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Warum Switch (nicht) deine nächste Konsole wird

Argumente für und gegen Nintendos Hybrid-Konsole
Von: Sönke Siemens
7 min readPublished on
Nintendo Switch

Nintendo Switch

© Nintendo

Bereits am 3. März 2017 erscheint Nintendos neue Hybrid-Konsole Switch. Ein Gerät, das ihr sowohl zuhause am Fernseher wie einem stationäre Konsole, als auch unterwegs wie ein Handheld verwenden könnt. Doch wie gut ist das multifunktionale Daddelwunder der Japaner wirklich? Was spricht für und was gegen den Kauf des circa 330 Euro teuren Geräts? Um genau das herauszufinden, haben wir die praktisch fertige Switch-Hardware auf einer Presseveranstaltung von Nintendo stundenlang ausprobiert sowie kommenden Spielen ausgiebig auf den Zahn gefühlt. Die wichtige Pro- und Contra-Argumente fassen wir im Folgenden zusammen.
Die Docking-Station

Die Docking-Station

© Nintendo

Argumente für Nintendo Switch:

Leicht verständliches Grundkonzept
Ein Gerät mit dem ihr sowohl unterwegs als auch am Fernseher spielen könnt – mit dieser Grundidee konnte Nintendo bereits im allerersten Ankündigungstrailer punkten. Der Praxistest auf dem Hands-On-Event zeigt: Die Japaner haben nicht zuviel versprochen, sondern liefern genau das. Das Endprodukt fühlt sich sehr wertig an und sieht obendrein richtig cool aus. Der Wechsel zwischen TV- und Unterwegs-Modus ist ebenfalls ein wahre Freude und dauert gerade einmal zwei Sekunden. Ihr könnt also im wahrsten Sinne des Wortes die Konsole aus ihrer Docking-Station entfernen und direkt im Handheld-Modus weiterzocken. Umständliche Verkabelungs- oder Synchronisierungsvorgänge fallen weg. Das Ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt. Mobilgerät in die Dock-Station sliden und schon geht’s unterbrechungsfrei am Fernseher – wo dann alle im Raum zugucken können – weiter.
Mario Kart 8 Deluxe erscheint am 28. April 2017

Mario Kart 8 Deluxe erscheint am 28. April 2017

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Splitscreen-Gaming überall, ohne Zusatz-Hardware
Eine große Stärke jeder Heimkonsole ist Splitscreen-Gaming am TV mit Freunden. Durch seinen Hybridcharakter bietet Nintendo Switch genau dieses Feature nun auch unterwegs. Wollt ihr beispielsweise „Mario Kart 8 Deluxe“ mit einem Kumpel auf einer langen Zug- oder Busfahrt zocken, stellt ihr eure Switch mit dem dafür vorgesehenen Standfuß einfach auf eine stabile Oberfläche, drückt eurem Gegenüber einen Joy-Con-Controller in die Hand und ab geht die Post im Splitscreen-Multiplayer. Besonders pfiffig: Wie ein Nintendo-Mitarbeiter auf der Hands-On-Veranstaltung verriet, können im Falle von „Mario Kart 8 Deluxe“ sogar mehrere Switch-Konsolen im Splitscreen-Modus miteinander verbunden werden. An vier Geräten könnten beispielsweise acht Personen gegeneinander antreten. Nicht nur in Regionalzügen eine Mordsgaudi!
Bei 1-2-Switch beeindruckte HD Rumble besonders

Bei 1-2-Switch beeindruckte HD Rumble besonders

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Innovative Controller-Funktionen
Nebst dem kapazitivem, kräftig leuchtenden Touchscreen sorgten insbesondere die Joy-Con-Controller für Aufsehen. Ziemlich beeindruckt waren wir vom Potenzial der brandneuen Vibrationsmotoren. Nintendo selbst nennt die Funktion „HD Rumble“ und zeigt unter anderem in „Ball Count“, einem von über zwanzig Minispielen aus „1-2-Switch“, was damit möglich ist. Das Grundkonzept: Zwei Spieler – jeder mit einem Joy-Con in der Hand – treten gegeneinander an. Die Joy-Cons repräsentieren eine Holzkiste mit Murmeln darin und jeder Spieler muss nun durch Kippen und Neigen des Joy-Cons „fühlen“, wie viele Glaskugeln sich in der Kiste befinden. Klingt zunächst seltsam, hat man die Joy-Cons aber selbt in der Hand, merkt man recht schnell, wie viel besser sich das Gebotene im Vergleich zu herkömmlichen Rumble-Effekten anfühlt.
Die Infrarot-Kamera kann u.a. Handgesten erkennen

