Adrian Mattern beim Paddeln in Österreich
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Kajaken

Die besten Kajak-Wildwassertouren in den Alpen

Adrian Mattern liebt und lebt den Kajaksport wie kaum ein anderer. Hier präsentiert er seine Top 5 Wildwasser-Touren in den Alpen – von Deutschland über Österreich bis in die Schweiz.
Autor: Henner Thies
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Adrian Mattern

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"Die Wildwasser der Alpen sind von der Beschaffenheit eher unfairer und weniger Fehler verzeihend als andere Orte auf der Welt" sagt Kajak-Ass Adrian Mattern. Zudem sind die meisten Wildwasser-Spots laut Adrian optisch nicht ganz so anspruchsvoll wie beispielsweise die Routen in Norwegen oder Kalifornien. Was nicht heißt, das Deutschland, Österreich und die Schweiz keine klasse Wildwassertouren zu bieten hätten.
"Für mich ist das Wichtigste, dass ich herausforderndes, spannendes Wildwasser habe, in dem ich mich kreativ austoben kann", sagt Adrian. Und dass kann der 25-Jährige in den Alpen allemal. Hier sind Adrians Top 5 Wildwasser-Kajak-Touren von Deutschland bis in die Schweiz.

1. Murg (Schwarzwald)

Länge:15 km
Charakter:normaler Wasserstand – verblockt; viel Wasser – wuchtig
Schwierigkeitsgrad:3 bis 4; bei Hochwasser: 4-5
Saison:Dez bis März (Schneeschmelze & Regenfälle)
Die Murg im Schwarzwald ist ein mega-cooler Fluss, weil das Wildwasser für deutsche Verhältnisse sehr untypisch ist. Die Murg hat mit ihrem braunen Wasser, das mitten durch den Schwarzwald fließt, fast kanadischen Flair. Das Wildwasser ist top und für Deutschland ungewöhnlich lang. Auf drei Abschnitten kann man hier rund 15 km paddeln. Dabei sind alle Stellen fahrbar und auf einem coolen Level. 3-4 bei wenig Wasser und 4-5 bei viel Wasser.
Ein besonderes Highlight bei der Murg ist, dass man mit der Schwarzwaldbahn direkt neben der Murg verläuft. Das heißt man kann dort mit dem Zug umsetzen! Normalerweise muss man zum Ein- und Ausstieg ja immer viel mit dem Auto rumdüsen – man sagt nicht ohne Grund, dass Kajaksport Motorsport ist… das ist an der Murg anders. Da weiß ich: Ich paddel bis zur Bahnhaltestelle, alle 30 bis 60 Minuten kommt eine Bahn, steige in den Zug und in 15 Minuten bin ich wieder oben und kann dann noch ne Runde drehen, oder nach Hause düsen. Das ist schon sehr besonders!
Der einzige Nachteil an der Murg ist, dass der Fluss nicht ganz so oft Wasser führt. Die Murg ist recht verbaut mit einigen Staudämmen, wo viel Wasser abgeleitet wird. Demnach ist das Flussbett oft trocken. Um die Murg befahren zu können brauchen wir daher Schneeschmelze oder starken Regen.
Hot Tipp: Shuttle-Möglichkeit nutzen -> Schwarzwaldbahn direkt nebendran

2. Rissbach (Garmisch-Partenkirchen)

Länge: 7,5 km
Charakter:oben – offenes Wildwasser mit Kiesbänken // unten – Schlucht mit einem Wasserfall (6 m) und 2 Stufen (nur für Profis!)
Schwierigkeitsgrad:2 bis 3 (oberer Teil, ca. 7 km) // 5 (unterer Teil, ca. 300 m)
Saison:oberer Teil – ganzjährig // unterer Teil – Nov bis März (je nach Pegelstand)
Den Rissbach mag ich persönlich, weil er es trotz seiner Kürze echt in sich hat und für jeden was bietet. Der erste Abschnitt, oberhalb der Rissbachklamm ist eine Wildwasser 2-3 Strecke, auf der geübte Anfänger und Fortgeschrittene gut auf ihre Kosten kommen. Der untere Abschnitt, die Rissbachklamm, ist dann eher was für Profis, weil Schwierigkeitsstufe 5. Da kann man es sich dann richtig geben und an den easy Part von oben nochmal 300 actionreiche schwierige Meter durch die Rissbachklamm dranhängen.
Die Klamm ist dabei wirklich nur sehr erfahrenen Kajakern zu empfehlen, weil sie ersten sehr schwer zu fahren ist und sie zweitens bei Schneeschmelze oder Regen schnell zu viel Wasser führen kann. Den Pegel für die Rissbachklamm, wie für alle anderen hier genannten Flüsse und Schluchten kann man aber jederzeit easy per App checken. Ich persönlich nutze dafür die Riverapp, da kann man die Pegelstände von hunderttausenden Flüssen weltweit checken, Marker setzen, ab welchem Pegel du benachrichtigt werden willst, die einzelnen Streckenabschnitte checken, und so weiter.
Hot Tipp: Jeder, der nur den oberen Teil fahren will, sollte den Ausstieg für die obere Strecke anschauen, bevor er oben reinstartet.

