Laura Stigger with her Specialized S-Works Epic
© Laura Stigger
MTB

Bike Check: Laura Stigger

Warum die Senkrechtstarterin die härteste Weltcup-Strecke mit dem Hardtail bezwingt und nie ohne Radcomputer fährt, verrät sie im Bike Check Interview.
Autor: Christoph Berger-Schauer
5 min readveröffentlicht am
Laura, bei deinem ersten Weltcup-Auftritt in der Elite bist du gleich zum ersten österreichischen XCO-Podest seit 10 Jahren gefahren. Wie hat sich das angefühlt?
Eigentlich unbeschreiblich. Mit Corona war es für alle eine schwierige Zeit, niemand hat gewusst wer schnell sein wird. Dass ich in Nové Město aufs Podium gekommen bin, ist unglaublich.

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Wie ist es neben seinen Vorbildern bei der Siegerehrung zu stehen?
Wahnsinn. Ich schau mir hin und wieder das Replay auf Red Bull TV an. Die Emotionen von dem Tag sind echt intensiv.
Du könntest im U23-Weltcup Sieg um Sieg abräumen. Warum fährst du freiwillig als 20-jährige in der Elite mit?
Ich bin freiwillig aufgestiegen, weil ich mich immer weiterentwickeln will und ich glaube, dort am meisten lernen zu können.
Die 20-jährige Laura Stigger sollte man jetzt auf der Rechnung haben.
Die 20-jährige Laura Stigger sollte man jetzt auf der Rechnung haben.
Kommen wir zu dem Ding, dass dich beim XCO-Weltcup in Tschechien soweit nach vor katapultiert hat: dein Bike. Erzähl uns ein bisserl was über dein Gefährt.
Ich war eine der wenigen, die in Nové Město mit dem Hardtail an den Start gegangen ist. Viele haben mich gefragt: „Warum?“ Ich hab mich aber einfach wohl gefühlt und auf mein Gefühl vertraut.
Wie entscheidest du, ob du zum Fully oder Hardtail greifst?
Eigentlich von der Strecke her. Nové Město ist eine der anspruchsvollsten Strecken, die ich kenne. Da war’s wirklich einfach mein Gefühl. Ob ich mit dem S-WORKS Epic Fully schneller gewesen wäre, kann ich nicht sagen. Für mich war es dieses mal auf alle Fälle die richtige Entscheidung. Das ist eine komplette Gefühlssache und es kann durchaus sein, dass es ich mich nächstes Jahr für das Fully entscheide.
Wenn man mit einem Hardtail alles fährt, fährt man es mit dem Fully erst recht.
Respekt, dass du eine der härtesten Strecken im Weltcup mit dem Hardtail in Angriff genommen hast!
Ich hab ein bisserl den Vorteil, dass ich technisch gut geschult worden bin. Wenn man mit einem Hardtail alles fährt, fährt man es mit dem Fully erst recht. [lacht]
Wo wir schon beim nächsten Thema wären: wie würdest du deinen eigenen Fahrstil beschreiben?
Ziemlich ruhig. In den Downhills sehr konzentriert. In den Uphills fokussiert.
Laura Stigger glänzt in ihrem ersten Weltcup-Rennen.
Laura Stigger glänzt in ihrem ersten Weltcup-Rennen.
Was ist dir am Bike wichtiger: Kletterfähigkeiten oder Abfahrtsperformance?
Beides. Das ist Cross Country!
Wie stimmst du dein Bike auf unterschiedliche Strecken ab?
Das Setup hängt von der Strecke und vom Wetter ab – da spielen viele Faktoren mit rein. Da wird der Luftdruck vom Fahrwerk und Reifen abgestimmt. Das ist von Strecke zu Strecke unterschiedlich. Da habe ich aber mit meinem Mechaniker so ein gutes Vertrauen, dass er es schon ziemlich im Gefühl hat und wir zusammen noch das Feintuning machen.
Was ist DAS Merkmal an deinem Bike?
Beim aktuellen Bike gibt’s das (noch) nicht, aber beim WM-Radl letztes Jahr ist direkt am Oberrohr „Olm Volle“ gestanden, also mein Logo. Da erkannte man es gleich als mein Rad. Sonst erkennt man’s, weil ich einen eher kleinen Rahmen fahre. Ich bin 1,67m und bei den Messungen immer zwischen Small- und Medium-Rahmengrößen. Ich hab mich für den kürzeren entschieden, weil ich mich da drauf einfach wohler fühle.
Laura Stiggers Specialized Epic Cockpit Setup
Laura Stiggers Specialized Epic Cockpit Setup
Du rückst nie ohne deinen Radcomputer aus. Was schaust du dir da an?
Genau, der ist immer dabei! Während dem Rennen probiere ich so gut wie nie drauf zu schauen. Wenn ich da den Puls von 200 sehen würde, dann würde ich wahrscheinlich selber vom Radl fallen. Der Computer ist aber wichtig für die Auswertung, damit man sieht wie die Leistung war, wo man Verbesserungen machen kann. Mein Trainer und ich arbeiten nach jedem Rennen gut zusammen. Da gibt’s dann schon einige Sachen wo man sagt: das muss besser gemacht werden oder das war richtig gut. Man analysiert damit jedes Training und jedes Rennen.