Die Infrarot-Kamera kann u.a. Handgesten erkennen

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Nicht auf dem Event in Aktion gezeigt, aber nicht minder vielversprechend: Der rechte Joy-Con-Controller verfügt über eine eingebaut Infrarot-Kamera. Laut Nintendo kann die Switch damit unter anderem erkennen, wie weit entfernt sich eine Hand vom Sensor befindet. Ferner soll die Kamera erkennen können, ob man mit der Hand zum Beispiel die Symbole Schere, Stein oder Papier formt. Wie genau die Entwickler von diesen Funktionen Gebrauch machen wollen, wurde noch nicht genauer erkläuert. Wir würden uns jedoch nicht wundern, wenn dies auf lange Sicht eine Vielzahl unterhaltsamer Partyspiele begünstigt.

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Ab sofort in ausgewählten Geschäften im nationalen Handel erhältlich - so lange der Vorrat reicht.

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The Glacier Edition Background
Praktische Module
Wer Nintendo Switch-Spiele im Handel kauft, erhält diese – Gameboy, NES, SNES, N64, Nintendo DS und Nintendo 3Ds lassen grüßen – als Modul ohne Regionalcode-Sperre. Die Vorteile liegen auf der Hand: Module sind leicht, handlich im Transport und kompakt in ihren Abmessungen. Außerdem garantieren sie schnelle Ladezeiten, zerkratzen nicht, können problemlos mit Freunden getauscht und bei Bedarf weiterverkauft werden. Da bei Modulspielen sämtliche Daten bereits zum Abruf bereitstehen, kann man für gewöhnlich direkt loslegen und muss nicht erst irgendwelche Daten auf dem Systemspeicher installieren (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Kommt im Herbst: Super Mario Odyssey

Kommt im Herbst: Super Mario Odyssey

© Nintendo

Ein echter Kracher zum Start, weitere danach
Sei es nun die erstmals komplett offene Spielwelt, die unzähligen Physikspielereien, das wunderschöne Artdesign oder die vielversprechende Geschichte: Mit „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ liefert Nintendo direkt zum Start der Switch einen echter Kracher. Aber auch andere Software-Ankündigungen von Nintendo stimmen hoffnungsvoll. „Mario Kart 8 Deluxe“ etwa beinhaltet praktisch alle Features und DLCs der Wii-U-Fassung, ergänzt viele eigene Extras (neue Figuren, neuen Schlacht-Modus, Lenk-Assistent etc.) und erscheint bereits am 28. April 2017. Unbedingt auf dem Schirm behalten solltet ihr zudem die farbenfrohe Mehrspieler-Sause „Splatoon 2“ (Sommer 2017) sowie das fürs Herbstgeschäft geplante „Super Mario Odyssey“, welches inhaltlich ähnlich komplex werden soll, wie einst „Super Mario 64“ und „Super Mario Sunshine“. Nicht zu vergessen den Rollenspiel-Koloss „Xenoblade 2“, der ebenfalls noch dieses Jahr erscheinen soll. Plus: Zur Spielemesse E3 2017 dürften viele weitere Neuerungen angekündigt werden.
Features des Online-Dienstes in der Übersicht

Features des Online-Dienstes in der Übersicht

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Argumente gegen Nintendo Switch:

Niedrigere Performance als PS4 und Xbox One
Unterwegs, sprich auf dem knackscharfen (720p) 6,2 Zoll-Display der Switch machen Spiele wie „The Legend of Zelda: Breath of the Wild, „Mario Kart 8 Deluxe“ und „Splatoon 2“ einiges her und zählen zum Besten, was die Handheld-Branche derzeit zu bieten hat. Im TV-Modus – wo die Switch dank höherer Stromversorgung mehr Grafikpower hat und das Bild in bis zu 1080p-Auflösung ausgegeben kann – sehen die Spiele ebenfalls gut als. Mit aktuellen Produktionen für PS4 und Xbox One kann die Optik trotzdem nicht mithalten. Wer also vorrangig zu Hause am TV daddeln möchte und Wert auf bestmögliche Konsolengrafik legt, sollte wohl eher mit dem Kauf einer PS4 Slim, PS4 Pro oder Xbox One S liebäugeln. Weiterer Knackpunkt der niedrigeren Performance: Software-Umsetzungen von grafisch aufwändigen PS4- und Xbox-One-Spielen werden auf Nintendo Switch – sofern sie denn überhaupt für den Entwickler ein Thema sind – bei Weitem nicht so umwerfend aufsehen wie auf der Sony- bzw. Microsoft-Hardware.
The Legend of Zelda: Breath of the Wild

