Games

Captain Tsubasa und die Rückkehr der Anime-Kicker

© Bandai Namco
Captain Tsubasa, der Kult-Anime aus eurer Kindheit ist zurück. Wir klären, was der Arcade-Kick Captain Tsubasa: Rise of New Champions auf dem Kasten hat.
Autor: Philipp Brielveröffentlicht am
Gehört ihr auch zu denjenigen, die in ihrer Kindheit mit den japanischen Anime-Fußballstars Tsubasa Ohzora und Genzo Wakabayashi mitgebfiebert haben? „Die tollen Fußballstars“, wie die Kult-Serie aus den 1980er Jahren hierzulande hieß, kicken jetzt in Captain Tsubasa: Rise of New Champions auch auf PlayStation 4, Nintendo Switch und PC.

Story-Kick mit Tsubasa

Der Story-Modus von Captain Tsubasa: Rise of New Champions ist in zwei Kampagnen unterteilt: “Episode: Tsubasa” folgt dem Kapitän und behandelt den Weg seiner Nankatsu-Mannschaft auf dem Weg zur dritten Landesmeisterschaft.
Die rund fünf- bis sechsstündige Kampagne erzählt ihre Handlung dabei in Dialog- und Zwischensequenzen und könnte dabei hinsichtlich der Inszenierung direkt aus dem kultigen Anime entsprungen sein. Ein Fest für alle Fans, die schon immer einmal an der Seite des japanischen Fußballtalents auflaufen wollten.
Aber es gibt noch eine zweite Kampagne namens “Episode: Neuer Held“, in der ihr euren eigenen Spieler erstellt und es als Neuling mit der gesamten internationalen Jugend-Fußballszene aufnehmt. Die Kampagne fällt deutlich umfangreicher aus, fesselt aber ebenso wie die Originalhandlung der Tsubasa-Story, die direkt auf der Anime-Serie basiert.
Grundsätzlich laufen beide Kampagnen recht ähnlich ab und drehen sich um ein großes Fußballturnier, das es zu gewinnen gilt. Vor, nach und sogar während der Matches wartet Captain Tsubasa: Rise of New Champions mit umfangreichen und dramatischen Zwischensequenzen auf, die selbst während der Partien das Spielgeschehen nicht unnötig stören.

Viel Story, wenig Fußball

Während die Story Fans der Reihe und Anime-Enthusiasten begeistern dürfte, steht es um das eigentliche Geschehen auf dem Platz nicht ganz so gut. Klar sollte hier niemand einen ernsthaften Konkurrenten zu FIFA oder PES erwarten, doch selbst bei der Arcade-Konkurrenz um Mario und Co zieht Tsubasa den Kürzeren.
Ihr reiht Kurzpass, Steilvorlage und Flanke aneinander, umdribbelt Gegner – teils sogar mit besonders schicken Sequenzen und feuert einen wuchtigen Schuss auf den Keeper. Ja, im Groben entspricht das Gameplay dem, was man von einem Fußballspiel erwarten würde.
Einen Schiedsrichter gibt es allerdings nicht, ihr dürft also nach Herzenslust zu Blutgrätsche oder Body-Check greifen, um eure Gegenspieler unfair von den Beinen zu holen. Da es dem Kick aufgrund der unvorteilhaften Kameraperspektive zudem an Übersicht mangelt, wird das mitunter schnell chaotisch.
Besonders cool sind die Spezial-Schüsse in Captain Tsubasa: Rise of New Champions, die Kenner der Serie so lieben. Hyugas Tigerschuss ist einfach legendär. Damals, wie heute. Um aber überhaupt eine Chance auf einen Torerfolg zu haben, müsst ihr den gegnerischen Torhüter zunächst einmal müde machen.
Alle Spieler verfügen über eine Willen-Anzeige, die darüber Aufschluss gibt, ob und wie oft ihr Übersteiger, Dribblings oder Sprints hinlegen könnt. Blöd nur, dass das auch für die Torhüter gilt. Nur, wenn ihr deren Willen-Anzeige leert, habt ihr überhaupt die Chance auf ein Tor. Ansonsten halten die Keeper absolut jeden Ball.
Captain Tsubasa: Rise of New Champions ist eine gelungene Anime-Adaption, hat mit Fußball aber nur wenig gemeinsam
Foul? Gibt's nicht. Body-Checks sind ausdrücklich erwünscht

Zwischen Frust und Spaß

Jetzt wissen wir auch, warum wir im anfänglichen Tutorial 20 Minuten lang nicht in der Lage waren, auch nur ein einziges Tor zu erzielen. Denn im Prinzip laufen alle Angriffe in Captain Tsubasa: Rise of New Champions gleich ab.
Hier und dort ein wenig kombinieren, bis die Anzeige voll ist, zig Mal aufs Tor zimmern, um die Anzeige des Gegners zu leeren und irgendwann den Schuss voll aufladen, damit der Ball dann auch mal im Netz zappelt.
Fußball als Sport soll unberechenbar sein, das macht den Reiz aus. Bei Tsubasa und seinen Freunden ist aber genau das Gegenteil der Fall – wirklich motivierend ist das, trotz schicker Anime-Sequenzen, auf Dauer jedenfalls nicht.
Captain Tsubasa: Rise of New Champions ist beileibe kein schlechtes Spiel. Gerade im Online-Multiplayer entfalten die Partien mit ihrer Mischung aus Arcade-Fußball und Anime-Prügelspiel einen gewissen Reiz. Ein Bisschen mehr Fußball wäre aber schon schön gewesen.
Wer sich damit abfinden kann und selbst mal in seinem Lieblings-Anime mitspielen will, wird mit dem Game seine Freude haben. Fußball (selbst in der Arcade-Variante) gibt es aber in weitaus besserer Form.