Willi Orban
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Fußball

Wie Willi Orban: Diese deutschen Fußballer wurden woanders Nationalspieler!

Der Kapitän von Bundesligist RB Leipzig ist nicht der erste deutsche Fußballer, der für eine andere Nationalmannschaft aufläuft. Wir stellen einige der bekanntesten vor.
Von: Christian Knoth
4 min readPublished on
Den 12. Oktober 2018 wird Willi Orban wohl nie vergessen. Der 25-jährige Kapitän von RB Leipzig debütierte an diesem Tag für die Nationalmannschaft von Ungarn. Bei der 0:1-Niederlage in Griechenland in der Nations League spielte Orban prompt von Beginn an. Auch beim darauf folgenden Nations League-Spiel gegen Estland (3:3) war der Abwehrchef der Roten Bullen 90 Minuten für Ungarn am Ball. Übrigens: Mit Torwart Péter Gulásci spielt ein weiterer RB Leipzig-Akteur für die ungarische Auswahl.
Erst vor wenigen Wochen hatte Orban den Entschluss gefasst, für Ungarn aufzulaufen. Der in Kaiserslautern geborene Verteidiger, der seit 2015 für RB Leipzig spielt, entschied sich damit für das Heimatland seines Vaters und gegen die DFB-Auswahl. Als Nachwuchsspieler hatte Orban noch für die deutsche U 21-Nationalmannschaft gespielt.
Orban ist nicht der erste deutsche Fußballprofi, der in einem anderen Land eine Karriere in der Nationalmannschaft hinlegt. Es gab bereits viele prominente Spieler, die diesen Weg gegangen sind. Wir stellen euch jetzt einige davon vor.

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Niko und Robert Kovac - Kroatien

Heute sind Sie das Trainergespann beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München, früher waren sie lange Profis in der Bundesliga: Die Brüder Niko und Robert Kovac. Geboren und aufgewachsen sind sie in Berlin, später entschieden sie sich aber für die Nationalmannschaft von Kroatien. Niko kam auf 83 Einsätze (14 Tore), Robert spielte 84-mal für den aktuellen Vizeweltmeister. Beide nahmen mit Kroatien jeweils zweimal an einer WM (2002 und 2006) und einer EM (2004 und 2008) teil. Im Vereinsfußball gewannen die Kovac-Brüder mit dem FC Bayern München gemeinsam das Double (2003). Zwei Jahre später wiederholte sich dieser Erfolg für Robert - Niko war zu diesem Zeitpunkt bereits für Hertha BSC aktiv.

Yildiray Bastürk - Türkei

Wer erinnert sich noch an Yildiray Bastürk? Der kleine Zauberfuß wurde in Herne (Nordrhein-Westfalen) geboren, machte seine ersten Schritte als Fußballer bei der SG Wattenscheid 09 und beim VfL Bochum. Später kickte der mittlerweile 39-jährige Bastürk außerdem für Bayer 04 Leverkusen, Hertha BSC, den VfB Stuttgart und zum Abschluss seiner Karriere in England für die Blackburn Rovers. Obwohl er beinahe seine komplette Fußballer-Laufbahn in Deutschland verbrachte, lief er für die türkische Nationalmannschaft auf. Für die Türkei absolvierte Bastürk 49 Partien (zwei Tore). Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea gehörte er zu den absoluten Leistungsträgern der türkischen Auswahl, die mit dem Erreichen des dritten Platzes für den größten Erfolg in der Geschichte der türkischen Nationalmannschaft sorgte.
Ein weiteres Beispiel für einen in Deutschland aufgewachsenen Türken, der sich für die türkische Nationalmannschaft entschieden hat, ist Nuri Sahin. Der ehemalige Spieler von Borussia Dortmund und Real Madrid, der seit Ende August für den SV Werder Bremen am Ball ist, absolvierte bisher 52 Partien für die Türkei.
Nuri Sahin (links, hier noch für den BVB am Ball)

Nuri Sahin (links, hier noch für den BVB am Ball)

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Jermaine Jones - USA

Kämpfer, Beißer, Zweikampfmonster: All das war der Deutsch-Amerikaner Jermaine Jones. Der langjährige Spieler von Eintracht Frankfurt und Schalke 04, der vor wenigen Wochen im Alter von 36 Jahren seine Karriere beendet hat, wuchs in Frankfurt am Main auf. Dort wurde Jones bei der Eintracht auch zum Profi. Als Spieler des FC Schalke 04 schaffte Jones später den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft. Es blieb aber nur bei drei Einsätzen.
Weil Jones unbedingt weitere Länderspiele bestreiten wollte und bei der USA bessere Einsatzchancen sah, wechselte er 2009 die Nationalelf. Für die USA absolvierte er dann 69 Spiele (vier Tore). 2014 nahm er mit den Vereinigten Staaten an der WM in Brasilien teil. Danach wechselte Jones in die USA und spielte dort die letzten vier Jahre seiner Laufbahn. Sein aktueller Job: Jugendleiter beim US-Klub Real So Cal.

Heinrich Schmidtgal - Kasachstan

Dass Heinrich Schmidtgal keine Chance hat, deutscher Nationalspieler zu werden, wurde dem Linksverteidiger schnell bewusst. Also entschied sich der heute 32-jährige Russlanddeutsche, der als Zweijähriger mit seiner Familie nach Deutschland gekommen war, für Kasachstan. Der Ex-Profi, der unter anderem für den VfL Bochum, Fortuna Düsseldorf und die SpVgg Greuther Fürth kickte und insgesamt zu 18 Einsätzen in der Bundesliga und 102 Partien in der 2. Liga kam, absolvierte für die Kasachen zwölf Spiele. Einen seiner größten Momente erlebte Schmidtgal wohl im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland im Mai 2013. Kasachstan verlor zwar 1:4, aber Schmidtgal traf zum zwischenzeitlichen 1:3. 2016 beendete der Außenverteidiger seine Karriere im Trikot des FSV Frankfurt.

Kevin-Prince Boateng - Ghana

Natürlich darf der Deutsch-Ghanaer Kevin-Prince Boateng in unserer Auflistung nicht fehlen. Während sich sein Halbbruder Jerome für Deutschland entschied und dieser mit der DFB-Elf 2014 Weltmeister wurde, spielte Kevin-Prince für Ghana und nahm mit den „Black Stars“ an zwei Weltmeisterschaften teil (2010 und 2014). Damit trennten sich die Wege der in Berlin aufgewachsenen Boatengs nach ihrer Zeit im Nachwuchsbereich von Hertha BSC nicht nur im Vereinsfußball, sondern auch in der Nationalmannschaft. Der 30-jährige Jerome spielt seit 2011 für den FC Bayern München, Kevin-Prince (31) war allein in dieser Zeit für sechs verschiedene Vereine aktiv.
Seinen größten Erfolg im Vereinsfußball feierte Kevin-Prince Boateng in der letzten Saison, als er mit Eintracht Frankfurt DFB-Pokalsieger wurde. Jetzt spielt er wieder in Italien für den Erstligisten US Sassuolo.