The Legend of Zelda: Breath of the Wild

© [unknown]

Zu wenig Spiele direkt zum Start
Obwohl Nintendo noch keine finale Launch-Release-Liste veröffentlich hat, lassen sich die Modul-Veröffentlichungen zum Start am 3. März an einer Hand abzählen. Derzeit offiziell bestätigt sind – Stand 19. Januar 2017 – lediglich das Actionabenteuer The Legend of Zelda: Breath of the Wild (ca. 70 Euro), die Minispiel-Sammlung 1-2-Switch (50 Euro), das Tanzspiel Just Dance 2017 (60 Euro), das Multiplayer-Vergnügen Super Bomberman R (50 Euro) sowie das Toys-to-Life-Spiel Skylanders: Imaginators (70 Euro). Dazu dürfte sich noch das ein oder andere Download-Spiel gesellen. Von einem „Volle Fahrt voraus“-Launch kann dennoch keine Rede sein.
Das unterhaltsame 1-2-Switch liegt nicht bei

Das unterhaltsame 1-2-Switch liegt nicht bei

© Nintendo

Derzeit kein Beipack-Spiel
Wir erinnern uns: Ein Grund für immensen Anfangserfolge von Nintendos Wii-Konsole war die kostenlose Dreingabe der Minispiel-Sammlung „Wii Sports“. Jeder Käufer konnte sofort durchstarten und hatte Zugriff auf ein unterhaltsames Party-Spiel, welches die Vorzüge des Geräts hervorragend demonstrierte. Mit „1-2-Switch“ hat Nintendo nun auch zum Start der Switch ein äußerst vielversprechendes Party-Spiel am Start, welches grandiosen Gebrauch von den Joy-Con-Controllern macht. Warum also nicht genau diesen Titel beilegen? Nun, scheinbar kommt dies derzeit nicht in Frage. Wer „1-2-Switch“ erleben möchte, muss weitere 50 Euro hinblättern.
Die Nintendo Switch im Praxisbetrieb

Die Nintendo Switch im Praxisbetrieb

© Redaktionsbüro Siemens

Nichts für große Hände
Ihr habt Pranken wie ein Riese? Dann könnten euch die vielen kleinen Tasten der Joy-Con-Controller auf Dauer Probleme bereiten. Das gilt im Speziellen für den Modus, wo ihr die Joy-Cons von der Konsole entfernt und als einzelne Eingabegeräte nutzt – beispielsweise in Multiplayer-Partien am geteilten Bildschirm.
Kostet ca. 70€: Der Nintendo Switch Pro Controller

Kostet ca. 70€: Der Nintendo Switch Pro Controller

© Nintendo

Hohe Zubehör-Preise
Zwar wird die 330 Euro Nintendo Switch mit allem ausgeliefert, was zum Einstieg nötig ist. Für weiteres Zubehör müsst ihr jedoch noch einmal ordentlich in die Tasche greifen. Der Switch Pro Controller etwa schlägt mit knapp 70 Euro zu Buche, ein weiteres Set mit zwei Joy-Cons kostet happige 80 Euro und für den offiziellen Ersatz-Stromadapter sowie die Joy-Con-Aufladehalterung müsst ihr jeweils 30 Euro hinblättern. Besonders teuer: Joy-Cons im Einzelkauf. Hierfür werden je 50 Euro fällig. Nicht außer Acht lassen sollte man zudem die Kosten für eine Micro-SD-Karte (bis zu 2 Terabyte werden unterstützt). Die Switch selbst bietet intern nämlich nur magere 32 GB Speicherplatz an, die sich mit jedem neu erworbenen Download-Spiel schnell füllen dürften.