3. Ötz (Österreich)

Länge: rund 60 km (10 verschiedene Abschnitte)
Charakter:von verblockt bis wuchtig (je nach Abschnitt, Jahreszeit, Wasserstand)
Schwierigkeitsgrad:2 bis 6 (je nach Abschnitt)
Saison:März – Oktober
Die Ötz ist einer der Gründe, warum ich mittlerweile in Innsbruck wohne. Die Ötz ist sehr wahrscheinlich der Fluss, der die längste Befahrbarkeit in den ganzen Alpen hat. Von Wildwasser 2 bis Wildwasser 6 ist hier alles dabei. Die Ötz bietet zudem viele verschiedene Abschnitte, die zu allen Jahreszeiten laufen.
Der größte Vorteil, den die Ötz bietet, ist, dass ihr Pegelstand nicht vom Regenwasser oder der Schneeschmelze abhängt. Die Ötz wird von verschiedenen Gletschern gespeist, was zur Folge hat, dass die Ötz selbst im Hochsommer bei 30 Grad sehr viel Wasser führt. Für Vollblut-Kajakfahrer ist das ein absoluter Traum, weil du sicher sein kannst; auf der Ötz komm ich definitiv aufs Wasser und hab’ noch dazu 1A Wildwasser zur Verfügung.
Weil die Ötz zu allem Überfluss, wie erwähnt, auch noch super lang ist und in 10 Abschnitte aufgeteilt ist, kann man hier gut und gerne 1 bis 2 Wochen verbringen und jeden Tag je nach Pegelstand und Jahreszeit einen anderen Abschnitt fahren. Tendenziell laufen im Frühling und im Herbst die steileren Abschnitte, wie zum Beispiel die berühmte „Wellerbrücke“, die nur für Profis geeignet ist. Im Sommer, wenn die Gletscher schmelzen und die Ötz sechsmal so viel Wasser führt, wandelt sich die Ötz von einem technisch anspruchsvollen steilen, hier und da seichten Fluss zu einem reißenden Gebirgsfluss mit großen Wellen, den man dann einfach mittig runterknallt.

Die Teilabschnitte der Ötz im Überblick:

  1. Obere Vent
  2. Heiligkreuzschlucht
  3. Untere Vent
  4. Kühtrainschlucht
  5. Obere Ötz
  6. Mittlere Ötz
  7. Köfelser
  8. Achstürze (nur für Vollprofis)
  9. Weller Brücke
  10. Untere Ötz
Hot Tipp: Den September nutzen! Da ist erstens wenig los, weil zwischen Sommer- und Winter-Saison. Und zweitens kann man morgens flaches, technisches Wasser fahren, weil es nachts schon kalt genug wird, dass die Gletscher zu schmelzen aufhören; abends kann man dann wuchtige Runs durch riesige Wellenzüge runterballern.

4. Brandenberger Ache a.k.a. “Brandy” (Österreich)

Länge: 15 km (3 Schluchten)
Charakter:viele Rutschen, kleinere Stufen, verblocktes Wildwasser
Schwierigkeitsgrad:3 bis 5 (je nach Wasserstand)
Saison:März – Oktober
35 Minuten östlich von Innsbruck fließt die Brandenberger Ache, liebevoll „Brandy“ genannt. Ein sehr cooler, abwechslungsreicher Fluss mit noch untypischerem Look: Normalerweise haben wir in den Alpen viel Schichtgestein und viele Grautöne. Die Brandy ist gekennzeichnet von weißem Gestein und eher untypischem Wildwasser für die Alpen.
Tendenziell sind die Wildwasser der Alpen eher unfair und weniger fehlerverzeihend. Die Brandy dagegen ist überraschend fair, bietet sehr rundes und vor allem langes Wildwasser. Auf der Brandy kannst du verteilt auf 3 Teilabschnitte 15 km durchpaddeln, ohne dein Kajak einmal verlassen zu müssen. Zudem ist das Wasser warm, weil die Brandy nur läuft, wenn es regnet oder der Schnee schmilzt.

