Biathlon

Christoph Sumann: "Trainer werden? Warum nicht!?"

Der österreichische Biathlet erzählt im Interview von seinem Kampfgeist und seinen Zukunftsplänen.
Autor: Simon Schreyer, Red Bull Austria & Sam Bloomfieldveröffentlicht am
Der österreichische Biathlet Christoph Sumann
Der österreichische Biathlet Christoph Sumann
Die erste Runde des IBU Biathlon Weltcup 2013/14 musste Christoph Sumann wegen Krankheit ausfallen lassen. Wie er uns im Interview verrät, ist das für ihn aber kein Rückschlag, sondern Anlass dazu, noch härter anzugreifen.
Wir haben Sumi, den Mann mit der meisten Erfahrung im österreichischen Biathlon-Team, nach seiner Kindheit, den Herausforderungen, denen er sich stellen musste, und seinen Zielen für die neue Saison gefragt.
Red Bull: Christoph, erzähl uns von deiner Kindheit in der Steiermark.
Christoph: Ich komme aus einem "Doppelort", der sich Frojach-Katsch nennt, und bin sehr ländlich und behütet aufgewachsen. Ich habe damals mit dem alpinen Skifahren angefangen, was dort eine eher untypische Sportart war. Mir hat es aber Spaß gemacht. In unserem Dorf war Langlauf der große Renner. Mein Vater war ein olympischer Langläufer gewesen. An der Entscheidung, die breiten, alpinen Skier gegen schmale einzutauschen und schließlich Biathlon zu machen, ist wohl auch diese Familientradition Schuld.
Was ist dein Ziel für den kommenden Winter?
Christoph: Ich wäre schon damit zufrieden, wenn ich es ohne Verletzungen und Krankheit durch die Saison schaffen würde. Dazu wird in meinem Alter eine Menge Glück nötig sein [lacht]. Ich bin sehr anfällig, was Entzündungen der Bronchien und des Halses angeht. Das ging mir im Winter schon immer so – ein großer Nachteil für den Wettbewerb. Deswegen habe ich mir kürzlich die Nebenhöhlen operieren lassen und kann jetzt tiefer und freier atmen. Das macht sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr bemerkbar.
Christoph Sumann führt am 16. März 2013 beim IBU Biathlon Weltcup in Chanty-Mansijsk (Russland).
Christoph Sumann in Russland
Vor zwei Jahren bis du nach Innsbruck gezogen. Wie kam es dazu?
Christoph: Bereits seit 20 Jahren betreibe ich Hochleistungssport. Das brachte immer viele Ortswechsel, Reisen und ein Leben aus dem Koffer mit sich. Da ich jetzt meine eigene Familie habe, wollte ich die beiden letzten aktiven Jahre meiner Karriere alleine und nicht im Team trainieren – vor allem im Sommer. Ich trainiere jetzt in Seefeld in Tirol und meine Kinder gehen in Innsbruck zur Schule, wo wir leben. Im eigenen Bett zu schlafen, beruhigt mich sehr.
Hat diese Entscheidung auch Nachteile?
Christoph: Ja, leider, so wie alles im Leben. In den vergangenen Jahren hatte ich immer Teamkollegen, an denen ich mich messen konnte. Das machte es einfacher, zu sehen, was noch verbesserungsbedürftig war. Ein Beispiel: Wenn man jemanden wie Simon Eder am Schießstand neben sich hat, weiß man genau, wie gut man ist, denn er ist einer der besten Schützen im Biathlon, wenn nicht sogar der Welt. An Landi [ Dominik Landertinger] habe ich immer meine Geschwindigkeit auf der Strecke gemessen.
Was bist du so für ein Typ?
Christoph: Ich lache gerne und mache eine Menge Blödsinn. Manchmal bin ich aber auch launisch. Ich denke, dass daran das Sportlerleben Schuld ist. Vorher war ich nicht so drauf. Das liegt an dem ständigen Auf und Ab, das man durchmacht. Ich habe mittlerweile gelernt, mit meinen Launen umzugehen. Eine Zeit lang haben sie mich allerdings sehr gestört.
Der kommende Winter könnte deine letzte aktive Saison im Biathlon sein. Wie sieht deine Zukunftsplanung aus?
Christoph: Vielleicht werde ich Trainer, aber besser nicht von meinen Teamkollegen, mit denen ich die Strecke und das Hotelzimmer teile. Die würden mich bestimmt nicht ernst nehmen [lacht]. Ich würde statt der großen Namen lieber die Biathlon-Jugend trainieren. Aber so grundsätzlich Trainer werden? Klar, warum nicht!?