Basis

S-WORKS Epic 2021

Gabel

RockShox SID SL Ultimate Brain

Dämpfer

RockShox-Specialized Brain

Laufräder

Roval Control SL

Bremsen

SRAM Level Ultimate

Antrieb

SRAM XX1 Eagle AXS

Reifen

meist S-WORKS FAST TRAK, je nach Wetter, Strecke, Lust und Laune

Cockpit

S-WORKS

Radcomputer

WAHOO

Griffe

Specialized Trail Grips

Pedale

HT Components

Sattelstütze

RockShox Reverb AXS

Sattel

S-WORKS Power mit MIMIC-Technologie

Gewicht

9,3 kg

Hast du ein Lieblingsbike und Lieblingsbedingungen?
Lielbingsradl? S-WORKS Epic! Alle Specialized-Modelle haben ihren Reiz. Egal ob XCO, Enduro, Downhill oder auch Straße. Eines ist aber fix: die Specialized Radln mit ihrer Brain Technologie sind einfach super! Am liebsten sind mir nasse Bedingungen und wenn es wirklich technisch schwierig ist. Also Leogang wäre das Richtige für mich gewesen. Bei langen Ausfahrten hab ich’s aber auch gern, wenn strahlend-blauer Himmel ist.
Was muss an deinem Radl unbedingt funktionieren - ohne welchem Teil könntest du nicht fahren?
Der Akku soll aufgeladen sein – von der Schaltung. Sonst geht die Schaltung nicht. [lacht] Aber um in der Weltspitze mitfahren zu können muss alles am Rad perfekt funktionieren. Optimale Wartung ist dafür Voraussetzung.
Am liebsten sind mir nasse Bedingungen und wenn es wirklich technisch schwierig ist. Also Leogang wäre das Richtige für mich gewesen.
Dein ärgerlichster/skurrilster Defekt bisher?
Ich muss sagen, in Punkto Defekte bin ich bis jetzt gut davongekommen. Da muss ich auf Holz klopfen. Das waren ein paar wenige Patschen, die auf Fahrfehler zurückzuführen sind. Da bin ich froh und das kann auch ruhig so bleiben.
Laura Stiggers S-WORKS Epic AXS Antrieb
Laura Stiggers S-WORKS Epic AXS Antrieb
Biken im Winter im Ötztal wird’s nicht spielen, oder? Was machst du in der kalten Jahreszeit?
Das stimmt. Im Winter bin ich viel auf den Skiern unterwegs – ob Langlauf- oder Skitourenski. Da habe ich im Ötztal die besten Möglichkeiten dazu. Das ist ein guter Ausgleich. Das Radlfahren geht lang genug, von Februar bis Oktober. Da freue ich mich immer wieder auf den Winter, damit ich wieder auf die Ski und dort Gas geben kann.
Die Saison 2020 ist abgeschlossen. Hast du dir ein Ziel für 2021 gesetzt?
Ja, auf alle Fälle möchte ich nach Tokio! Das ist ein Traum und ein Riesenziel. Und natürlich hoffe ich, dass sich alles normalisiert und der Weltcup stattfindet. Dort möchte ich mich dann genau so gut präsentieren wie in Nové Město.
Das sind anständig dimensionierte Ziele. Wir wünschen dir jetzt schon alles Gute, Laura!