresden.
© Ray Demski / Red Bull Content Pool
Eisschnelllauf

Short-Track: Anna Seidel im Porträt

Eine schwere Verletzung bringt Anna Seidels Karriere ins Wanken. Doch die Short-Trackerin trainiert sich zurück an die Weltspitze. Inzwischen hat sie ihr Karriereende bekannt gegeben.
Von: Henner Thies
4 min readUpdated on
Im Short-Track ist Anna Seidel von Beginn an eine echte Durchstarterin. Dabei beginnt sie mit dem Speed-Skaten auf der Kurzbahn eigentlich zu spät: „Die meisten Short-Tracker fangen mit sechs Jahren an, manche sogar mit vier“, erzählt die heute 23-Jährige. „Da war ich mit neun Jahren recht spät dabei.“ Doch Seidel, die sich zuvor in der Leichtathletik versucht, scheint auf dem Eis ein natural born talent zu sein.

3 Min

Anna Seidel im Video-Profil

Folge Short-Trackerin Anna Seidel auf ihrem steinigen Weg zurück an die Spitze: Beim Training auf und neben dem Eis gibt sie Einblick in ihre Welt.

Bereits in ihrer zweiten Junioren-Saison, da ist Anna Seidel gerade zwölf, platzt für die junge Dresdnerin der Knoten. „Als ich angefangen habe, immer mehr von den europäischen Junioren-Wettkämpfen zu gewinnen, wusste ich: Im Short Track bin ich richtig“, erinnert sich Seidel. Zwei Jahre später wird sie erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Im Jahr darauf, mit 15, fährt sie ihre erste Weltcup-Saison und nimmt in Sotschi an ihrer ersten internationalen Großveranstaltung teil.
Am Short Track hat mir direkt gefallen, dass es so viel schneller war, als an Land.
„Von da an ging es für mich immer weiter steil bergauf“, stellt Seidel fest und hat Recht! 2016 gewinnt sie ihre erste EM-Medaille, was sie 2018 und 2020 wiederholt. 2018 nimmt sie zudem in Pyeongchang an ihren zweiten Spielen teil. Ihr jüngster Erfolg ist der Gewinn der Vize-Europameisterschaft 2021. Ausgebremst wird die junge Speed Skaterin lediglich von immer heftigeren Verletzungen.

Ein Schritt zurück, zwei nach vorn

Short-Trackerin Anna Seidel steht in Dresden für ein Foto-Porträt bereit.

Anna Seidel vor Peking: Voller Fokus aufs Comeback!

© Ray Demski / Red Bull Content Pool

Ihre erste wirklich schwere Verletzung erleidet Seidel im Juni 2016. Bei einem Trainingssturz zieht sie sich eine Fraktur des zwölften Burstwirbels zu. Doch die damals 18-Jährige hat Glück im Unglück: Keine drei Monate nach der Diagnose steht Seidel wieder auf dem Eis und schließt die Saison mit einer Handvoll Top 10 Platzierungen im Weltcup ab.

The Glacier Edition

Die Red Bull Glacier Edition mit dem Geschmack von Gletschereis-Himbeere.

Ab sofort in ausgewählten Geschäften im nationalen Handel erhältlich - so lange der Vorrat reicht.

Red Bull Glacier Edition - Image
The Glacier Edition Background
Auch der knöcherne Bänderabriss im linken Sprunggelenk, den Seidel 2020 beim Heimweltcup in Dresden erleidet, ist rückblickend nur ein temporärer Schritt zurück, auf den zwei Schritte nach vorn folgen. Ganz anderes verhält es sich mit Seidels jüngster Verletzung.
Short-Trackerin Anna Seidel steht in Dresden für ein Foto-Porträt parat.

Anna Seidel: "Gesund zu sein, dafür bin ich dankbar!"

© Ray Demski / Red Bull Content Pool

Ich bin ein ganzes Stück reifer geworden durch die letzte Verletzung. Ich schätze jetzt noch mehr wert, was ich habe.
„Von allen schwerwiegenderen Verletzungen, die ich bis dato hatte, ist der Schien-und Wadenbeinbruch, den ich im März 2021 beim Training erlitten habe, der härteste Rückschlag“, meint Seidel. Besonders die Verzögerung im Heilungsverlauf habe ihr zu schaffen gemacht. „Anfangs meinten die Ärzte, ich könnte in zwei Monaten langsam wieder zu trainieren beginnen“, erinnert sie sich. Am Ende vergeht ein halbes Jahr, ehe Seidel wieder auf dem Eis trainieren kann.

Peking als ultimative Motivation

Ein halbes Jahr vor ihren dritten und potenziell letzten Spielen denkt Anna Seidel erstmals ans Aufhören. „Dass es so schwer werden würde, mich von dieser Verletzung zu erholen, hätte ich nicht gedacht“, gesteht sie. Die Unsicherheit, das „hätte, hätte“ und die vielen "vielleichts" machen Seidel vor allem mental zu schaffen. „Das war wirklich schwer für den Kopf und hat mich viel Kraft gekostet“, meint Seidel.
Am Ende ist es der Wunsch, bei ihren dritten Spielen am Start zu stehen und in ihrem wohl letzten Anlauf den ganz großen Wurf zu landen, der sie darin bestärkt, sich ein letztes Mal zurück zu kämpfen. „Mit Peking hatte ich die ganze Zeit über ein klar definiertes Ziel vor Augen, warum und bis wann ich wieder topfit sein will.“ Besonders geholfen hat ihr dabei die Reha-Zeit im APC, im österreichischen Thalgau.
„Im APC konnte ich mich voll auf mich und meine Baustellen konzentrieren“, erklärt Seidel. „Das war besonders für meinen Kopf gut!“ Statt ihren Kolleginnen beim Trainieren auf dem Eis zuschauen zu müssen, kommt Seidel raus aus ihren gewöhnlichen Bezügen und lernt sich selbst noch einmal neu kennen. „Ich habe eine ganze Menge mehr über mich selbst gelernt, gerade was mentale Stärke betrifft“, meint Seidel, die Ende Januar für ihre dritten Spiele nachnominiert wurde.
Short-Trackerin Anna Seidel beim Training auf dem Eis in Dresden.

Ann Seidel ist bereit, es der Welt noch einmal zu zeigen.

© Ray Demski / Red Bull Content Pool

„Worte können nicht beschreiben, wie glücklich ich darüber bin, dass das Team Deutschland mir vertraut und mich so viele Leute nach meiner Verletzung im März darin bestärkt haben, mich zurückzukämpfen", so Seidel. "Ich kann es nicht erwarten, allen zu zeigen, wie hart ich gearbeitet habe!"
Das hat sie getan, als sie sich und blickt auf eine beeindruckende Karriere im Shorttrack zurück. Ihre siebte Medaille bei Europameisterschaften erkämpfte sich Anna Seidel 2023. Danach zog sich die 25-Jährige zurück und legte eine Pause vom Leistungssport ein.

Ihr Leben nach der Karriere

Dabei ist es nicht geblieben, denn Ende März 2024 verkündete Anna Seidel ihr Karriereende:
Ich bin unglaublich dankbar für alles, was ich in meiner Karriere erlebt habe. Es war eine intensive, aber auch sehr schöne Zeit.
Anna Seidel
„Jetzt freue ich mich auf alles Neues was nun kommt“, so Seidel, die ihren Lebensmittelpunkt künftig in den USA haben wird. In einem früheren Interview sagte sie, dass sie gerne studieren würde. Die Zeit dazu hat sie jetzt.