Jeder liebt eine gepflegte Grillerei und so ist man(n) immer bestrebt, aus der Pflicht (alle sollen satt werden) eine Kür (unvergessliches Erlebnis) zu machen. Der polnische Abenteurer Grzegorz Gawlik hat es jetzt wahrlich zur Perfektion gebracht – mit einem Barbecue auf einem „Naturgrill“, dem Ätna.
„Ich habe versucht mit Hilfe von Fumarolen Würstel zu grillen.“ (Eine Fumarole ist eine vulkanische Exhalation im Bereich von vulkanisch aktiven Gebieten, aus der Wasserdampf und zum Teil vulkanische Gase austreten, Anm.) „Ich habe mich für den zentralen Krater, der wie ein Amphitheater wirkt, entschieden. Meine Wurst ist tatsächlich auch warm geworden, wenngleich sie etwas viel Schwefel aufgenommen hat. Es war trotzdem das beste Barbecue meines Lebens. Nur der Ätna und ich. Ich träume von einer Grillerei über einem fließenden Lavastrom und in der Nähe gibt es auch einen Lavasee, aber dort ist es zu heiß, um mit der Wurst nahe genug heranzukommen.“
Man möchte jetzt meinen, dass es Grzegorz Gawlik nur ums Essen geht, stimmt aber nicht. Eigentlich geht es ihm um die Vulkane und 100 möchte er in diesem Leben insgesamt erwandern. 52 hat er bereits besucht, davon 33 aktive. Bleiben also „nur“ mehr 48, um sein Ziel zu erreichen.
Wir haben uns mit dem 37-jährigen Polen, der im echten Leben Anwalt ist, unterhalten …
Woher kommt deine Leidenschaft für Vulkane?
Auf einem Vulkan bin ich glücklich wie ein kleines Kind. Seit ich denken kann, interessiere ich mich für sie und all die Gesteinsarten und Minerale, die sie verbergen. Sie haben mich immer mehr in ihren Bann gezogen, als „normale“ Berge. Ein aktiver Vulkan ist wie ein lebender Berg. Unvergleichbar und kaum erforscht.
Was fasziniert dich am meisten?
Ihre Unberechenbarkeit. Speziell bei aktiven Vulkanen. Hohe Temperaturen, toxische Gase, instabiler Boden und das ständige Risiko einer Eruption. Und die unglaubliche Aussicht auf dem Gipfel. Wie auf einem anderen Planeten.
Wie wählst du die Vulkane aus, die du besuchen willst? Du warst ja schon auf der ganzen Welt unterwegs.
Vielfältigkeit lautet das Schlüsselwort. Es gibt viele verschiedene Arten von Vulkanen in verschiedenen Klimazonen. Und ich mache es mir auch nicht leicht. Ich könnte einfach alle Vulkane in einer Region besuchen, bevorzuge aber individuelle Ziele, die weit voneinander entfernt liegen. Je wilder, desto besser.
Hattest du schon brenzlige Situationen?
„Gefangen“ mit Giftschlangen in einem Krater (zum Glück ohne Lava), geschmolzene Kleidung, verbrannte Haare und Stürze in Vulkanspalten – bei mehr als 30 aktiven Vulkanen ist die Liste lang. Es ist schon nicht ganz ungefährlich, allein und abgeschnitten vom Rest der Welt auf diesem Terrain und bei oft schwierigen Wetterverhältnissen unterwegs zu sein. Aber es ist ein großartiges Gefühl.
Letztes Jahr wärst du bei einer Expedition fast erblindet und hattest Frostbeulen …
Ich hatte die Expedition in drei Phasen unterteilt: Aufwärmen, Hauptteil und Training. Teil der Aufwärmphase war der Vulkan Villarrica (2.847 m) in Chile. Der ist jetzt eigentlich keine besondere Herausforderung, aber das Wetter war grauenhaft. Während der Überquerung einer Rinne hab ich den Boden unter den Füßen verloren und bin 200 oder 300 Meter abgerutscht. Ich hatte unglaubliches Glück und blieb unversehrt. Aber es war erst der erste Tag und hätte fatal enden können.
Ich hab aber leider meine Brillen verloren und wurde schneeblind. Außerdem verbrannte die Haut in meinem Gesicht. Trotzdem wollte ich gleich wieder zurückgehen und das beweist, dass ich nicht ganz normal bin, was ich aber witzig finde. Ich wusste ja, dass ich nicht klettern kann, ohne etwas zu sehen. Zum Glück hat mich das Wetter ausgebremst, denn es hat zwei Tage ohne Unterbrechung geregnet und weiter oben geschneit.
Auf dem Aconcagua (6.962 m) wurde ich mit minus 35 Grad Celsius empfangen, die sich wie minus 50 anfühlten. Ich wusste, dass meine Boots dafür nicht gut genug waren. Und eigentlich hätte ich nach Mendoza zurückgehen müssen, um mir bessere Ausrüstung zu leihen, oder zu kaufen, aber ich hatte keine Zeit. Mein Plan erlaubte keinen einzigen Tag Pause. Ich wusste, das würde ein paar Frostbeulen geben. Aber dank jahrelanger Erfahrung kann ich damit umgehen und ich riskiere nie mehr als Erfrierungen zweiten Grades. Alles andere würde Krankenhaus und Schlimmeres zur Folge haben. Jedoch entwickelten sich die Frostbeulen schlimmer, als ich es erwartet hatte. Es wäre eigentlich klug gewesen, zum Arzt zu gehen, oder zwei bis drei Wochen Pause einzulegen. Aber ich tat es nicht. Ich kam damit zurecht.
Welche Pläne hast du für die verbleibenden 48 Vulkane?
Die letzten Jahre waren ziemlich intensiv und ich habe viele Trips unternommen. Das hat sich natürlich auf meine Finanzen ausgewirkt. Ich glaub die nächsten Jahre muss ich mich wieder auf Geld und Equipment konzentrieren. Aber es gibt noch genügend Vulkane zu entdecken, wie etwa den Stromboli in Italien oder auf den Kanaren. Ich hab noch immer jede Menge Ideen.
Grzegorzs Abenteuer kannst du auf seiner Website und seinem Facebook-Profil verfolgen.