Die Teilabschnitte der Brandenburger Ache im Überblick:

  1. Kaiserklamm
  2. Pinniggerklamm
  3. Tiefenbachklamm
Hot Tipp: Bei Regenfall nicht Zögern, direkt hingehen! Das Wasser ist so schnell weg, wie es da ist.

5. Verzasca (italienische Schweiz)

Die Verzasca in der italienischen Schweiz ist Pound for Pound der schönste Fluss der Alpen. Die blau-türkise Farbe des Wassers ist unglaublich und das Wildwasser erste Klasse. Das gepaart mit der malerischen Umgebung und dem Granit-Gestein machen die Verzasca absolut einzigartig.
Die Verzasca teilt sich in drei Teilabschnitte: die obere, die mittlere und die untere Verzasca. Anders als die meisten Flüsse, wird die Verzasca nach unten hin nicht einfacher, sondern schwieriger befahrbar. Der obere Teil ist einfach, der mittlere mittel und der untere Teil schwer. Insgesamt liefert die Verzasca kraftvolle Durchfahrten mit kleineren Stufen. Allerdings täuscht die Schönheit der Verzasca auf den ersten Blick ein wenig über ihr Gefahrenpotenzial hinweg.
Das Kalkgestein der Verzasca ist an vielen Steller sehr tief ausgehöhlt, was dazu führt, dass das Wasser an vielen Stellen unter die Steine drückt, anstatt daran vorbeizulaufen, sich also sogenannte Siphone bilden, die man unbedingt im Auge haben sollte. Abgesehen davon ist die Verzasca ein ganz besonderer Ort, an dem man auch wegen des nahe gelegenen Lago Maggiore gerne Zeit verbringt.

Die Teilabschnitte der Verzasca im Überblick:

  1. Obere Verzasca (Wildwasser 3)
  2. Mittlere Verzasca (Wildwasser – 4)
  3. Untere Verzasca (Wildwasser – 5)
Hot Tipp: Den Eisladen am Lago Maggiore, kurz hinter der Schweizer Grenze auf italienischer Seite checken und sich nach dem Paddeln mit Erdbeer-Eis bei der Gelateria di Cannobio belohnen.

Adrians Safety First Checkliste für eine sichere Paddeltour

Adrian Mattern vor dem Mega-Drop in Oregon, USA.
Adrian Mattern und der beste Augenblick seines Lebens
Vor dem Einstieg:
  • Eigencheck: Gruppenzwang ausklammern!
  • Vorbereitung: Einstieg, Ausstieg checken, Tourenberichte durchlesen, Wasserstände überprüfen, Wetter checken, Updates zur Strecke prüfen (sind z.B. neue Hindernisse im Fluss, etc.)
  • Team-Check: Mit wem bin ich unterwegs, wer hat welche Aufgabe, wenn XY passieren sollte, etc.
  • Sicherheitsausrüstung: Ist die Sicherheitsausrüstung komplett, haben wir ein Erste Hilfe Set und je nach Wildwasser, Ersatzpaddel dabei?
  • Timing/ Zeitmanagement: Wann muss man wo starten um spätestens zu einer vordefinierten Zeit am Ziel zu sein, bevor es dunkel wird?
  • Dress for the Water not the Air: Auch im Sommer sollte man warm genug angezogen sein, um im Extremfall nicht zu unterkühlen.
  • Verpflegung nicht vergessen!
Beim Paddeln:
  • Immer nur so weit fahren, dass ich mindestens 1 Kehrwasser vor mir sehe
  • Im Zweifel immer Aussteigen und Besichtigen!

Bike 2 Boat: Adrian Mattern zeigt seine komplett CO2-neutrale Kajak-Tour!

Ihr kennt nun 5 wundervolle Kajak-Touren in den Alpen, die ihr unbedingt einmal ausprobieren solltet. Aber habt ihr euch schon Gedanken gemacht, wie ihr dorthin gelangt? Adrian Mattern beweist bei seinem Projekt Bike 2 Boat, dass das komplett CO2-neutral - also ohne Auto - geht!
Hierbei handelt es sich um einen Round-Trip, bei dem Mattern und seine Begleiter mit dem Rad von der eigenen Haustür weg vollkommen CO2-neutral mit ihren Kajaks quer durch die Alpen von Spot zu Spot fahren und am Ende wieder bei sich zuhause landen. In diesem Video erfährst du mehr:
Kajaken · 10 Min
Folge Adrian Mattern bei seinem CO2-neutralen Kajak-Trip durch die Alpen
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